Familiäre Spannungen, häusliche Gewalt und Tipps zur Vermeidung

von | 11. Mai 2020

Nicht nur in Corona-Zeiten steigen familiäre Spannungen und häusliche Gewalt an. Tipps zur Vermeidung von Streit und Hilfsmöglichkeiten bei Gewalt…

gewalttätiger MannAn Feiertagen, nach der Urlaubszeit und bereits vor dem Lockdown bereiteten sich Jugendämter, Beratungsstellen und Frauenhäuser auf einen Anstieg der familiären Gewalt vor. Räumliche Nähe, dauerndes Zusammensein, unerfüllbare Erwartungen, finanzielle Einschränkungen, Kinderbetreuung zu Hause und Homeschooling sowie generelle Ängste in Corona-Zeiten lassen die Nerven schneller blank liegen. Spannung kann sich in Aggression und Gewalt entladen. Familiäre Spannungen lassen sich zum Teil vermeiden, bei häuslicher Gewalt liegt das Problem etwas anders.

Familiäre Spannungen und häusliche Gewalt

Familiäre Reibungen sind emotionale Spannungsfelder innerhalb einer Familie mit unterschiedlichen Ursachen. Spannungen können entstehen, wenn der einzelne enttäuscht, überfordert, gestresst ist und sich die Spannung auf die anderen Familienmitglieder überträgt. Wenn Familien einen Großteil des Tages in geschlossenen Räumen verbringen, steigt der individuelle Stresspegel. Die Familienmitglieder fühlen sich schneller gereizt und haben Probleme, einen gesunden Ausgleich zum Umgang mit negativen Gefühlen zu finden. Diese sind ansteckend und können zu Aggressionen führen bis hin zu Gewalt.
Mit häuslicher Gewalt ist psychische und körperliche Gewalt zwischen Familienmitgliedern gemeint. In den meisten Fällen sind Frauen und Kinder die Opfer von männlichen Tätern. Häusliche Gewalt ist im Gegensatz zu familiären Spannungen nicht (nur) die Folge von Stress. Gewaltigkeit ist angelerntes bzw. absichtliches Verhalten, um Macht zu demonstrieren. Besonders gefährlich sind Psychopaten, die weder Reue noch Mitgefühl mit ihren Opfern empfinden.

Anstieg von Spannungen und häuslicher Gewalt

Der Corona-Lockdown trägt zu angespannten Familiensituationen bei. Grundsätzlich gehören aber familiäre Spannungen dazu und man spricht durchaus darüber, wie stressig und angespannt das Familienleben sein kann, zum Beispiel nach harten Arbeitstagen, bei finanziellen Sorgen, Schulproblemen usw….Häusliche Gewalt ist hingegen eher ein Tabu-Thema und das obwohl in Deutschland jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von physischer bzw. sexualisierter Gewalt betroffen ist. Häusliche Gewalt zieht sich durch alle Schichten und richtet sich in hohem Maße auch gegen Kinder. Die Dunkelziffer ist hier extrem hoch, denn Schläge sind in zu vielen Familien immer noch gängige Erziehungsmethoden und kommen in den seltensten Fällen zur Anzeige. Häusliche Gewalt steigt in individuellen Stresssituationen sowie jährlich zu Weihnachten, zum Jahreswechsel oder in der Urlaubszeit.

Häusliche Gewalt in Zeiten von Corona

Der Lockdown lässt häusliche Gewalt stark ansteigen, denn Täter und Opfer verbringen mehr Zeit miteinander. Täter können ihre Opfer besser kontrollieren und es ihnen zum Beispiel unmöglich machen, die Polizei zu alarmieren. Da die Sozialkontakte ebenfalls eingeschränkt sind, gibt es kaum mehr jemanden, dem die Spuren von Gewalt auffallen. Ferner ist es nicht verwunderlich, wenn die Nachbarn das Opfer tage- bzw. wochenlang nicht sehen, denn es herrschen ja Ausgangsbeschränkungen. Die Wohnung wird zum gefährlichsten Ort!

Was tun bei häuslicher Gewalt?

Hilfe holen! Der Weiße Ring ist z.B. Ansprechpartner für die Opfer. Bei den Außenstellen oder auf weisser-ring.de erhalten Betroffene sofort Hilfe. Auf www.infovictims.de finden Opfer ebenfalls Hilfsangebote oder unter der bundesweit kostenfreien Nummer des Opfer-Telefons 116 006. Frauenhäuser sind gute Anlaufstellen. Die Telefonseelsorge ist ebenfalls für Opfer da. Die Nummer gegen Kummer 116 111 hilft Kindern. Bei häuslicher Gewalt ist die Polizei unter 110 zu alarmieren oder der Rettungsdienst zu rufen: 112. Häusliche Gewalt ist kein Kavaliersdelikt und darf keinesfalls toleriert werden wie vielleicht familiäre Spannungen.

Spannungen in der Familie abbauen

Bei familiären Spannungen tut es gut, auf Distanz zu gehen und sich nach draußen zu begeben. Ein Spaziergang an der frischen Luft hilft, die Gedanken zu sortieren, sich seiner eigenen Gefühle ehrlich zu stellen und Kraft zu tanken. Auch sollte jedes Familienmitglied die Möglichkeit erhalten, sich ab und zu in ein Zimmer zurück zu ziehen. Wer sich gern körperlich abreagiert, kann das mit Sport tun oder einfach in ein Kissen boxen. Es ist wichtig, über seine Gefühle zu sprechen und zu erklären, warum man gerade so aufgewühlt ist. Dann kann gemeinsam nach Lösungen gesucht werden. Entspannungsübungen, Meditation oder Aromatherapie sind ebenfalls hilfreich. Um Spannungen abzubauen helfen diese Raumsprays z.B. sehr gut: „Gute Laune“, „Glücksgefühle“ und „Herzenswärme“ von Primavera.

Es ist gut, sich klarzumachen, dass Spannungen kommen und wieder gehen.

Foto: NEOSiAM 2020 – Canva.com

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