Wenn das Kind nicht zum Vater will…

von | 8. Juni 2015

Nach einer Trennung oder Scheidung ist es für die Kinder wichtig, Umgang zu beiden Elternteilen zu haben. Was tun, wenn das Kind nicht zum Vater will...

Vater und Kind

Die Trennung oder die Scheidung der Eltern tut Kindern sehr weh. Es schmerzt, wenn ein Elternteil die Wohnung verlässt, denn auf einmal ist alles anders. In vielen Fällen zieht der Vater aus, damit die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung (bei der Mutter) bleiben können. Ca. 90% der Alleinerziehenden sind übrigens weiblich. In der Trennungsituation ist es für Kinder ganz wichtig, dass sie einen regelmäßigen Kontakt zu dem getrennt wohnenden Elternteil haben und sich die Eltern um eine faire Umgangsregelung bemühen. Doch manchmal will das Kind gar nicht zum Vater. Das kann unterschiedliche Gründe haben.

Warum Kinder nicht zum Vater wollen

Wenn ein Kind den Umgang mit dem Vater verweigert, kann es im schlimmsten Fall sein, dass das Kind dort körperliche oder psychische Gewalt erlebt hat. Manchmal wird der Vater aber auch als böser Typ dargestellt und das Kind möchte sich einer möglichen Gefahr erst gar nicht aussetzen. Das Kind hat Angst vor dem Vater. Manchmal hat das Kind auch Angst vor der Mutter. Konkret fürchten viele Kinder, die Liebe der Mutter zu verlieren wenn sie am Wochenende beim Papa sind. Besonders schlimm ist die Situation auch für Kinder, die unter PAS, dem elterlichen Entfremdungssyndrom, leiden. Auf sie wurde so massiv von einem Elternteil eingewirkt, dass sie den anderen Elternteil von Grund auf ablehnen. Trennungskinder befinden sich sowieso oft in einem Loyalitätskonflikt und schlagen sich dann auf die Seite der Mutter, die sich hauptsächlich um sie kümmert. Aber auch wenn der Vater bei den letzten Besuchswochenenden über die Mutter schlecht geredet hat, möchte das Kind den Loyalitätskonflikt vielleicht lösen, indem es sich von der Mama nicht trennt. Manche Kinder sind aber auch einfach noch nicht so weit, sich von der Mutter zu lösen. Das kann auch daran liegen, dass ein Kind (noch) keine sichere Bindung zum Vater entwickelt hat und es sich alleine in seiner Nähe nicht wohlfühlt. Manchmal fühlt sich ein Kind beim Papa auch unwohl weil es sich mit dessen neuer Partnerin oder mit deren Kindern nicht versteht. Viele Kinder fühlen sich daheim auch wohler wenn sie kränkeln. Manchmal hat das Kind aber einfach keine Lust, den Vater zu besuchen weil zuhause interessanter Besuch erwartet wird, spannende Aktivitäten geplant sind, die Katze Junge erwartet, die Ritterburg fertig gebaut werden muss oder die beste Freundin zur Pyjamaparty geladen hat. Dann können Eltern mit ihrem Kind bereden, was wichtiger ist und was sich verschieben lässt.

Den Kontakt zum Vater verbessern

Wenn die Eltern die Gründe kennen, können sie mit ihrem Kind darüber sprechen und gemeinsam eine neue Umgangsregelung finden. Hat das Kind beim Vater Gewalt erlebt, muss diesem klargemacht werden, dass das gar nicht geht! Befindet sich das Kind in einem Loyalitätskonflikt, so müssen die Eltern ihrem Kind zu verstehen geben, dass es völlig okay ist, Spaß mit dem anderen Elternteil zu haben und dass es dadurch niemanden verletzt. Das Kind muss auch wissen, dass die Mama es immer liebt und die Liebe nicht einfach vergehen kann wenn das Kind beim Vater ist. Es ist grundsätzlich wichtig, dass die Eltern ehrlich und fair miteinander umgehen und nicht schlecht über den anderen Elternteil sprechen. Das beeinträchtigt die Beziehung der Ex-Partner und die Beziehung zum Kind. Wenn der Vater keine sichere Bindung zum Kind hat, muss er daran unbedingt arbeiten. Das gilt auch für die Beziehungen zur neuen Partnerin und deren Kindern. Kein Kind sollte gezwungen werden, unter Tränen zum Vater zu gehen. Vielmehr kann es helfen, wenn ein Kind zunächst Zeit mit dem Vater in der gewohnten Umgebung verbringt, sich mal zu einem Besuch der nächstgelegenen Eisdiele überreden lässt und irgendwann den Vater in seiner Wohnung besuchen möchte. Das Kind kann sich so behutsam und in seinem Tempo in die neue Situation einfinden.

Foto: Khorzhevska – Fotolia.com

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    6 Kommentare

  1. Nanny 81 schrieb:

    Es geht um meine beste Freundin !!! Sie ist fix und fertig , ihre 6 jährige Tochter soll zu in den Ferien für 10 Tage zu ihren Vater …. die Tochter möchte aber absolut nicht ,und außerdem hatte er meine Freundin mehrfach geschlagen was sie aus Scham nicht angezeigt hatte . Das Gericht entschied weil er drei Kinder eines davon behindert ist ihm es zu gestatten … die Mutter von ihm kümmert sich um den Haushalt und die Kinder …. er ist wirklich kein guter Mensch sie ist non stopp am weinen..😥welches ich als Mutter sehr gut nachvollziehen kann bitte … gibt es irgendwie eine Möglichkeit dies zu verhindern ? Bitte bitte ich möchte sie und ihre Tochter beschützen 😥😥😥

    • Match-Patch schrieb:

      Liebe Nanny 81,

      wenn die Tochter es partout nicht möchte, sollte man sie auch nicht dazu zwingen. Die Frage ist ja, warum die Tochter das nicht möchte. Wird ihr das subtil eingeredet oder hat sie wirklich keine gute Beziehung zum Vater. Ist der Vater ihr gegenüber (verbal) gewalttätig? Wenn ja, zählt das zu Kindeswohlgefährdung und der Umgang sollte definitiv nicht stattfinden. Die Mutter kann das Jugendamt informieren bzw. beim JA um Hilfe bitten.
      In Zeiten von Corona gibt es sicherlich auch andere Ideen, warum der Urlaub nicht stattfinden kann, z.B. könnte die Tochter Kontakt zu einem infizierten Kind gehabt haben und unter Quarantäne stehen. Allerdings sollte man schauen, ob und wie die Beziehung zwischen Vater und Tochter aufrecht erhalten und verbessert werden kann.
      Entscheidet sich die Mutter dazu, das Kind einzubehalten und der Vater schickt z.B. die Polizei, um die Tochter abholen zu lassen, würde die Polizei das Kind selbst befragen. Wenn das Kind ganz sicher sagen kann, dass es nicht zum Vater möchte, wird die Polizei es nicht dorthin bringen, selbst wenn es einen gerichtlichen Beschluss gibt, der ihm den Urlaub mit Tochter zuspricht.

      Wir hoffen, diese Antwort war hilfreich.
      Alles Gute,
      Dein Match-Patch Team

  2. Maria schrieb:

    Ich habe ein Problem mein Ex Freund hat sich von Anfang an nie Richtig um unsere Tochter gekümmert nach einem Jahr versuchen und Versuchen es Hinzukriegen hat er gesagt ich solle ausziehen .

    Seitdem ich mit meiner Tochter ausgezogen bin hatt er sie alle 2.
    Bis 3. wochenende mal 1 Tag plus Nacht

    Jetzt is sie mittlerweile 2 Jahre und wenn ich sie Frage ob sie zu ihrem Vater möchte sagt sie von Grund auf Nein und besuchen möchte sie ihn auch nicht von einem auf den anderen Tag .

    Ich weiß nicht was ich machen soll !

    • match-patch schrieb:

      Liebe Maria,

      Kinder benötigen regelmäßige Abläufe, etwas, worauf sie sich einstellen können. Bei einer festen Umgangsregelung, z.B. jedes zweite Wochenende, kann man die Kinder eher darauf einstimmen. Klar möchte niemand plötzlich am selben oder nächsten Tag irgendwohin. Wenn man das Kind aber schon Tage vorher erinnern kann, dass es in … Tagen zum Papa gehen wird, kann es sich auch besser darauf einstellen. Kinder merken auch, wenn es dem einen Elternteil unrecht ist, wenn es den anderen Elternteil besucht. Manches Kind sagt sogar “Nein” nur dem Elternteil zuliebe, bei dem es überwiegend lebt, wenn es merkt, dass das die gewünschte Antwort ist. Wenn sich der Vater während der Umgangszeit nicht richtig um eure Tochter kümmert, könnte man auch mal versuchen, die Übernachtung wegzulassen, sodass die Papa-Tochterzeit überschaubar ist. Hierfür wäre sicherlich ein Termin beim Jugendamt sinnvoll, sodass eine Lösung zusammen mit dem Vater gefunden wird.

      Alles Liebe
      dein Match-Patch Team

      • Denise schrieb:

        Hallo guten Abend. Meine Tochter einjahr alt. Durfte alle zwei Wochen bei ihrem Vater übernachten. Jedesmal wenn sie von ihm wieder nach Hause kam schrie sie ganz apathisch.. hat sich nicht wirklich beruhigen lassen. Nun holt er sie alle 2 Wochen für 1 oder 2 Tage.. Je nachdem wie ihm ist von 9-18 Uhr.. Auch da ist es immer wieder so das sie schreit.. Richtig weint sich an mich oder meinen Partner klammert.. Will nicht runter geschweige denn das sie dann in ihrem Bett schläft ohne das wir fast 1,5st zu tuen haben um sie zu beruhigen. Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Es tut mir in der Seele weh wenn sie so weint und schreit.. Liegt es an mir oder meinem Partner..? Bei keinem anderen macht sie so etwas..

      • Match-Patch schrieb:

        Liebe Denise,

        scheinbar ist eure Tochter noch zu klein um getrennt von dir zu sein. Wie wären gemeinsame Treffen, sodass deine Tochter mit dir und dem Vater zusammen Zeit verbringt, er zum Beispiel auch zu euch nach Hause kommt? Im ersten Lebensjahr sind Fremdeln und Verlustangst (vielleicht auch den Vater betreffend) normal. Babys und Kleinkinder brauchen ihre gewohnte Umgebung und Abläufe. Spätestens wenn sich eure Tochter besser mitteilen kann, wird es auch mit dem Umgang mit dem Papa besser klappen und dann kann man es auch mit dem Übernachten wieder probieren. Eure Tochter sollte auf jeden Fall regelmäßigen Kontakt zum Papa haben, evtl. auch noch einen Tag unter der Woche. Zwei Wochen sind sehr lang in der Welt eines Kindes.

        Viel Erfolg und alles Gute
        Dein Match-Patch Team