Die Bedeutung der Herkunftsfamilie für Partnerwahl und Partnerschaft

von | 2. Mai 2019

Die Herkunftsfamilie beeinflusst die Partnerwahl und die Partnerschaft durch ihr genetisches Erbe, frühe Prägung und das vorgelebte Beziehungsmodell.

HerkunftsfamilieHeutzutage suchen die Herkunftsfamilien in unserem Kulturkreis den Partner für ihre Kinder nicht mehr direkt aus, aber dennoch nehmen sie maßgeblichen Einfluss auf die Partnerwahl. Dabei spielen das genetische Erbe, frühe Weichenstellungen fürs Leben und das Vorleben einer Paarbeziehung eine große Rolle, in wen wir uns verlieben und wie glücklich wir mit ihm werden.

Partnerwahl und das genetische Erbe der Herkunftsfamilie

Schon beim ersten Date merken wir, wie unser Datingpartner genetisch von seiner Herkunftsfamilie beeinflusst wurde. Und dabei haben wir den Schwiegervater und die Schwiegermutter in spe noch gar nicht selbst getroffen! Aber schließlich ist unser Flirtpartner eine Mischung aus Mama und Papa, die ihm mit ihren Genen seine physischen und psychischen Merkmale mitgegeben haben. Und Gene können neuropsychische Grundlagen von Persönlichkeitseigenschaften weitergeben.

Bindung zu den Eltern wirkt sich auf Liebesbeziehungen aus

Die Bindung zu den Eltern ist als frühkindliche Prägung elementar. Die Bindungstheorie unterscheidet zwischen sicher, unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent gebundenen Kindern und Kindern mit einem desorganisierten bzw. desorientierten Bindungsstil. Genau dieses Bindungsverhalten spielt eine große Rolle in späteren Liebesbeziehungen. Sicher gebundene Menschen mit feinfühligen Eltern haben eine positive Sicht von sich selbst und von anderen. Sie verkraften Widrigkeiten des Lebens leichter und können Probleme in der Partnerschaft besser lösen. Damit haben alle unsicher und desorganisiert gebundenen Kinder in einer Liebesbeziehung Schwierigkeiten. Ihnen fehlte eine zuverlässige Bezugsperson, zu der sie eine sichere Bindung aufbauen konnten. Bindungsprobleme in der Partnerschaft, Nähe-Distanz-Probleme, vorschnelle Trennungen, On-Off-Beziehungen, Eifersucht, Sprachlosigkeit und ein generelles Sich-nicht-einlassen-können auf den Partner können die Folgen sein.

Muttersöhne und Vatertöchter

Diese beiden Typen haben eine übereng-verstrickte Bindung an ihren gegengeschlechtlichen Elternteil. Das Kind wird zum „Ersatzpartner“ gemacht. Geht dieser Ersatzpartner dann eine Liebesbeziehung ein, wird Mama oder Papa ziemlich eifersüchtig auf den „neuen Partner“. Es ist schwierig für betroffene Kinder, sich aus solchen verstrickten Bindungen zu lösen und Konflikte zwischen Schwiegerkind, Schiegereltern und dem Partner sind vorprogrammiert.

Lebenseinstellung der Eltern beeinflusst die Partnerwahl

Eltern vermitteln ihren Kindern durch ihre Lebenseinstellung, was gut und schlecht ist. Das bezieht sich auch auf andere Menschen. Die übernommenen Bewertungskriterien lösen Emotionen aus und wirken sich somit auf die Vorstellung von einem passenden Partner aus. Wir wählen schließlich denjenigen Partner, den auch die Eltern gut finden würden.

Partnerschaft der Eltern als Vorbild für die eigene Partnerschaft

Eltern leben uns hautnah vor, wie Partnerschaft funktioniert – gut, eher mittelmäßig oder schlecht. Kinder, die in einer harmonischen Paarbeziehung aufwachsen durften und gelernt haben, mit Konflikten umzugehen, können dies in der Regel auch in ihrer eigenen Partnerschaft gut anwenden. Menschen, die konfliktbehaftete oder distanzierte Beziehungen in ihren Herkunftsfamilien erlebt haben, tun sich schwerer bei der Lösung von Problemen und mangels Alternativen reproduzieren sie leider oftmals die destruktiven Umgangsweisen.

Erziehung, politische Einstellung, Bildungsgrad und soziale Schicht prägen uns außerdem. Wenn die Herkunftsfamilien anders ticken, ist Beziehungsarbeit besonders wichtig. Die Partner sollten sich eine eigene Welt erschaffen, in der sie das Beste aus ihren Herkunftsfamilien miteinander vereinen. Dann bereichern die Unterschiede die Beziehung.
Kinder finden es spannend, die Welten der beiden Großeltern kennenzulernen. Sie lernen, dass jedes Leben anders ist, Vorteile und Nachteile hat und sie quasi im „Best-of“ der beiden Großelternfamilien leben.

Foto: Robert Kneschke – Fotolia.com

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