Die Fähigkeit zu lieben

von | 23. Mai 2022

Einen Partner lieben zu können, ist keine Selbstverständlichkeit. Vielmehr müssen wir diese Fähigkeit erlernen. Die elterliche Liebe prägt uns dabei.

LiebesfähigkeitDie Fähigkeit zu lieben, lernen wir unser ganzes Leben lang und entscheidend bei diesem Lernprozess ist nach Fritz Riemann, was uns Mutter und Vater vorgelebt haben. Geborgenheit, einfühlsame Zuwendung und Achtung sind hilfreiche Elemente, um als Erwachsene einem Partner Liebe – also Zuneigung, Vertrauen, Toleranz und Verantwortungsbereitschaft entgegenbringen zu können.

Liebe in der Kindheit

Als Kind geliebt zu werden, ist elementar für das weitere Leben, denn die Liebesfähigkeit wird in den ersten Jahren des Lebens angelegt. Man muss geliebt worden sein, um selbst lieben zu können. Ansonsten fühlt man sich nicht liebenswert und es ist schwer oder gar unmöglich, Liebe für einen anderen Menschen zu empfinden. Zu einer gesunden Kindheit gehört die schenkende Liebe der Eltern, die ihre Erfüllung darin sieht, dass das Kind seine Persönlichkeit ungestört entfalten kann. Weniger gesund ist die verwöhnende Liebe, denn dadurch wird das Kind zu Dank verpflichtet und die Eltern möchten es so an sich binden. Besonders problematisch ist es, wenn die Liebe der Eltern Elemente von partnerschaftlicher Liebe aufweist, denn hier können Eltern in ihren Kindern einen Partnerersatz sehen. Rivalität und Eifersucht sind vorprogrammiert – vor allem, wenn das Kind als Erwachsener eine eigene Paarbeziehung führen möchte.

Heranwachsende sollten bei all ihren natürlichen Entwicklungsschritten, die mit Selbständigwerden und somit der Ablösung aus der engen Bindung zu den Eltern einhergehen, ein positives Gefühl haben. Fatal ist es, wenn Eltern den völlig natürlichen Ablöseprozess mit Liebesentzug des Kindes assoziieren. Das führt zu Enttäuschung und Verlustangst sowie beim Kind zu Schuldgefühlen. Später kann dies in Partnerschaften zu einem problematischen Nähe-Distanz-Verhältnis führen.

Das Bedürfnis zu lieben

Ein heranwachsender Mensch verspürt in der Pubertät den Drang, sich jemandem zuzuwenden, den er lieben kann. Dahinter steckt auch die Sehnsucht nach Selbstfindung. Mangelt es an sozialen Beziehungen oder wird das Erotische bzw. Sinnliche tabuisiert, kann die Fähigkeit zu lieben verarmen. Deshalb ist es wichtig, dass junge Menschen erste zarte Liebesgefühle spüren dürfen und sich gerne an die „erste Liebe“, die ihr Bedürfnis zu lieben gestillt hat, zurückerinnern.

Das Suchbild bei der Partnerwahl

Die Früherfahrungen mit dem anderen Geschlecht wirken laut Riemann meist unbewusst in spätere Paarbeziehungen hinein und beeinflussen auch die Partnersuche. Haben wir glückliche Erfahrungen beim Erlernen der Liebesfähigkeit gemacht, suchen wir genau solch einen Menschen, von dem wir uns möglichst viele glückliche Erfahrungen versprechen. Bei Enttäuschungen suchen wir eher nach einem Menschen, der anders ist. Glückliche Erfahrungen erleichtern die Partnersuche, da wir ein umrissenes Suchbild haben. Wir suchen nach bestimmten Zügen und Verhaltensweisen, die uns guttun. Andererseits sind wir weniger offen und wir vergleichen mögliche Partner stets mit dem Urbild. Das kann zu Enttäuschung führen und wir werden seiner Individualität nicht gerecht. Also am besten ist es bei der Partnersuche zu wissen, was wir für ein glückliches Leben brauchen, aber auch offen für die Eigenarten des anderen zu sein und sie womöglich sogar als Bereicherung zu betrachten.

Wer mehr über die Fähigkeit zu lieben erfahren möchte, sollte unbedingt dieses aufschlussreiche Buch lesen: Riemann, Fritz (2017): Die Fähigkeit zu lieben. Reinhardt Verlag

Foto: Jonathan Borba – Unsplash

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