Die kindliche Entwicklung vom Krabbeln bis zum Fahrradfahren

von | 13. Februar 2014

Eltern müssen sich nicht sorgen, wenn ihr Kind später krabbeln, stehen, laufen oder Fahrrad fahren lernt, denn die kindliche Entwicklung ist individuell...

kindliche EntwicklungIn Ratgebern für Babys und Kleinkinder lesen Eltern immer wieder von Zeiträumen, zu denen die Kleinen krabbeln, stehen und laufen können sollen. Doch was, wenn das kleine Kind noch keine Anstalten macht, sich krabbelnd vorwärts bewegen zu wollen und das Nachbarskind dem großen Kind mit dem Fahrrad davonsaust? Eltern sind deswegen häufig verunsichert und haben Angst, dass ihr Kind der normalen Entwicklung hinterherhinkt. Doch wie ernst kann man diese Altersangaben nehmen und wie können Eltern ihr Kind bei dessen Entwicklung sinnvoll begleiten? Unsere Autorin Dr. Sonja Deml hat sich mit dem Entwicklungs- und Lerntherapeuten Jan-Philipp Janssen darüber unterhalten.

In welchen Schritten und in welchen Zeiträumen läuft die normale motorische Entwicklung ab?

Jan-Philipp Janssen: Ab dem 10. Monat sollte ein Kind im Langsitz sitzen können. Das heißt: die Beine sind gestreckt, der Kopf ist aufrecht und das Kind sackt nicht mehr in sich zusammen. Etwa zur gleichen Zeit beginnt es zu krabbeln. Dazu begibt es sich zunächst in den Vierfüßlerstand und wippt erst mal hin und her. Dann versucht es, vorwärts zu kommen. Der Langsitz ist außerdem die Voraussetzung fürs Stehen und etwa im 12. Monat läuft das Kind an der Hand. Zu diesem Zeitpunkt kann es auch frei stehen und es läuft bald alleine. Mit eineinhalb Jahren ist das Kind in der Lage, die Treppen raufzukrabbeln. Ab dem dritten Lebensjahr kann das Kind immer mehr balancieren, auf einem Bein hüpfen und ab vier oder fünf Jahren ist das Gleichgewicht so gut, dass ein Kind Radfahren lernen kann. Das sind die sogenannten Meilensteine der motorischen Entwicklung – wobei ich das eher lockerer sehe und nicht so sehr auf die Zeiträume fixiert bin.

Sicherlich macht es wenig Sinn, Babys das Krabbeln beibringen zu wollen oder dem Kind die Stützräder vom Fahrrad zu schrauben, wenn es noch nicht so weit ist. Wie können Eltern ihr Kind dennoch sinnvoll bei seinen Entwicklungsschritten begleiten?

Jan-Philipp Janssen: Es macht tatsächlich keinen Sinn, die Stützräder abzumontieren, wenn es noch nicht geht. Es würde für mich jedoch schon Sinn machen, mit dem Kind das Krabbeln zu üben. Die vordere Muskulatur von der Hüfte angefangen bis hin zum Hals bzw. den Schultern ist wichtig, da das Kind ein ordentliches Gewicht halten muss. Wenn es den Arm und das Beim gleichzeitig anhebt, wird es noch schwieriger. Durch die Neugier der Kinder ist die motorische Entwicklung gesteuert. Wenn die Kinder im Vierfüßlerstand sind, wippen sie vor und zurück. Das Kind verlagert seinen Schwerpunkt nach vorne und nach hinten. Das ist der erste Schritt zum Krabbeln und das Kind will zum Spielzeug, das vor ihm liegt. Eltern können Übungen mit dem Baby machen, um seine Muskulatur zu stärken. Das Gleichgewicht, das wichtig ist zum Stehen, Radfahren, kann durch Balancieren trainiert werden und die vordere Halsmuskulatur kann schon im Babyalter gut stabilisiert werden, indem das Baby häufig in der Bauchlage ist weil es sich dann hochzieht und in der Rückenlage, weil das Baby den Kopf selbständig anhebt. Das ist ein wichtiger Ausgangspunkt fürs Gleichgewicht, denn je stabiler ich meinen Hals halten kann, desto stabiler ist das Gleichgewichtsorgan im Ohr auch.

Was darf man auf keinen Fall machen?

Jan-Philipp Janssen: Eltern sollten Babys nicht zum Sitzen bewegen wenn es noch in sich zusammensackt, da man die Gelenke, die in sich noch nicht stabil sind, unnötig belasten würde. Wenn Eltern einen Schritt zu weit sind und Kinder die Vierfüßlerstandwippe noch nicht können, kann es noch nicht krabbeln lernen. Wenn das Kind noch nicht das Gleichgewicht und die Stabilität hat, um stehen zu können, dann bitte nicht hinstellen. Nicht weiter als das Kind von seinen muskulären und koordinativen Voraussetzungen sein wollen als Eltern!

Was halten Sie von Fördermitteln wie Babywalker, Lauflernwagen, Laufrädern etc.?

Jan-Philipp Janssen: Für mich als Entwicklungstherapeut sind Babywalker eine Katastrophe, da dem Kind die Möglichkeit genommen wird, das selbst zu erlernen und das Kind die Voraussetzungen zum Gehen nicht genug trainieren kann. Die Stabilität trainiert man in Rücken- und Bauchlage, indem das Kind hochgeht und sich aufrichtet. Auf Lauflernwägen können Kinder ebenfalls verzichten, da sich Kinder zum Stand an Möbeln hochziehen, das Gleichgewicht halten und irgendwann einen Fuß vor den anderen setzen. Auch von Sicherheitsaspekten her sind diese Hilfsmittel bedenklich! Laufräder trainieren das Gleichgewicht dagegen ganz gut. Laufräder machen Spaß und es gibt keine entwicklungstherapeutischen Bedenken. Außerdem ist es eine schöne Möglichkeit, sich draußen an der frischen Luft zu bewegen. Gute Laufräder aus Holz, Stahl oder Kunststoff bekommt man zum Beispiel bei walzkizz.de.

Was können Sie Eltern mit auf den Weg geben, deren Kind einfach mehr Zeit braucht, um sich zu entwickeln? Viele machen wohl den Fehler, ihr Kind zu sehr mit anderen Kindern zu vergleichen…

Jan-Philipp Janssen: Entspannen, locker bleiben, es hat noch jedes gesunde Kind das Laufen gelernt. Manche eher, manche später. Deswegen kann man da gelassen bleiben. Eltern können mit ihrem Kind die Voraussetzungen zum Krabbeln, Laufen, Radlfahren trainieren. Um auf Skifahren vorbereitet zu sein, macht man ja auch Skigymnastik. Ich bin erst mit 16 Monaten gelaufen und war in der Grundschule der schnellste Läufer bei den Bundesjugendspielen.

Dr. Sonja Deml: Da gratuliere ich und danke Ihnen ganz herzlich!

Ein weiteres Interview mit Jan-Philipp Janssen über die Fragwürdigkeit von Therapien für Kinder finden Sie hier

Foto: © otisthewolf – Fotolia.com

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