Die Stadien einer Beziehung bis hin zum Beziehungs-Burnout

von | 7. November 2019

Jede Liebesbeziehung durchlebt verschiedene Phasen. Hier liest du Interessantes über erste Schmetterlinge im Bauch bis zum Beziehungs-Burnout…

Beziehungs-Burnout

Frisch Verliebte können sich nicht vorstellen, dass ihr Glück irgendwann vergeht. Schließlich haben sie lange auf ihren Traumpartner gewartet, mit dem sie hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Alles erscheint so harmonisch und aufregend. Doch dieser Zustand verfliegt. Im Laufe der Partnerschaft bekommt die rosarote Brille Sprünge. Diskussionen und Streitigkeiten wollen ausgetragen werden. Es geht aber nicht. Enttäuschung und Zweifel an der Liebe stellen sich ein. Die Energiereserven sind aufgebraucht und es droht die Trennung. All das ist typisch für einen Beziehungs-Burnout mit seinen fünf Phasen.

Phase 1: Anhimmeln und Schmetterlinge im Bauch

In der Zeit des Verliebtseins wird der Partner idealisiert. Schwächen rücken in den Hintergrund bzw. werden nicht wahrgenommen. Jeder zeigt sich von seiner besten Seite, himmelt den Traumpartner an und wird von ihm angehimmelt. Die frisch Verliebten identifizieren sich stark mit der Partnerschaft. Wie im Drogenrausch können beide an nichts und niemand anderen mehr denken. Grundsätzlich ist das toll, aber es besteht die Gefahr des Verbiegens. Eigene Bedürfnisse werden hinten angestellt und Aversionen geleugnet oder verdrängt. Daraus resultieren (innere) Konflikte und das zu hohe Beziehungsengagement schürt die Erwartungshaltung bzw. führt zu dauerhaft unerfüllbaren Ansprüchen. Die Partner überfordern sich und Überforderung ist bereits die Grundlage für einen Burnout.

Phase 2: Warnsignale

Die rosarote Brille bekommt erste Sprünge: Der Alltag stellt sich ein, die Partner sind aneinander gewöhnt und somit nehmen die anfängliche Begeisterung und das Schwärmen ab. Der Blick auf die Schwächen des anderen wird klarer. Das ist völlig normal, aber manchmal werden hier schon die Gefühle füreinander angezweifelt. Perfektionisten empfinden den ruhigeren Beziehungsalltag als ungenügende Mittelmäßigkeit. Jetzt sollten sich Paare Zeit für sich selbst nehmen, damit sie in Ruhe nachspüren können, was gerade passiert. Allerdings wollen viele Paare erste Irritationen nicht wahrhaben und versuchen, der Beziehung wieder mehr Schwung durch Geschenke, ein selbst gekochtes Candle-Light-Dinner oder äußerliche Veränderungen zu verleihen. Zugleich wird Nerviges wie herumliegende Socken ignoriert. Die Partner sollten in dieser Phase authentisch und ehrlich sein. Durch das Überspielen und Verdrängen staut sich immer mehr auf. All das kostet Kraft und der Kraftverlust führt zu Erschöpfung und Niedergeschlagenheit. Warnsignale eines Burnouts wie innere Leere und Distanz treten hervor.

Phase 3: Konflikte und Streit

In Phase 3 wird es kritisch. Irgendwie läuft alles schief. Das Glas wird als nur noch halb voll wahrgenommen: die Opernkarten waren ein Reinfall, das Kind schreit ständig, das Ei ist schon wieder kalt usw. Die Romantik ist dahin und das Paar empfindet immer weniger Freude am gemeinsamen Alltag und an gemeinsamen Aktivitäten. Die eigenen Beziehungsideale werden nicht mehr erfüllt. Das frustriert, denn schließlich bemüht man sich. Die Partner empfinden Hilflosigkeit, Ohnmacht und Unfähigkeit. Das Selbstwertgefühl leidet unter diesem Zustand, schließlich erfährt man wenig Wertschätzung und je weniger man davon erfährt, desto weniger kann man zurückgeben. Ein gefährlicher Teufelskreis beginnt! Da die Toleranzschwelle immer weiter sinkt, ist die dringend erforderliche Aussprache fast unmöglich. Durch schwelende Konflikte, gegenseitige Schuldzuweisungen und Diskussionen verhärten sich die Fronten. Die Liebe bleibt auf der Strecke.

Phase 4: Aufbrauchen der Energiereserven

Der Beziehungsalltag wird immer lebloser. Eigentlich lebt man nur noch nebeneinander her und keiner hat Kraft, um sich stärker für die Partnerschaft einzusetzen. Die Partner erleben und vermitteln Gleichgültigkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl geht verloren. Viele stellen sich die Frage, ob es das gewesen ist und wozu man eigentlich noch zusammenbleiben soll, wenn man alleine glücklicher sein könnte. Der Gedanke an eine Trennung kommt immer wieder, denn die Beziehung mit ihren ständigen Angriffen auf die Nerven wird als belastend empfunden.

Phase 5: Zusammenbruch und Depression

Statt wütend zu sein und sich mit den Problemen auseinanderzusetzen haben die Partner resigniert. Nichts geht mehr! Der Burnout hat das Paar erfasst. Sie fühlen sich ausgebrannt, kraftlos und nutzlos. Die Partner ziehen sich zurück, die innere Kündigung ist abgeschickt. Die Fluchttendenzen werden oft im Alkohol oder in anderen Süchten erstickt. Die Partner werden depressiv, was bis zum völligen mentalen und physischen Zusammenbruch gehen kann.
Ein Beziehungs-Burnout muss nicht das Ende einer Beziehung bedeuten. Die Partnerschaft kann man durchaus retten. Hier erfährst du die wichtigsten Tipps für einen Neuanfang.

Quelle: Bernhardt, Daniela (2019): Raus aus dem Beziehungs-Burnout. Ariston, München

Foto: Vera Arsic – Canva.com

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