Die negativen Folgen der Schulschließungen für Kinder und Jugendliche

von | 22. März 2021

Seit einem Jahr werden die Schulen immer wieder geschlossen. SchülerInnen sind beim Homeschooling auf sich allein gestellt – mit negativen Folgen…

Schule zu HauseDie Situation von Kindern und Jugendlichen beim Homeschooling ist zum Teil sehr alarmierend, wie eine Berliner Schülerinitiative bei der Befragung tausender Schüler und der Auswertung von etwa 5400 E-Mails herausfand. SchülerInnen leiden beim Homeschooling unter fehlender Tagesstruktur, Kontrollverlust und Perspektivlosigkeit. Angst und Depressionen sowie vermehrter Streit innerhalb der Familie quälen die Heranwachsenden, die mitunter von häuslicher Gewalt bedroht sind.

Schattenseiten des Homeschoolings

Ja, es ist gut, nicht stundenlang mit Maske im Klassenzimmer zu sitzen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Atemnot zu bekommen, doch der Distanzunterricht hat mindestens genauso viele Schattenseiten. Der Umfrage zufolge gab die Mehrheit (79%) der Teilnehmer an, dass ihnen eine Tagesstruktur fehlt, da Freizeit und Schulzeit verschwimmen. Außerdem wird die viele Bildschirmzeit mit teilweise über 8 Stunden täglich von etwa jedem zweiten Befragten als negativ empfunden – was sie tatsächlich auch ist, wenn man bereits allein die Gefahr, kurzsichtig zu werden, betrachtet. 62% leiden an Schlafstörungen und jeder Vierte wird von Perspektivlosigkeit gequält.

Bereits vor der Studie wussten wir: Der Kontakt zu Lehrern und Mitschülern leidet, die Kinder vereinsamen. In vielen Fällen sind die Eltern nicht zuhause. Oder zu viele Familienmitglieder sind daheim, es ist zu unruhig, sodass sich niemand konzentrieren kann. Es gibt keine Pausen zum Austauschen, Relaxen oder Auspowern. Vielen Kindern fehlt ein warmes Mittagessen, das sie in der Schule erhalten würden. Fehlender Sportunterricht und mangelnde Bewegung kann zu zahlreichen Erkrankungen führen.

Mehr Druck durch Homeschooling

Der schulische Druck überschattet das Leben. Beim Homeschooling können Fragen nicht direkt und schnell mit dem Lehrer geklärt werden. Alles dauert länger und kann durch mangelhafte Technik beeinträchtigen werden. Die SchülerInnen bekommen selten direktes Feedback, was Unzufriedenheit und Verunsicherung auslöst. Die Kinder sind weitgehend selbst für ihre Lernerfolge und Misserfolge verantwortlich bzw. werden dafür verantwortlich gemacht. Alle werden zu Einzelkämpfern, Lernen in Gruppen und gegenseitiges Helfen sind stark erschwert bzw. unmöglich. Gerade bei schwächeren Schülern, die mehr Zeit zum Lernen benötigen, besteht der komplette Tag aus Aufgaben, Konferenzen und oftmals dem Gefühl, wieder nicht hinterhergekommen zu sein.

In E-Mails berichteten 1330 Teilnehmer, die Anbindung an die Schule verloren zu haben. SchülerInnen arbeiten zum Teil bis spät nachts, halten sich mit Kaffee, Energydrinks und illegalen Substanzen wach! Die Noten werden schlechter, obwohl sich die Kinder und Jugendlichen anstrengen. YouTube-Videos oder Padlets können das direkte Erklären nicht ersetzen und gehen nicht auf den Lernstand des Einzelnen ein. SchülerInnen beklagen zudem, dass keine Rücksicht auf die Situation bei der Benotung genommen wird. Schlimm ist ferner, dass die Kinder diesen Druck nicht abbauen können, weil sie vielen Hobbys nicht nachgehen und Freunde nur bedingt treffen dürfen.

Angespannte Familiensituation durch Distanzunterricht

12600 Teilnehmer der Befragung fühlen sich in ihrer Lernumgebung nicht wohl. Kein Wunder, denn in den Familien gibt es vermehrt Streit, viele sind genervt und angespannt. Nicht selten eskaliert die Situation und es kommt zu häuslicher Gewalt. Dann ist das Kindeswohl gefährdet, aber niemand kann eingreifen, weil die soziale Kontrolle fehlt. In E-Mails wurde mehr als 400 Mal von Verzweiflung in der Familie erzählt, 338 Fälle von psychischer und 67 Fälle von körperlicher Gewalt wurden gemeldet. 73 Kinder schrieben von ihren Suizidgedanken, 6 schrieben von ihrer Vergewaltigung. Die Zahl der neuerkrankten depressiven Minderjährigen steigt enorm. Allein bei dieser Auswertung litten 2700 junge Menschen unter Depression aufgrund von Perspektivlosigkeit. Die Eltern können all das nicht auffangen und benötigen möglicherweise selbst Hilfe.

Hilfe für Kinder und Jugendliche

Betroffene sollten sich schnellstmöglich Hilfe holen. Entweder bei einem Kinder- und Jugendpsychologen bzw. Psychiater direkt, in einer Familienberatungsstelle, beim Jugendamt, bei der kostenlosen Nummer gegen Kummer 116111 oder bei Krisenchat.de. Bernd Jannig von Krisenchat.de legte in einem Gespräch mit Angela Merkel dar, weshalb sich Kinder und Jugendliche melden. Es geht sehr häufig um Depressionen, selbstverletzendes Verhalten und Selbstmordabsichten. Etwa 20% der AnruferInnen haben Suizidgedanken. Die Dunkelziffer wird viel höher sein, denn nicht alle suchen sich Hilfe. Deshalb ist es umso wichtiger, Kinder und Jugendliche zu unterstützen, zu entlasten und ihnen möglichst bald wieder ein unbeschwertes Leben zu ermöglichen!

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Foto: Canva.com

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