Die Armutsgefährdung von Alleinerziehenden

von | 4. September 2018

ArmutsgefährdungTrotz einiger Bemühungen des Staates wie zum Beispiel der Anhebung des Kindergeldes oder der Anpassung der Düsseldorfer Tabelle sind Alleinerziehende und ihre Kinder noch immer besonders häufig armutsgefährdet. Das Statistische Bundesamt hat kürzlich den interessanten Bericht „Alleinerziehende in Deutschland 2017“ herausgegeben. Diese Zahlen machen das Ausmaß der Armutsgefährdung von Alleinerziehenden deutlich.

Die Zahl der Alleinerziehenden in Deutschland

In Deutschland leben derzeit 1,5 Millionen Ein-Eltern-Familien. Das ist eine Zunahme innerhalb der letzten 20 Jahre um etwa 200000 Familien. 2017 lebten 2,4 Millionen Kinder bei einem alleinerziehenden Elternteil – mehrheitlich bei ihrer Mutter, denn 90% aller Alleinerziehenden sind weiblich. Bei ihren Vätern leben eher ältere Kinder bzw. Kinder im Teenageralter, wohingegen Babys und Kleinkinder sowie Kinder im Grundschulalter bis auf wenige Ausnahmen bei ihrer Mutter leben. Diese kleinen Kinder benötigen besonders viel Betreuung und deshalb ist es für diese Alleinerziehenden schwieriger, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Und hier liegt auch schon ein Kernproblem: Der Lebensunterhalt ist gering, das Armutsrisiko hoch!

Die Erwerbstätigkeit von Alleinerziehenden

Die finanzielle Situation von Alleinerziehenden hängt mit dem Geschlecht der Eltern und mit dem Alter der Kinder zusammen: Alleinerziehende Frauen mit Kindern unter drei Jahren gehen mit 27% deutlich seltener einer bezahlten Arbeit nach als Männer mit 69% in der gleichen Situation. Allerdings möchte mehr als jede zweite dieser Mütter erwerbstätig sein. Vermutlich haben hier die Arbeitgeber Vorbehalte gegenüber alleinerziehenden Müttern mit kleinen Kindern. Das Statistische Bundesamt vermutet zudem, dass Männer bessere Unterstützungsstrukturen erfahren und mehr Hilfe aus ihrem privaten Umfeld erhalten, denn auch mit steigendem Alter der Kinder sind wesentlich mehr alleinerziehende Papas (88%) als Mamas (42%) erwerbstätig. Daneben haben alleinerziehende Mütter einen niedrigeren Bildungsstand als alleinerziehende Väter und schon aufgrund dieser Tatsache schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, zudem die Aussicht auf ein geringeres Einkommen.

Alleinerziehende sind armutsgefährdet

Diese ungleiche Verteilung der Erwerbstätigkeit zeigt sich natürlich in der finanziellen Lage der betroffenen Familien. Insgesamt haben Alleinerziehenden-Familien etwa 20% weniger Geld im Monat zur Verfügung als die klassische Kernfamilie „Vater, Mutter, Kind(er)“. Alleinerziehende sind also wesentlich stärker armutsgefährdet als die Paarfamilie. 2016 war jede dritte Ein-Eltern-Familie von Armut bedroht. Der Durchschnittswert für die Gesamtbevölkerung lag bei knapp 17%! Es gibt zwar Bemühungen des Staates und privater Initiativen, alleinerziehende Familien finanziell zu unterstützen, allerdings gibt es auch Regelungen, die einer Verbesserung der finanziellen Lage entgegenwirken wie zum Beispiel: Alleinerziehenden, die Hartz IV beziehen, wird das Kindergeld von ihren Leistungen abgezogen, wohingegen Eltern mit höherem Einkommen von dem steigenden Kindergeld und erhöhten Kinderfreibeträgen profitieren. Außerdem sind Alleinerziehende häufig auf die Unterhaltszahlungen angewiesen und wenn diese mal ausbleiben, kann es finanziell ganz schön eng werden. Natürlich kann man den Unterhalt einfordern, aber die Tage, Wochen oder Monate ohne dieses Geld müssen erst mal überbrückt werden. All dies schlägt sich zum einen auf die Lebensqualität, zum anderen auch auf die Psyche und die Gesundheit nieder. Was es für diese Kinder bedeutet, von Armut bedroht zu sein bzw. in Armut zu leben, kannst du hier nachlesen: Kinderarmut in Deutschland

Foto: arborpulchra – Fotolia.com

2 Kommentare

André

8. September 2018 um 08:46 Uhr

Wenn ich den Quatsch v.wg. “bessere Unterstützungsstrukturen” lese frage ich mich, woher diese Person ihre Infos bekommt.
Ich bin alleinerziehender Vater zweier Kleinkinder und kann aus eigener, leidvoller Erfahrung sagen das man(n) selbst dort, wo Mütter ganz selbstverständlich agieren (Bank, Arzt, An-/ Ummeldung, etc.) nichts als Probleme hat.

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