Trennung: Kinder im Loyalitätskonflikt zwischen den Eltern

von | 5. Juli 2022

Werden Kinder bei einer Trennung in Konflikte zwischen den Eltern hineingezogen, schadet das ihrer Entwicklung.

TrennungskinderGeraten Kinder in einen Loyalitätskonflikt, weil die getrennten Eltern es nicht schaffen, ihre Streitigkeiten konstruktiv zu regeln, entsteht ein destruktiver Sog. Die Kinder empfinden das so, als müssten sie sich mit ihrer Liebe für einen Elternteil entscheiden. Das überfordert sie und erschwert ihnen die Trennungsbewältigung

Kinder ergreifen Partei

Oft entstehen Loyalitätskonflikte in der dritten Phase der Trennung, da hier die Gefühle sehr heftig sind. Wenn Kinder Partei für einen Elternteil ergreifen müssen, entscheiden sie sich in der Regel für den vermeintlich Schwächeren bzw. denjenigen, den sie dafür halten. Sie schlagen sich häufig auf die Seite des unglücklicheren Elternteils, da sie das Gefühl haben, denjenigen trösten oder stützen zu müssen. Häufig erleben sie diesen als emotional unterlegen.

Elternteile drängen Kinder in Loyalitätskonflikte, wenn sie ihnen Wissen aufbürden, welches Kinder nicht einordnen können. Somit kann das realistische Bild, das ein Kind von seinen Eltern braucht, gestört werden. Beispiel: Ein Elternteil geht eine neue Partnerschaft ein und dem Kind wird vermittelt, derjenige würde den verlassenen Elternteil und das Kind im Stich lassen und nicht mehr liebhaben.

Kinder geraten ebenfalls in Konflikte, wenn sie Mama oder Papa für den anderen ausspionieren sollen, wenn Unwahrheiten über den anderen Elternteil verbreitet oder schöne Erlebnisse mit Vater oder Mutter negativ kommentiert werden.
Ein Loyalitätskonflikt kann auch entstehen, wenn sich Kinder beim Familiengericht entscheiden sollen.

Auswirkung von Loyalitätskonflikten bei Kindern

Loyalitätskonflikte überfordern Kinder, denn sie sind es, die in der Trennungssituation getröstet und gehalten werden müssten und nicht umgekehrt. Woher sollen Kinder die Kraft nehmen, sie leiden doch mindestens genauso. Diese Überforderung und in eine bestimmte Rolle gedrängt zu werden, kann die kindliche Persönlichkeit für ihr weiteres Leben prägen. Die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühles könnte dahin gehend eingeschränkt werden, dass sich diese Kinder z.B. später als Erwachsene oft in erster Linie für das Wohl anderer verantwortlich fühlen.

Loyalitätskonflikte sind traumatisch, weil sie Kindern eine realistische Beziehung zu Mutter und Vater unmöglich machen und grundsätzlich eine eigenständige Sicht in Konfliktsituationen verhindern. Häufig spüren Kinder, wie wichtig einem Elternteil seine Loyalität ist. Dann brechen sie manchmal sogar den Kontakt zum anderen, dem sie die Schuld an dem schlechten Zustand ihres verbündeten Elternteils geben, ab. Damit berauben sie sich dessen Anteil an ihrer weiteren kindlichen Entwicklung, dessen Vorbildfunktion und nicht zuletzt der Liebe.

Parentifizierung

In Trennungskonflikten ist die Gefahr der Parentifizierung größer: Kinder hören auf, einfach nur Kind zu sein, indem sie zu viel Verantwortung für das Wohlergehen von Mama oder Papa tragen. Für Außenstehende wirkt die symbiotische Eltern-Kind-Konstellation oftmals sehr stark und harmonisch, da das Kind seinem bevorzugten Elternteil keine Probleme bereitet, sehr hilfsbereit, höflich und selbständig erscheint.

Tipps für Trennungseltern

Zunächst sollten Eltern versuchen, ihre Konflikte nicht vor den Kindern oder auf deren Rücken auszutragen. Das ist oftmals leichter gesagt als getan, wenn die Emotionen überkochen und die Eltern über ihre eigene Krise einen verschwommenen Blick auf die Realität haben und die Kinder aus den Augen verlieren. Deshalb sollten sich Trennungseltern nicht scheuen, Hilfe für sich und ihre Kinder zum Beispiel bei einer Beratungsstelle zu suchen.

Quelle: Steffens, Ute (2022): Mit Kindern durch die Trennung – ein therapeutisches Lesebuch. Edition claus

Foto: unsplash – Jessica Rockowitz

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