Essstörungen bei Babys, Kindern und Jugendlichen

von | 7. Juni 2021

Bereits Babys können von Essstörungen betroffen sein, aber auch viele Kinder und Jugendliche leiden unter Magersucht, Bulimie oder Binge-Eating.

Essstörungen deuten immer auf tiefer liegende Probleme hin. Schon Säuglinge können unter einem gestörten Essverhalten leiden, Kleinkinder verweigern Nahrung oder essen ungenießbare Dinge. Im Grundschulalter sind bereits viele Kinder stark unter- oder übergewichtig und immer mehr Jugendliche sind von Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating betroffen.

Essstörungen bei Säuglingen

Wenn Babys Nahrung verweigern, kann das unterschiedliche Ursachen haben. Mussten Säuglinge oder Kleinkinder massive Manipulationen im Mund-Rachen-Raum erleben, können daraus sogenannte posttraumatische Fütterstörungen entstehen. Intubationen, Ernährung über Nasen-Sonden, aber auch massive Fütterungsversuche können dem zugrunde liegen. Wegen der schwachen Konstitution ihres Kindes sind die Eltern in Sorge und die Tage sind geprägt durch Sondieren, Fütterversuche, Erbrechen. Das Thema Ernährung des Kindes bekommt eine derart hohe Bedeutung, dass es das ganze Familienleben dominiert.

Auch das Füttern nach Uhrzeit, zu schnelles Flasche geben oder zu frühe Entwöhnung von der Brust können Essstörungen herbeiführen. Am besten ist Stillen nach Bedarf, damit das Baby sein natürliches Hungergefühl sowohl ausdrücken als auch entsprechend stillen kann. So entsteht ein ungezwungener Umgang mit Essen. Essstörungen bei Babys entstehen dann, wenn ihre natürlichen Bedürfnisse der Nahrungsaufnahme ignoriert oder gestört wurden.

Aber auch ess- oder wahrnehmungsgestörte Eltern können Essstörungen bereits bei Babys hervorrufen, wenn sie die Nahrungsmenge reduzieren, weil sie ihr Baby für zu dick halten. Oder dem Säugling zu viel Nahrung einflößen, weil sie ihr Baby für zu dünn erachten, obwohl es normalgewichtig ist.

Kleinkinder mit Essstörungen

Mit Beginn der B(r)eikost beginnt an vielen Familientischen Stress, wenn die Kinder nicht oder nur einseitig essen. Manche Kleinkinder haben einen ausgeprägten Geschmackssinn für Bitterstoffe und empfinden die Nahrung extrem unangenehm, so dass sie sie wieder ausspucken. Andere Kinder sind im Mund sensorisch sehr empfindlich und können nur wenige Nahrungsmittel essen. Es gibt auch Kleinkinder, die aufgrund einer Hypersensibilität den Entwicklungsschritt weg von der Brust bzw. der Flasche hin zu breiiger oder fester Nahrung nicht bewältigen. Die Eltern haben natürlich Angst, dass ihr Kind nicht gut gedeiht und üben oftmals zu viel Druck aus, was zu einer verstärkten Abwehrhaltung des Kleinkindes führt. Weinen, Schreien, das Essen in hohem Bogen ausspucken oder wieder hochwürgen, die angebotene Nahrung mit den Händchen wegschieben oder sogar wegstoßen sind typische Reaktionen. Das Kind kann sich schließlich noch nicht anders ausdrücken!

Wenn ein Kind nicht gern isst, machen Eltern oft den Fehler, ihrem Liebling Süßes anzubieten. Doch Vorsicht: Kleinkinder sollten keine Nahrungsmittel mit Zucker bekommen, denn ihr Geschmackssinn wird dadurch auf Süßes geprägt. Die Kinder essen womöglich mehr, aber dafür mehr Ungesundes. Das führt zu Übergewicht. Zucker ist nun mal ein Suchtmittel und Mitverursacher der typischen Zivilisationskrankheiten, von denen immer mehr Kleinkinder betroffen sind. Außerdem schadet Zucker den Zähnen.
Eine seltene Essstörung ist die sogenannte „Pica-Erkrankung“. Kinder, die davon betroffen sind, essen Ungenießbares wie zum Beispiel Papier, Erde, Sand, Abfall, Steine, Kalk, Asche oder sogar Nägel. Das ist natürlich gefährlich und kann sogar tödlich enden. Der Pica-Erkrankung können eine reduzierte geistige Fähigkeit, Missbrauch, aber auch ein drastischer Mineralstoffmangel zugrunde liegen.

Anorexie und Binge-Eating bei Kindern

Bereits Kinder im Grundschulalter sind von den Essstörungen Magersucht oder Binge-Eating betroffen. Während vor einigen Jahren in der Regel Erwachsene darunter litten, verschieben sich die Altersgrenzen inzwischen immer weiter nach unten. Jungs und Mädchen leiden unter Anorexie (Magersucht) wenn sie schlank sein möchten, um in viel zu schmal geschnittene Kleidung zu passen, sie als dick oder sogar fett bezeichnet wurden, ihr Vorbild dünner ist… Diese Kinder essen dann extrem wenig. Sie leiden unter einem geringen Selbstwertgefühl genauso wie diejenigen, die von Binge-Eating betroffen sind. Das ist eine Essstörung, bei der es zu Heißhungerattacken mit Verlust der Kontrolle über das Essverhalten kommt und längerfristig zu Übergewicht oder sogar Fettleibigkeit führt. Vor allem Kinder, die kein gesundes Essverhalten erlernt haben, die bereits übergewichtig oder depressiv sind oder durch ihre Essstörung traumatische Erlebnisse verarbeiten, sind besonders gefährdet.

Essstörungen im Jugendalter

Anorexie, Bulimie und Binge-Eating sind bei Jugendlichen stark verbreitet und auch immer mehr Jungs sind davon betroffen. Jugendliche AnorektikerInnen essen nichts oder zu wenig, erbrechen sich und nehmen Abführmittel. BulimikerInnen essen und erbrechen danach wieder, treiben exzessiv Sport oder Substanzmittelmissbrauch und Binge-Eater haben regelrechte Heißhungeranfälle. Alle Essstörungen können ineinander übergehen oder sich abwechseln.

Möchten Jugendliche abnehmen, liegt das zum einen am Schönheitskult, der bei Jungs und Mädchen Schäden verursacht. Aber auch das ständige Sich-Bewegen in virtuellen Welten mit all den gefakten, manipulierten Fotos und Videos von vermeintlich hübschen Menschen führt zu einer verzerrten Selbstwahrnehmung. Ferner spielen Influencer eine große Rolle, die mit ihren Blogs und Filmchen Jugendliche beeinflussen. Das ist besonders fatal, wenn sie ihre eigene Essstörung zelebrieren und bedenkliche Schönheitsideale propagieren. Die Jugendlichen bewegen sich immer mehr in diesen Kunstwelten fernab der Realität und sind dadurch leicht manipulierbar. Perfektionismus und die Sehnsucht nach Anerkennung lassen Jugendliche Opfer von Essstörungen werden.

Die Corona-Krise und die Isolation von echten Menschen verstärken diese Abwärtsspirale sicherlich. Langeweile, Frust und eine fehlende Tagesstruktur können Binge-Eating fördern. Mit dem Essen füllen sie ihre innere Leere.

Therapie der Essstörungen

Da die Essstörungen in der Regel auf tiefer sitzende psychische Probleme hindeuten und als Hilferufe zu verstehen sind, ist eine umfassende medizinische und psychologische Untersuchung angeraten. Danach können eine möglichst genaue Diagnose gestellt und erste gesundheitliche Schäden erkannt und behandelt werden. Da die gesamte Familie von der Essstörung ihres Kindes mit betroffen ist, kann eine Familientherapie – je nach Alter des Kindes zusätzlich zur Einzeltherapie – sinnvoll sein. Schließlich muss die gesamte Familie verstehen, was es mit dem gestörten Essverhalten auf sich hat und alle sollten lernen, damit umzugehen. Die Therapie kann ambulant oder stationär erfolgen. Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen sind gute Anlaufpunkte, um geeignete Therapeuten zu finden und sich umfassend beraten zu lassen. Sie geben oftmals gute Tipps für die Alltagsbewältigung.

Das Ziel der Therapie ist zum einen das Erreichen eines bestimmten Gewichtes – das muss nicht unbedingt das sogenannte Normalgewicht sein, sondern es kann in vielen Fällen schon hilfreich und sogar lebensrettend sein, ein bestimmtes Gewicht über oder unter dem Normalgewicht zu erreichen, um weitere gesundheitliche Schäden einzugrenzen. Außerdem werden in der Therapie die zugrunde liegenden psychischen Probleme aufgearbeitet und die Betroffenen lernen einen gesünderen Umgang mit ihrem Körper und mit dem Thema Essen. Dazu gehören Kochkurse, gemeinsames Einnehmen von Mahlzeiten, aber auch die Verlagerung des zentralen Themas Essen – die Betroffenen sollen auch wieder andere Gedanken zulassen und andere Beschäftigungsmöglichkeiten finden, die ihnen Freude bereiten und sie stärken.

Foto: Canva.com

JETZT DEINEN PARTNER FINDEN!

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Notwendige Felder sind mit * markiert.