Vorhersehbare Veränderungen in der Ehe

von | 28. Januar 2021

Ehepaare verändern sich im Laufe der Jahre hinsichtlich ihrer Leidenschaft, Intimität und Verbindlichkeit. Das ist völlig normal und vorhersehbar.

Zu Beginn sind Ehen von großer Leidenschaft und Intimität erfüllt. All das scheint mit der Zeit abzunehmen, genauso wie die Verbindlichkeit zwischen den Ehepartnern. Die kroatischen Psychologen Josip Obradovic und Mira Cudina haben die emotionale Entwicklung von fast eintausend Ehepaaren analysiert. Sie stellten fest, dass all diese Veränderungen vorhersehbar sind, Leidenschaft, Intimität und Verbindlichkeit lediglich Schwankungen unterliegen und meist wieder zunehmen.

Die Leidenschaft verändert sich im Laufe der Ehe

Grundsätzlich erblüht die Leidenschaft in einer Ehe intensiver, wenn die Partner sehr extrovertiert, umgänglich, ausgeglichen und selbstsicher sind. Diese Charakterzüge und Beziehungsfaktoren beeinflussen die eheliche Leidenschaft stark. Zudem spielt das Alter der Ehepartner eine Rolle: jüngere Ehepartner sind leidenschaftlicher, ältere scheinen schon etwas ruhiger geworden zu sein. Die anfängliche Leidenschaft nimmt nach fünf Jahren kontinuierlich ab, bis sie im 10. Ehejahr ihren Tiefpunkt erreicht. Allerdings steigt die Leidenschaft ab dem 15. Ehejahr wieder an, wenngleich sie nicht mehr die Intensität der Anfangsjahre erreicht. Das könnte mit der Geburt von Kindern zusammenhängen, denn nach der Geburt des ersten Kindes sinkt die Leidenschaft deutlich ab. Mit der Geburt des zweiten Kindes hingegen lassen sich keine Veränderungen feststellen. Hat ein Ehepaar drei Kinder, wächst die Leidenschaft erstaunlicherweise an. Dennoch erleben kinderlose Paare die größte Leidenschaft.

Intimität im Laufe der Ehejahre

Die Charaktereigenschaften wirken sich auch auf die Intimität aus, denn extrovertierte, umgängliche und ausgeglichene Partner erleben intimere Momente in ihrer Ehe. Auch ein hohes Maß an Selbstwertgefühl und sogar äußerliche Attraktivität führen zu mehr ehelicher Intimität. Im Laufe einer Ehe ist die Intimität anfangs sehr groß. Sie sinkt dann (mit der Geburt des ersten Kindes) etwas ab, wenngleich weniger als die Leidenschaft. Im Gegensatz zur Leidenschaft steigt die Intimität aber schneller wieder an. Ehepaare mit Kindern erleben emotionale, intime Momente mit den Kindern. Kinderlose Paare verspüren jedoch mehr eheliche Intimität.

Die Veränderungen der ehelichen Verbindlichkeit

Wenn Partner extrovertiert, verträglich, selbstbewusst und äußerlich attraktiv sind, ist ihre Ehe stärker von gegenseitiger Verbindlichkeit geprägt. Anfangs ist sie größer, sinkt jedoch mit zunehmendem Alter der Ehepartner ab und erreicht zwischen deren 30. und 40. Geburtstag ihren tiefsten Wert. Doch zum Glück steigt die Verbindlichkeit danach rasch wieder an. In dieser Altersspanne nimmt die persönliche Verantwortung zu. Entscheidungen über den zukünftigen Lebensweg sowie das Meistern von Herausforderungen beschäftigten die Ehepartner. Oftmals stellen sich Ehepartner in diesen Jahren verstärkt die Frage nach Kindern, Eigenheim oder beruflichem Fortkommen. Die Verbindlichkeit sinkt zudem mit der Ehedauer, denn sie ist zwischen dem 6. und 15. Hochzeitstag am geringsten, bevor sie wieder wächst und nach der Silberhochzeit sogar höher ist als in der Anfangsphase. Es sieht so aus, als durchleben Ehepaare in Phasen geringerer Verbindlichkeit schwierigere Zeiten und nicht wenige hinterfragen hier verstärkt die Ehe. Entscheidet sich das Paar zusammenzubleiben, wird die Verbindlichkeit wieder größer. Stärkend wirkt sich ebenfalls die Entscheidung für Kinder aus, obwohl mit der Geburt des ersten Kindes zunächst die Verbindlichkeit etwas bedroht ist. Ab dem zweiten Kind wird die Bindung an die Ehe sehr viel stärker. Kinder wirken – was die Verbindlichkeit betrifft – offensichtlich wie “Kitt”.
Übrigens hängen Leidenschaft, Intimität und Verbindlichkeit nicht mit dem Bildungsniveau zusammen. Dennoch sind Bildung und ausreichend Geld von Vorteil, denn finanzielle Not wirkt sich gefährlich auf diese drei wichtigen Aspekte der Liebe aus!

Zum Weiterlesen Mehr Leidenschaft durch Veränderung

Quelle: Bormans, Leo (Hrsg.): Liebe. The World Book of Love. Das Geheimnis der Liebe. Köln

Foto: Canva.com

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