Das Wechselmodell – gut für Kinder und getrennt lebende Eltern

von | 2. Juli 2014

Studien belegen, dass Kinder, die im Wechselmodell von ihren Eltern betreut werden, weniger unter der Trennung ihrer Eltern leiden und sich gut entwickeln.

WechselmodellImmer mehr Trennungs- bzw. Scheidungsvätern ist es zu wenig, ihre Kinder nur an jedem zweiten Wochenende oder ein paar Wochen in den Ferien zu sehen. Sie verstehen sich als moderne Väter, die gerne mehr Anteil an der Entwicklung ihrer Kinder nehmen möchten und sich nicht länger mit der Rolle als Zahl- und Wochenendpapa zufrieden geben. Und auch Kindern tut es gut, viel Kontakt zu beiden Eltern nach der Trennung zu haben. Das Wechselmodell kann für getrennte Familien ideal sein, denn das Kind wohnt zu gleichen Teilen bei Vater und Mutter.

Wechselmodell statt Residenzmodell

In den letzten Jahren geht der Trend weg vom traditionellen Residenzmodell, bei dem das Kind klassischerweise überwiegend bei der Mutter wohnt. Eltern möchten sich die Verantwortung für ihre gemeinsamen Kinder teilen und das ist auch richtig so. Im Zuge der Reformation der Geschlechterrollen hat sich die abwechselnde Kinderbetreuung immer mehr etabliert. Da sich die meisten Eltern heutzutage bei der Kinderbetreuung engagieren, sollte das durch eine Trennung oder Scheidung nicht eingestellt werden. Mütter sind gezwungen, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen sobald es das Alter des Kindes erlaubt und bauen zu Recht auf die Unterstützung durch den Kindsvater. Und die Kinder profitieren enorm, wenn sie zu Vater und Mutter gleichermaßen Kontakt haben.

Vorteile des Wechselmodells für Kinder

Empirische Forschungen kommen zu dem Schluss, dass eine abwechselnde Betreuung durch Vater und Mutter vorteilhaft für die kindliche Entwicklung ist. Das Kind hat eine Bindung zu Vater und Mutter aufgebaut, welche durch eine Trennung nicht gefährdet werden sollte. Ein Scheidungs- bzw. Trennungskind kann dieselbe enge Beziehung zu seinen Eltern haben wie das auch in sog. „intakten“ Familien der Fall ist.

Wechselmodell statt alleinerziehend

Prof. Hildegund Sünderhauf ist eine starke Befürworterin des Wechselmodells (ihr Buch unten). Wenn sich Vater und Mutter gleichermaßen um die Kinderbetreuung und um die Erziehung kümmern, gibt es keine Alleinerziehenden mehr, sagt sie. Alleinerziehend zu sein bedeutet ein enormes Armutsrisiko, doch wenn beide Elternteile erwerbstätig sind und sich bei der Kinderbetreuung aufeinander verlassen können, kann dem Armutsrisiko enorm entgegengewirkt werden.

Das Wechselmodell in anderen Ländern

In Schweden, Australien oder Belgien wird das Wechselmodell grundsätzlich dem Residenzmodell vorgezogen. Die Kinder, die mit beiden Elternteilen aufgewachsen sind, leiden beim Wechselmodell nicht so stark unter der Trennung. In Deutschland wird sich dahingehend auch noch etwas tun. Vom 09. – 11. Juli 2014 treffen sich Experten zur Internationalen Konferenz zur Paritätischen Doppelresidenz in Bonn. Wir sind gespannt auf die Ergebnisse! Informationen und Tickets zur Konferenz unter twohomes.org

Foto: © gstockstudio – Fotolia.comblank

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  1. Tina schrieb:

    Hallo,
    Ich hätte zwei Frage und zwar, wenn beide Eltern jeweils eine Woche die Kinder haben, wer ist Unterhaltspflichtige?
    Und was ist, wenn sich etwas beruflich ändert und einer der Partner wegziehen muss? Oder der neue partner der Ex einen Job weiter wegbekommt, dürfen sie dann nicht wegziehen?
    Eine Antwort wäre toll und hilfreich!Danke

    • match-patch schrieb:

      Liebe Tina,

      im Wechselmodell sind beide Elternteile unterhaltspflichtig, das Kindergeld steht jedem zur Hälfte zu. Verdient beispielsweise die Mutter weniger als der Vater, kann es sein, dass sie vom Vater des Kindes noch einen Teil Kindesunterhalt gezahlt bekommt. Das muss dann individuell berechnet werden.
      Das Kind kann nur bei einem Elternteil angemeldet sein. Haben beide Elternteile das Sorgerecht, muss der andere Elternteil dem Umzug des gemeinsamen Kindes zustimmen.
      Wir hoffen, Ihnen weitergeholfen zu haben.

      Ihr match-patch Team

  2. fee*amaryllis schrieb:

    Unsere Kinder (12/10) leben seit einem Jahr im wöchentlichen Wechselmodell. Wir wohnen nur 1 km auseinander, das macht die Sache einfach. Das soziale Umfeld ist erhalten. Beide Kinder sagen, dass sie zufrieden sind mit der Situation. Das glaube ich ihnen, denn das strahlen sie auch aus. Mein Ex-Mann und ich haben jeweils wieder neue Partner, aber noch nicht im selben Haushalt. Unser Umgang ist freundlich mit gelegentlichen Anspannungen, die sich aber schnell wieder legen. Beide Immobilien sind gleichwertig für die Kinder, also bei keinem Elternteil ist es kleiner oder weniger komfortabel als beim anderen. Das halte ich für wichtig.
    Ich selber genieße es, in meiner kinderfreien Woche flexibler zu arbeiten, Freundinnen zu treffen und vor allem viel Zeit zu zweit mit meinem neuen Lebenspartner zu verbringen. Für mich hat dieses Modell Vorteile für alle Beteiligten. Ich halte mich nicht für alleinerziehend, mein Ex-Mann sicher auch nicht.

    Zugegeben: Das Wechselmodell erfordert ein gutes Einkommen auf beiden Seiten und ein hohes Maß an Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft.

  3. ichbinwir schrieb:

    Wir haben das Wechselmodell seit 1 1/4 Jahren. Wir wohnen ca 7 km auseinander. Ich hatte mich damals darauf eingelassen Um es uns versuchen zu lassen. Ich hatte starke bedenken ob die Kinder dann nicht denken, sie waeren bei jedem immer eine Woche zu besuch und nicht das sie da wohnen.Unsere Kinder fast 6 und 4 gehen aber weiterhin hier in den kindergarten den sie gewoehnt sind. Das war meine Bedingung und der kommt mein Exmann gerne nach. Die Kinder haben sich sehr schnell daran gewoehnt und kommen gut damit klar. DerzEit hat die kleine eine Phase in der sie weint und schreit ich solle sie nicht alleine lassen,wenn ich sie in den kiga bringe…da sich gleiches aber auch bei den kindern verheirateter Eltern zeigt, sehe ich das als normale Phase an.Um den Uebergang des Wechsels zum anderen Elternteil leichter zu machen, stellen wir den Kindergarten als Puffer dazwischen. Heisst der der die Kinder eine Woche bei sich hatte, bringt sie Montags in den Kiga und der andere holt sie Nachmittags fuer die eigene Woche ab. Fuer meinen Exmann von Vorteil ist das seine Freundin die Kinder holen kann und er so weiter Vollzeit arbeiten kann. Fuer mich funktioniert das leider nicht und ich arbeite nur Teilzeit und bin nur Vormittags und zwei Nachmittage am arbeiten. Klappt sehr gut. In der Woche ohne Kinder vermisse ich die beiden schon sehr, aber grosser Vorteil ist das man auch einfach abends mal wieder ausgehen kann ohne babysitting. Grosser Nachteil. Bei der neuen Partnersuche steht wegziehen ausser Frage. In diesem Fall muesste ich dies ohne die Kinder tun.was ich nicht will. Einen neuen Partner zu finden der passt ist eh schon schwer wenn man Kinder hat. Dann aber noch an den Wohnort gebunden, macht dies fast unmoeglich. Alles in allem…die Kinder sind gluecklich…somit bin iches auch. Wer fragen dazu hat kann mich gern anschreiben.

  4. arktissommer schrieb:

    Für die Kinder ist das Wechselmodell zweifellos vorteilhaft. Praktikabel ist es allerdings nur, wenn beide Elternteile weiter ziemlich nah beisammen wohnen, sodaß z.B. die Kinder von beiden Wohnungen aus in dieselbe Schule gehen können. Für eine neue Partnersuche bedeutet das für beide Elternteile, daß sie beide stark ortsgebunden sind. Gerade in ländlichen Regionen ist eine Konsequenz des Wechselmodells, daß die Auswahl möglicher neuer Lebenspartner stärker eingeschränkt ist bzw. neue Partner in größerer Entfernung nur in Frage kommen, wenn diese ihrerseits herziehen (und damit folglich ihrerseits beispielsweise das Wechselmodell nicht anwenden können). Gerade wenn eine Trennung darauf zurückgeht, daß ein Elternteil einen neuen Partner gefunden hat, bedeutet das Wechselmodell statistisch für den anderen Elternteil eine deutlich geringere Chance, ebenfalls einen neuen Partner zu finden, da es einen weiteren Umzug weitgehend ausschließt.