Musikalische Früherziehung

von | 19. Juni 2014

Musikalische Früherziehung: Auf welche Weise wirkt Musik auf Kinder, ab welchem Alter sollte man sie fördern und welche Instrumente eignen sich für Kinder?

musikalische-früherziehungInzwischen ist die Spieluhr auf dem Babybauch schon obligatorisch. Ich frage mich, ob da bereits musikalische Früherziehung beginnt. Die Musik-Lehrerin Gabi Hübler vom Musikgarten Regensburg weiß auf diese und viele andere Fragen rund um musikalische Früherziehung spannende Antworten.

Gabi Hübler: Babys sind von Natur aus musikalisch, die Fähigkeit zu Singen und uns rhythmisch zu bewegen ist angeboren. Im Mutterleib werden die Babys mit dem Herzschlag und der Stimme der Mutter beschallt und vertraut gemacht. Musikalische Früherziehung setzt genau da an: durch gemeinsames Singen, Bewegen, Musikhören, einfaches Instrumentenspiel wird Interesse und Begeisterung für Musik geweckt und so die natürliche Musikalität weiterentwickelt.

Eltern singen ihren Babys schon früh Liedchen vor und Babys lieben es, selbst Geräusche mit Rasseln oder ähnlichem zu produzieren. Was macht Musik mit Kindern?

Gabi Hübler: Das erste Instrument, das die Babys benutzen, ist ihre eigene Stimme. Die lustigen Gurr-, Quiek-, und Brabbel-Laute zeugen schon von großer Experimentierfreude. Außerdem sind alle Babys neugierig und Dinge, mit denen sie selbst Geräusche erzeugen können, finden sie sehr spannend und freuen sich darüber. Wenn vertraute Personen wie Mutter, Vater, Oma ihnen immer wieder die gleichen Lieder vorsingen, beruhigt das die Kinder ungemein. Man hat herausgefunden, dass sich der Herzschlag des Babys an den vorgesungenen Lied-Rhythmus anpasst, deshalb ist es sehr hilfreich, zur Beruhigung Schlaflieder, die ja einen langsamen Rhythmus haben, vorzusingen. Ähnlich wie beim Vorlesen animiert natürlich auch das Vorsingen zum Nachahmen. Musik beeinflusst das Limbische System, eine Einheit des Gehirns zur Verarbeitung von Gefühlen, das auch zuständig ist für die Ausschüttung von Glückshormonen. Deshalb machen harmonische Melodien glücklich, egal, wie alt man ist.

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, mit seinem Kind zu einem Musikgartenkurs oder einem ähnlichen Angebot zu gehen? Und welche altersgerechten Musikinstrumente können dort ausprobiert werden?

Den Baby-Musikgarten-Kurs kann man besuchen, sobald man sich – vor allem als Mutter – fit genug fühlt, um mit dem Baby irgendwo hin zu gehen. Ich empfehle den Baby-Kurs ab 5 Monaten, denn dann können sich die meisten Babys wirklich auch schon eine knappe Dreiviertelstunde auf Singen und Musik in einer Gruppe mit anderen Babys und Müttern oder auch Vätern einlassen. Im Kurs wird ja auch viel gewiegt, gekuschelt und mit der Mutter oder dem Vater geschmust. Das wiederum stärkt die Mutter(Vater)-Kind-Beziehung und bringt einfach Freude. Als Instrumente benützen wir einfache Holzrasseln, Klanghölzer und bunte, durchscheinende Chiffon-Tücher. Ab und zu bringe ich dann noch andere Instrumente mit, die ich dann vorspiele wie Gitarre, Flöte, Baby-Zymbeln, Triangel. Auch Klangbausteine dürfen ausprobiert werden.

Warum ist musikalische Früherziehung wichtig?

Wir alle besitzen zwar die Fähigkeit zu Singen und zur rhythmischen Bewegung, aber wie alle anderen Fähigkeiten (Gehen, Greifen,…) müssen auch diese geübt werden, um sie sicher anwenden zu können. Alle Menschen haben eine Stimme und können Töne erzeugen, das Singen muss aber trotzdem jeder für sich lernen. Es ist nicht so, dass manche Menschen singen können und manche nicht. Manche haben es nur nicht so viel geübt wie andere und haben vielleicht nicht so ein präzises musikalisches Gehör wie andere. Um das Singen und die rhythmischen Bewegungen zu Üben und um das Gehör zu schulen, ist die musikalische Früherziehung wichtig. Je früher man damit beginnt, umso leichter und natürlicher geht das. Da heute nicht mehr so viel zu Hause gesungen wird, ist es einfacher unter Anleitung zum Beispiel in einem Musikgarten-Kurs zu musizieren. Oft erinnern sich die Mütter im Kurs dann wieder an die längst vergessen geglaubten Kinderlieder von früher und freuen sich unheimlich über ein gemeinsam getanztes und gesungenes „Brüderlein, komm‘ tanz mit mir“. Ganz nebenbei wird in solchen Kursen auch die Grob-, und Feinmotorik und das Sprechen geübt.

Welche Musikinstrumente lernen Kinder eigentlich am liebten?

Da gibt es keine allgemeingültige Aussage – es gibt unterschiedliche Vorlieben. Aber wenn man früh mit Instrumentalunterricht beginnen möchte, ist die Blockflöte zu empfehlen: schon 5-Jährige können sie gut greifen, es gibt preiswerte und dennoch gute Instrumente, man hat schnell Erfolgserlebnisse, man lernt rasch und fast nebenbei das Notenlesen und außerdem macht es den meisten kleinen Kindern Spaß, in irgendwas hineinzupusten bis ein Ton herauskommt.

Ich denke, man Kinder nicht zwingen, ein bestimmtes Instrument zu lernen. Aber wie kann man die Neugierde wecken?

Höchster Anreiz ist es immer, wenn man selbst ein Instrument spielt. Wenn es kein Blasinstrument ist, dann ist es toll, wenn man es als Begleitinstrument wie Klavier oder Gitarre nutzt und dazu singt, das animiert zum Mitmachen. Eine gute Gelegenheit ist es auch, zu besonderen Anlässen zu musizieren, zum Beispiel an Geburtstagen ein Ständchen zu singen, im Advent mit den Kindern abends um den Adventskranz zu sitzen und Weihnachtslieder zu singen. Noch mehr Spaß haben die Kinder dann, wenn jeder ein einfaches Rhythmusinstrument in die Hand bekommt wie Glöckchen am Stiel, Schellentamburin, Triangel, Rassel. Wenn das Interesse erstmal geweckt ist, gibt es bei der Musikschule immer einen „Tag der offenen Tür“, an dem man verschiedene Instrumente ausprobieren darf. Oder man macht mit beim „Instrumentenkarussell“, das viele Musikschulen für Kinder ab circa 8 Jahren anbieten. Dabei darf man sich 3 Instrumente auswählen, in die man dann während des Jahres nacheinander eingeführt wird. Die meisten Instrumente kann man sich bei der Musikschule auch erstmal ausleihen.

Vielen Dank für diese interessanten Eindrücke!

Das Interview führte Dr. Sonja Deml

Musik fördert die Sprache. Mehr über die Sprachentwicklung erfahren Sie im Interview mit Jan-Philipp Janssen

Foto: © lagom – Fotolia.com

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