Wenn Mütter ihren Kindern den Vater vorenthalten

von | 31. August 2011

Wenn Mütter ihren Kindern den Vater vorenthalten bzw. den Umgang verbieten, schaden sie nicht nur dem Expartner und Vater der Kinder, sondern den Kindern selbst.

Nicht selten gibt es Mütter, die nach einer Trennung ihren Kindern den Vater vorenthalten. Aus Rache gegenüber dem Ex-Partner missbrauchen sie die Kinder als Machtinstrument  und versuchen den Umgang zu unterbinden. Durch dieses Verhalten schaden sie aber nicht nur dem Vater der gemeinsamen Kinder, sondern in ungeahntem Maße den Kindern selbst.

Auch Peter hatte als Kind und Erwachsener jahrelang keinen Kontakt zu seinem Vater, wofür seine Mutter verantwortlich ist; seine traurige Geschichte hat er für uns aufgeschrieben:

Meine Eltern lebten in wilder Ehe und ich war nicht geplant. Meine Mutter wusste angeblich nicht, dass sie schwanger war und hat weiterhin geraucht und Alkohol getrunken, so dass ich zu früh geboren wurde und die erste Zeit im Brutkasten war. Kein schöner Start ins Leben. Als ich zwei Jahre alt war, trennten sich meine Eltern und ich zog mit meiner Mutter weg. Es gab viel Streit. Meine Mutter zog einige Male vor Gericht gegen den Vater. Sie wollte sich rächen und ihm Scherereien bereiten, weil er sie betrogen hatte. Prozessthemen waren Geld, Einrichtungsgegenstände und einmal sogar ein Vorhang, den sie dann unter Polizeiaufsicht aus der ehemals gemeinsamen Wohnung entfernen durfte. Polizei war deswegen da, weil sie angeblich Angst hatte, dass er sie schlagen könnte. Mein Umgang mit meinem Vater war allerdings kein Thema und mein Vater hatte ab sofort so gut wie keinen Umgang mehr.

Damit sich meine Mutter von den Trennungsproblemen erholen konnte, fuhr sie in den Urlaub, während ich bei meiner Oma war. Doch ich bekam hohes psychisch bedingtes Fieber,  sodass meine Mutter wieder heimfahren musste. Ich kann mich erinnern, dass wir öfter meinen Vater besuchten. Das habe ich immer schön gefunden und er war ganz nett. Ich wollte, dass mein Vater wieder zu uns kommt, aber dann sind wir wieder heimgefahren und ich wusste nicht, warum aus diesen Versuchen, die Familie zusammenzuführen, nichts geworden ist. Es hieß immer, der Vater sei „an allem schuld“ und „das ist kein Gescheiter“. Komischerweise fuhren wir öfter zu meinem Vater und die Eltern besprachen, ob sie wieder zusammen kommen. Mein Vater wollte die Familie und meiner Mutter gefiel es, ihn abblitzen zu lassen. Jedes Mal fuhren wir wieder heim und ich war total verstört.

Manchmal durfte mein Vater etwas mit mir unternehmen, was immer schön war. Er hat mich gern gehabt. Er wollte mit mir sogar segeln, doch meine Mutter sagte, dass er ein Lügner ist und das sowieso nicht macht, weil er mich nicht mag. Sie sagte, er hält nie seine Versprechen ein. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass meine Mutter alles unterdrückte, mir nie irgendwas von den Anrufen und Besuchswünschen meines Vaters erzählte. Ich bekam das Gefühl, dass mich nur meine Mutter und nicht mein Vater liebt. Ich habe trotzdem für ihn gemalt oder gebastelt und brachte die Geschenke mit meiner Mutter zur Post. Diese hat jedoch mit dem Postbeamten vereinbart, dass er die Pakete zwar annimmt, aber vernichtet. Sie hat mir gesagt, dass sich der Vater nicht über die Geschenke freuen wird, weil er mich nicht mag. Ich habe tagelang gewartet, dass mich mein Vater anruft oder mir auch etwas schickt und ich habe dann viel geweint.

Ich war als Kind immer traurig, wenn andere Kinder etwas mit ihren Vätern unternahmen oder von ihnen erzählten. Ich erfand immer etwas, was mein Vater ist. Einmal war er Polizist und einmal war er Offizier bei der Bundeswehr. Deshalb sei er nie da, weil er immer im Krieg ist. Das hab ich nur den Kindern erzählt, die mich mit ihren Mein-Vater-ist-der-bessere-Geschichten nervten. Meine Freunde wussten, daß ich keinen Vater habe und fragten mich in der Regel nicht danach. Wenn dann doch mal einer fragte, was mein Vater denn so macht oder wo er ist, antwortete ich lapidar „Ich weiß es nicht und es mir auch wurst“. Wobei ersteres stimmte und zweiteres ich mir solange selbst einredete, bis ich es eines Tages glaubte. Was natürlich nie ganz funktionierte, weil es immer und überall Momente gibt, wo man(n) sich einen Vater wünscht oder gebraucht hätte.

Einer meiner besten Freunde hatte ein noch schlimmeres Problem, denn seine Mutter fehlte ebenfalls und er wuchs bei seinen Großeltern auf, die nicht weit von meiner Oma entfernt wohnten, bei der ich zum Großteil aufwuchs, weil meine Mutter ja arbeiten musste. Damit hatte ich einen Verbündeten und es war damit für uns beide, denk ich, etwas einfacher. Zumindest war es besser, sich zu zweit gegen die angeberischen „Elternkinder“ zu wehren. An Anfeindungen und Spott mangelte es nicht. So manches endete auch in einer Rauferei, um die Ehre der nicht vorhandenen Eltern oder des Elternteils zu verteidigen, wobei es hier auch vorteilhaft ist, zu zweit zu sein. Meistens blieb es aber bei verbaler „Kriegsführung“, was nicht unbedingt schmerzfreier war. Kinder können, so heißt es, grausam sein, was ich durchaus bestätigen kann. Aber nicht nur die Kinder, sondern auch so neugierige Erwachsene gingen mir als Kind tierisch auf die Nerven und ich wusste nicht, was mich wütender machte, die blöden Fragen zu meinen Familienverhältnissen oder das geheuchelte Mitleidsgetue, das ich selbst als Kind schon durchschaute.

Mit dem fehlenden Vater ergab sich zusätzlich das Problem der fehlenden Mutter. Diese musste Geld verdienen, weil der Vater angeblich keinen Unterhalt leistete. Das war jedoch wieder eine Lüge, denn sie sammelte das Geld auf ihrem Konto und machte mir davon großzügige Geschenke. Sie stellte sich als Mutter dar, die ihr letztes Hemd für ihren Sohn geben würde und behauptete, sich diese Summen hart erarbeitet und jämmerlich erspart zu haben. Ich hatte Schuldgefühle und wollte als Gegenleistung immer für sie da sein .

Vor allem Weihnachten funktionierte meine Schutzmauer „ich brauche keinen Vater“ nicht. Aber erzählt hab ich es keinem und mir etwas anmerken lassen nie, da ich ja stark sein musste, war ich doch der Mann im Haus. Als ich auszog, hatte ich lange Zeit ein schlechtes Gewissen, da ich meine Mutter nun im Stich ließ. Was sie mir auch regelmäßig bestätigte, da sie ja nun so alleine ist und wenn die Oma nicht wäre, hätte sie gar niemanden mehr. Außerdem hatte ich diese Schuldgefühle, weil ich ja schuld daran war, dass sie keinen Partner fand. Wenn meine Mutter auf mich böse war, schimpfte sie, dass ich genau so werden würde wie mein Vater, was für mich natürlich schlimm war, hatte man mir ja in den vielen Jahren beigebracht, wie schlecht er doch sei. Nun gut, dass mein Vater einen Fehler begangen hat mit seiner Untreue ist klar, aber dass meine Mutter alles andere als eine angenehme Partnerin war, ist auch anzunehmen. Außerdem wusste ich lange Zeit gar nicht, warum sie sich getrennt hatten. Er war halt schuld, böse und mehr bräuchte ich nicht zu wissen. Die Gehirnwäsche funktionierte und das Interesse an meinem Vater verschwand, nicht aber der Wunsch nach einem Vater.

Ich war so wütend auf meinen Vater und meine Mutter begab sich weiter in die vermeintliche Opferrolle, indem sie selbstlos vorschlug, den Vater ausfindig zu machen, um so den Kontakt wieder aufzubauen. Ich verneinte das vehement und empörte mich über diesen Vorschlag. So konnte sie ihre Strategie kontrollieren. Heute denke ich, dass dies genau das war, was sie hören wollte, um ihr mal keine Vorwürfe machen zu können, dass sie ja nichts unternommen hätte, um Kontakt herzustellen.

Der Kontakt zu meinem Vater brach gänzlich ab, denn irgendwann meldete er sich tatsächlich nicht mehr. Er wollte mir die ständigen Streitigkeiten ersparen und hörte, dass meine Mutter einen neuen Freund habe. Für mich hoffte er, dass ich nun eine glückliche Familie habe und wollte sich nicht einmischen.

Meine Frau und unsere damalig anstehende Hochzeit waren der Auslöser, sich mit dem Thema „Vater“ wieder zu beschäftigen. Ich konnte meinen Schutzwall der Vergangenheit überwinden und feststellen, dass ich ihn trotz der langen Zeit doch gern kennen lernen würde. Von dem Entschluss bis zum tatsächlichen Treffen war es allerdings ein harter Weg. Viel Angst ließ mich dann doch zweifeln, ob es die richtige Entscheidung ist. Was ist, wenn er mich ablehnt und gar nichts von mir wissen will? Vielleicht störe ich ihn nun in seinem Leben? Was ist, wenn er so ist, wie ich immer gehört habe?

Mit der Stärkung durch meine Frau und der Hilfe meiner Therapeutin gelang es mir, genug Kraft aufzubringen, den Schritt zu wagen. Mit Hilfe des Einwohnermeldeamts machten wir ihn ausfindig. Ich wusste nun, wo er wohnte und musste feststellen, dass es nur einige Kilometer waren. Bei freier Straße mit dem Auto nur 15 Minuten entfernt. Ich kannte die Gegend, denn ich hatte ein paar Häuser weiter schon einmal gearbeitet. Meine Frau und ich fuhren die Straße mehrmals auf und ab, an mehreren Tagen, aber ich schaffte es trotzdem nicht, auszusteigen und zu klingeln. Lediglich bis zur Tür traute ich mich, habe dann aber doch einen Rückzieher gemacht. Meine Frau musste letztlich eine Karte in den Briefkasten werfen, worauf stand, dass es mich gibt und ich mich wieder mit ihm treffen möchte und wenn er es ebenfalls wünscht, sich bei mir melden kann. Was fürs eine für mich eine große Erleichterung war, da ich nun nicht mehr der Aktive sein musste, aber jedes Mal beim Läuten des Telefons bekam ich einen halben Herzinfarkt. Er meldete sich am nächsten Tag mit den Worten „Da ist Dein Papa“ und war hörbar aufgeregt und freute sich sehr, dass ich ihn sehen möchte. Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich fieberte auf unser Treffen hin.

Es war komisch, da man im Fernsehen immer sieht, wie sich die Leute voller Freude umarmen und alles vergessen, was mal war, Hauptsache sie haben sich wieder. Wir haben uns natürlich auch umarmt und mein Vater hat geweint vor Glück, seinen Sohn wieder zu haben. Bei mir jedoch löste es nichts dergleichen aus, dass ich mir schon dachte, es stimmt mit mir etwas nicht. Da es sich doch so gehört!? Geweint hab ich schon, aber vor dem Zusammentreffen, als ich angespannt war, Angst hatte und nicht wusste, was auf mich zukommt. Auch wenn er mein Vater ist und ich mich freue, ihn nun zu kennen, bleibt er vorerst ein „Fremder“, auch wenn ich mich ihm gegenüber nicht so verhalte, um ihn nicht zu verletzen, brauche ich doch noch Zeit, um so was wie Zuneigung zu entwickeln.

Die fehlende Zeit kann man nicht mehr nachholen und eine richtige Vater-Sohn-Beziehung wird nicht mehr entstehen können. Es ist komisch, man denkt, man müsste sich so viel erzählen, aber mir fällt oft nichts ein, was ich mit ihm reden soll. Auch Fragen möchte ich gar nicht so viel stellen, weil ich die Antworten vielleicht gar nicht hören will. Daher bin ich sehr froh, dass unsere beiden Frauen diese Gesprächsführung des Öfteren übernehmen. Er erzählte mir, dass er in meiner Ausbildungsstätte war und am Feierabend öfters gewartet hat, um mich zu treffen. Aber er hat ja nicht mehr gewusst, wie ich ausschaue. Da wir 50 Azubis waren, war es unmöglich mich so zu finden, noch dazu mit mehreren Ausgängen. Trotzdem sind wir vielleicht schon aneinander vorbeigegangen und haben es nicht einmal bemerkt. Traurig, aber wahr.

Irgendwann musste ich meiner Mutter beichten, dass ich meinen Vater getroffen habe. Sie weinte und hielt mir vor, dass ich ihr so etwas antue! Mein Vater und seine Frau waren bei unserer Hochzeit eingeladen, was meiner Mutter natürlich nicht gefiel und sie uns das mit ihrem beleidigten Gesichtsaudruck, auf Bayrisch „a bläds Gschau“ zum Ausdruck brachte. Im Übrigen ist nun der Kontakt zu meiner Mutter abgebrochen. Anfangs war ich wütend, aber nicht nur auf meine Mutter, sondern auch auf meinen Vater, weil er nicht mehr um mich gekämpft hat. Auf mich selbst, weil ich dieses Spiel nicht durchschaut habe und schon früher meinen Vater gesucht habe. Mittlerweile bin ich nur entsetzt von dem ganzen und traurig, dass es so ist. Zeit meines Lebens wird sich mein Kindheitswunsch nicht erfüllen. Auch wenn ich mit meinen Schwiegereltern tolle Menschen habe, die mich wie ihren Sohn aufgenommen haben und ich mich sehr wohl bei ihnen fühle. Es kann nicht das ersetzen, was einem Menschen wie mir fehlt: Richtige eigene Eltern von Anfang bis Ende.

Sollte sich ein trennender Elternteil beim Expartner rächen wollen, so sollte dieser bedenken, dass die Rache auch immer die Kinder trifft und zwar härter als mancher sich überhaupt vorstellen kann. Ohne meine Frau hätte ich das alles nicht gemacht und wäre immer noch vaterlos. Für ihre Unterstützung, das alles durchzustehen, danke ich ihr sehr. Ebenso möchte ich meiner Therapeutin Dr. Deml danken, die uns durch das alles begleitete und zahlreiche Tipps für uns hatte.

Peter

2 Kommentare

Steffen Maria

25. November 2015 um 22:17 Uhr

Hallo Peter,
ich bin Vater von zwei Kindern 2 und 9 Jahre alt, von zwei Müttern. Beide Mütter haben sich nach der TRennung gegen mich zusammengetan und halten mir nun meine beiden Töchter vor. Gewalt ging von beiden Frauen aus. Eine Anzeige habe ich getätigt, doch diese wurde vom Gericht wegen mangelendem öffentlichem Interesses fallen gelassen.
Als Mann und Vater wird man in Deutschland systematisch diskriminiert. Von Ämtern, Beratungsstellen und den Gerichten. Das sind meine Erfahrungen bisher. Leider muss ich den Umgang für beide Töchter nun bei Gericht einklagen und mein Anwalt lässt sich viel zu viel Zeit. Jeder Tag schmerzt mich an dem ich meine Kinder nicht sehen darf. Beide Mütter drohen mir mit der Polizei, sollte ich doch Kontakt zu meinen Kindern aufnehmen.
Das ANTISOZIALE Verhalten der Mütter verachte ich. Tun kann ich allerdings leider nichts gegen oder für das Verhalten der Mütter. Das einzige was ich möchte ist einen normalen und gewönlichen Umgang mit meinen beiden Kindern, mehr nicht.
ICh wünsche niemandem so etwas was man mir und meinen Kindern gerade antut.

Doch leider hat das Verhalten von Müttern System und wird sogar noch unterstützt von den Behörden und Stellen.

lg Steffen

Antworten auf Steffen

Frank Lehmann

25. September 2012 um 19:00 Uhr

Moin Peter. Eine bewegende Geschichte. Ich kämpfe jetzt 2Jahre um meine 4 Kinder und meine Ex belügt die Kids,macht mich schlecht,isoliert die Kinder vor mir. Aber ich werde nie aufgeben um meine Kinder zu kämpfen. Ich war immer ein guter Vater,auch mit fehler,aber immer für sie da.Das meine Ex unsere Kids für ihre Zwecke mißbraucht merkt man sehr am verhalten der Kinder. Das du den Kontakt zu deinem Vater gesucht hast,trotz angst davor,war führ dich richtig und wichtig.Sei glücklich das du eine Frau hast die zu dir steht.Nutze die Zeit mit deinem Vater,denn Väter sind genau so wichtig für Kinder wie Mütter.Lg Frank

Antworten auf Frank

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