Passive und aktive Bindungsangst: Wenn Sicherheit in der Partnerschaft langweilt

von | 29. Januar 2018

Manche Menschen suchen sich ständig Partner, die sie schlecht behandeln, auf Distanz gehen. Sicherheit in der Partnerschaft langweilt sie. Warum ist das so?

passive und aktive Bindungsangst

Wer unter Bindungsangst leidet, kennt dieses Phänomen: Man verliebt sich unsterblich in einen anderen Menschen und bemüht sich sehr um ihn. Doch sobald man sich der Zuneigung des anderen sicher ist, verliert er schlagartig an Attraktivität und die Beziehung kommt einem langweilig vor. Warum ist das so? Und warum lassen sich die Partner auf so eine Beziehung ein? Aktive und passive Bindungsangst steckt häufig dahinter.

Aktive Bindungsangst

Menschen mit aktiver Bindungsangst kämpfen gerne darum, jemanden „zu kriegen“, um ihn kurz darauf wieder abzuweisen. Sie haben ein Nähe-Distanz-Problem und Beziehungen machen ihnen Angst, sobald sie verbindlicher werden. Sie fühlen sich vom Partner eingeengt und können nicht damit umgehen, wenn der Partner Ansprüche (seien sie auch noch so gering und eigentlich selbstverständlich) an sie stellt. Menschen, die unter aktiver Bindungsangst leiden, brauchen viel Freiraum. Aktive Bindungsverweigerer haben eine negative Einstellung zu Beziehungen und suchen ständig nach Fehlern am Partner, weswegen sie die Partnerschaft nicht weiterführen oder vertiefen wollen bzw. können. Einerseits wissen sie, dass das Problem bei ihnen liegen könnte, andererseits schieben sie es gerne auf den Partner und suchen nach dem idealen Partner, der ihnen die Angst vor einer Beziehung nimmt. Nicht selten treffen sie dabei auf Menschen mit passiver Bindungsangst.

Passive Bindungsangst

Bei Menschen mit passiver Bindungsangst ist das Bindungssystem im Gehirn aktiviert, sie wollen ihren Partner unbedingt an sich binden. Ihre Motivation ist Verlustangst. Passive Bindungsverweigerer laufen einem Partner hinterher, der auf Distanz geht, sie schlecht behandelt und ständig Distanz herstellt. Diese Distanz wollen sie durchbrechen, was den Bindungsverweigerer auf noch größere Distanz gehen lässt. Deshalb versuchen sie mit Tricks, den Partner doch noch an sie zu binden. Sie wollen ihn eifersüchtig machen, täuschen Gleichgültigkeit vor oder geben sich besonders perfekt, um das heiß ersehnte Happy-End herbeizuführen. Menschen, die unter passiver Bindungsangst leiden, können verrückt nach Menschen sein, die sich hochambivalent gegenüber ihnen verhalten: extrem leidenschaftlich und im nächsten Moment total zickig sind. Die Betroffenen erleben ihr Verhalten als gestört und fühlen sich süchtig und abhängig vom Partner. Das Leben in ständiger Unsicherheit und Verlustangst kann sie depressiv machen.

Aktive und passive Partner

So lange sich die Betroffenen ihrer Bindungsangst nicht stellen, führen sie ständig Beziehungen, in denen einer der aktive Partner ist und der andere der passive Partner. Der passive Partner klammert und der aktive Partner stellt Distanz her. Die Rollen können allerdings wechseln und aus dem aktiven Partner kann ein passiver Partner werden. Wendet sich der passive Partner beispielsweise ab, weil er sich in einen anderen Menschen verliebt, entflammt der aktive Partner wahrscheinlich in heißer Liebe und kämpft um die Partnerschaft – um sich dann wieder zu langweilen wenn Ruhe und Sicherheit einkehrt. Ständige On-Off-Beziehungen können die Folge sein. Die Betroffenen sollten unbedingt mit einem Psychologen oder einer Psychologin über ihr Bindungsverhalten sprechen, damit sie Auswege aus diesem Dilemma finden und eine glückliche Beziehung mit einem passenden Partner führen können.

Wer mehr über dieses spannende Thema erfahren will, sollte dieses Buch lesen: Stahl, Stefanie (2017): Jeder ist beziehungsfähig. Der goldene Weg zwischen Freiheit und Nähe. Kailash Verlag, München

Foto: Konstantin Yuganov – Fotolia.com

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