Immer mehr Großväter übernehmen die Kinderbetreuung

von | 13. August 2020

Die sogenannten neuen Großväter übernehmen verstärkt die Betreuung ihrer Enkelkinder. Der Deutsche Alterssurvey hat dieses Phänomen untersucht.

GrossvaterZwar ist Kinderbetreuung noch immer in erster Linie Frauensache, doch die Männer scheinen aufzuholen. Das betrifft die Eltern, aber auch die Großeltern, was als ein wichtiges Ergebnis beim Deutschen Alterssurvey herauskam: Hauptsächlich kümmern sich Großmütter um ihre Enkelkinder, wenn sich die Eltern entlasten möchten, doch es scheint sich eine Generation der neuen Großväter zu entwickeln. Diese Opas engagieren sich verstärkt bei der Betreuung ihrer Enkel. Sie entlasten die Eltern und können nachholen, was sie selbst als Väter versäumt haben.

Kinderbetreuung durch Großeltern

Gerade für Eltern in stressigen Lebenssituationen, wie zum Beispiel im Fall einer Trennung oder Scheidung sind Großeltern eine wichtige Hilfe bei der Kinderbetreuung. Alleinerziehende und ihre Kinder profitieren enorm von einem guten Verhältnis zu möglichst allen Großeltern, denn sie geben ihnen Halt. Großeltern sind für die Kleinen ein vertrautes Bindeglied zwischen den getrennten Eltern und auch die Eltern können sich auf die Hilfe von zuverlässigen Omas und Opas verlassen. Ferner müssen die Kinder nicht (kostenpflichtig) fremdbetreut werden. Aber auch sogenannte intakte Familien, die Probleme bei der Vereinbarung von Job und Kinderbetreuung haben, erhalten Unterstützung durch die Großeltern. Diese Hilfe ist für viele Eltern unerlässlich und auch die Kinder werden durch eine liebevolle Beziehung zu ihren Großeltern gestärkt. Klassischerweise kümmern sich immer noch die Frauen, also Mütter und Großmütter, am häufigsten um die Kinder, aber die neuen Großväter holen auf.

Opas und die Enkelbetreuung

Der Deutsche Alterssurvey (DEAS) hat untersucht, inwiefern sich Omas und Opas in die Enkelbetreuung einbringen und ist zu einem überraschenden Ergebnis gekommen: Großväter engagieren sich immer häufiger aktiv bei der Enkelbetreuung. Sie unterstützen nicht nur die Großmütter, sondern Opas holen ihre Enkelkinder alleine von der Schule ab, bringen sie selbst zum Sport und helfen bei den Hausaufgaben. Bislang wirkte der Opa eher unterstützend mit, wenn die Oma die Enkel betreute, indem er ihnen mal ein Buch vorlas oder mit ihnen spazieren ging. Das soll sich nun ändern. Omas kümmern sich um ihre Enkelkinder im Verlauf der zweiten Lebenshälfte früher als Opas, was womöglich mit einem späteren Renteneintritt der Männer zusammenhängt. Für Omas liegt die statistische Wahrscheinlichkeit für die Enkelbetreuung im Alter von 63 Jahren am höchsten. In diesem Alter kümmern sich 27% der Großmütter um ihre Enkelkinder. Bei Opas liegt der Zeitpunkt bei 67 Jahren. In diesem Alter engagieren sich 21% der Opas bei der Enkelbetreuung.

Gründe für das wachsende Engagement der neuen Großväter

Über die Gründe wird nur spekuliert, denn sie wurden bei der Untersuchung nicht abgefragt. Das veränderte Rollenverhältnis und das neue Rollenverständnis der Männer generell werden sicherlich dazu beigetragen haben. Schließlich sind die Aufgabenverteilungen nicht mehr so streng getrennt und die heutigen Großväter sind von der 68er-Bewegung geprägt. Sie möchten sich womöglich anders verhalten als ihre eigenen Großväter und sie sind eher bereit, etwas Neues auszuprobieren. Außerdem sind sie im Alter fitter als ihre eigenen Großväter, die von harter Arbeit und vom Krieg gezeichnet waren. Aber auch die neuen Großväter haben ein arbeitsreiches Leben hinter sich und womöglich merken sie erst jetzt, wie wenig Zeit sie für die Familie übrig hatten. Mit ihren Enkelkindern möchten sie das Versäumte nachholen. Jetzt können sie endlich mit Kindern spielen, haben genug Zeit und Ruhe um zuzuhören und sich für die Interessen der Kinder zu begeistern. Zudem tut das Gefühl, gebraucht zu werden, dem Opa gut. Er möchte geistig und körperlich aktiv bleiben und die Enkelkinder fordern ihn in dieser Hinsicht. Vielleicht möchten Opas aber auch einfach nur ihre Liebe zu den Enkelkindern ausdrücken, indem sie möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen. Schließlich wissen die Großväter genau, wie schnell die Kinderzeit vorbei geht.

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2019): Frauen und Männer in der zweiten Lebenshälfte – Älterwerden im sozialen Wandel. Zentrale Befunde des Deutschen Alterssurveys (DEAS) 1996 bis 2017. Berlin

Mehr über die Bedeutung einer guten Beziehung zwischen Kindern und ihren Großeltern liest du hier.
Und falls sich die Großeltern mal zu sehr in die Erziehung einmischen, findest du Hilfe.

Foto: Canva.com

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