Trennung: Das passende Betreuungsmodell

von | 9. Februar 2018

Wenn Eltern sich trennen, müssen sie sich einigen, wer die Kinder in welchem Umfang betreut. Das passende Betreuungsmodell zu finden, ist oft nicht einfach.

Betreuungsmodell

War es lange Zeit üblich, dass die Kinder nach einer Trennung bzw. Scheidung automatisch bei der Mutter aufwuchsen, der Vater ein sog. Besuchsrecht bekam und für den Unterhalt der Kinder aufkam, so gibt es inzwischen mehrere Möglichkeiten für getrennt lebende Familien. Das „richtige“ Betreuungsmodell gibt es nicht, Pädagogen, Psychologen, Politiker und Juristen diskutieren darüber. Man kann aber das „passende“ Betreuungsmodell suchen. Hier ein Überblick über mögliche Betreuungsmodelle und Tipps, wie man das passende Betreuungsmodell für seine Kinder findet.

Das Residenzmodell

In Deutschland herrscht noch immer das Residenzmodell vor. Das bedeutet: Das Kind wohnt die meiste Zeit bei einem Elternteil und besucht den anderen regelmäßig. Hierzulande leben 90% der Kinder im Residenzmodell bei ihrer Mutter. Der Vater wird jedes zweite Wochenende (Freitag bis Sonntag o. Montag) besucht, viele Kinder sehen ihren Vater auch noch an einem Tag unter der Woche. Ferien und Feiertage werden in der Regel unter den Eltern aufgeteilt oder im Wechsel begangen. Hier helfen feste Regelungen. Der „Besuchs“-Elternteil zahlt an den anderen Elternteil Kindesunterhalt, da dieser die Hauptlast in der Betreuung, Erziehung und Versorgung trägt.

Das Wechselmodell

Der Bundesgerichtshof sprach sich im Februar 2017 dafür aus, dem Wechselmodell unter bestimmten Umständen gegenüber dem Residenzmodell den Vorzug zu geben. Das Wechselmodell wird auch Doppelresidenzmodell genannt und die Kinder dürfen im besten Fall gleich viel Zeit mit Vater und Mutter verbringen. Die Kinder können eine Woche bei der Mutter und die nächste Woche beim Vater leben oder z.B. alle 4 Tage den Haushalt wechseln. Bei gleich hohem Einkommen entfallen Unterhaltskosten, da jeder Elternteil gleich viel in die Kinderbetreuung investiert. Verdient ein Elternteil mehr als der andere, muss er dem weniger verdienenden Elternteil einen Ausgleich zahlen. Interessante Interviews zum Wechselmodell findest du hier und hier.

Das Nestmodell

Beim Nestmodell lebt das Kind in der elterlichen Wohnung, also im vertrauten Nest, und Vater und Mutter wohnen abwechselnd bei ihm. Die Eltern können hier gleichermaßen für die Kinderbetreuung aufkommen. Allerdings ist das Nestmodell kostenintensiver, da hierfür drei Wohnungen benötigt werden.

Wie findet man das passende Betreuungsmodell?

Zunächst sollten sich die Eltern frühzeitig über die verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten informieren. Beratungsstellen und Familienanwälte sowie das Jugendamt können dabei helfen, einen ersten Überblick zu gewinnen und sie kennen die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Betreuungsmodelle. Auf jeden Fall sollten die Kinder nach ihrer Meinung gefragt werden und sie sollten ein Mitsprache- bzw. ein Entscheidungsrecht – je nach Alter der Kinder – bekommen. Es macht wenig Sinn, das Wechselmodell bei einem Säugling zu praktizieren, der von der Mutter gestillt wird. Jugendliche, die (gerade) keinen oder wenig Kontakt aufgrund schlechter Erfahrungen mit ihrer Mutter möchten, sollten nicht in das klassische Residenzmodell gesteckt werden. Es macht aber auch wenig Sinn, das Nestmodell zu praktizieren, wenn das Geld sowieso knapp ist und in der Stadt Wohnungsnot herrscht. Es kommt also immer auf die individuelle Situation an und Eltern sollten beim Betreuungsmodell flexibel bleiben. Klar muss erst mal eine Regelung gefunden werden, aber wenn man merkt, es klappt so nicht, können auch noch andere Wege gegangen werden. Wichtig ist immer, dass das Betreuungsmodell zum Kind und zur Lebenssituation möglichst aller Beteiligten passt. Wichtig ist auch, dass das Kind in seiner vertrauten Gegend bleiben kann, Kontakt zu seinen Freunden und Verwandten halten kann, Kindergarten oder Schule nicht wechseln muss und das Gefühl hat, alle meinen es – trotz der Trennung – gut mit ihm. Natürlich muss das Betreuungsmodell auch für die Eltern mit möglichst wenig Stress verbunden sein. Längere Wege zur Arbeit, zum neuen Partner sowie finanzielle Einbußen durch höhere Miet- oder Unterhaltskosten und vor allem das Gefühl, die Bindung zum Kind zu verlieren, können einem ganz schön zusetzen. Dann hilft nur eins: Darüber sprechen und versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden: Auch wenn ihr kein Liebespaar mehr seid – ein Elternpaar seid ihr immer noch und Eltern sein ist Teamwork!

Zum Weiterlesen: Fairer Umgang zwischen Eltern und Kind

Foto: dmitrimaruta – Fotolia.com

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