Liebes- oder Beziehungssucht

von | 13. April 2015

Unter Liebessucht bzw. Beziehungssucht leiden Menschen, die Liebe mit Abhängigkeit verwechseln. Der Partner soll ihnen helfen, ihre Defizite auszugleichen.

Liebessucht

Kennen Sie auch jemanden, der regelrecht nach einer Partnerschaft lechzt, darin zunächst die absolute Erfüllung zu erleben scheint, hörig ist – bis hin zur Abhängigkeit? Sie wundern sich über den zerstörerischen Charakter der Partnerschaft und die vielen Streits, obwohl doch die Liebe so groß zu sein scheint? Alles wirkt so krankhaft und das ist es auch. Es kann gut sein, dass dieser Mensch an einer Liebes- bzw. Beziehungssucht leidet. Der Hintergrund ist oftmals sexueller oder emotionaler Missbrauch (in der Kindheit) oder eine Borderline-Störung.

Süchtig nach Liebe?

Es gibt Menschen, die offenbar süchtig nach Liebe sind oder besser gesagt: nach dem, was sie für Liebe halten. Die Betroffenen versuchen nämlich, ihre inneren Defizite über vermeintliche Liebesgefühle zu bekämpfen. Sie klammern sich sehr an einen Partner, werden oftmals sogar hörig und abhängig von ihm. Gleichzeitig beeinflussen Aggressionen die Beziehung. Das kann nicht gut gehen und eine schwierige Partnerschaft ist vorprogrammiert. Kaum ein Partner kann das auf Dauer aushalten und deswegen sind diese Paarbeziehungen zum Scheitern verurteilt – außer der Partner leidet unter derselben oder einer sich ergänzenden Störung.

Kennzeichen von Liebes- bzw. Beziehungssucht

Liebes- bzw. Beziehungssüchtige verwechseln Liebe mit Abhängigkeit. Sie fühlen sich extremst zu einem Partner hingezogen und glauben, ihn deshalb auch zu lieben. Doch die vermeintlichen Liebesgefühle entstehen aus ihrer Sucht heraus. Deshalb finden sie auch keine Erfüllung in der Partnerschaft, sondern leiden nach wie vor. Beziehungssüchtige möchten ihre Defizite durch partnerschaftliche Liebe kompensieren. Der Partner wird also dafür verantwortlich gemacht, wie es einem geht. Es soll einem schließlich besser gehen als zu Single-Zeiten. Gelingt dies nicht, so suchen Liebessüchtige Gründe für ihr Leiden im Verhalten bzw. Fehlverhalten des Partners. Das erinnert stark an perfektionistische Partner, ist aber dennoch etwas anderes. Aggressionen, Gewalt, Vergewaltigung, exzessiver Suchtmittelkonsum und sogar Suiziddrohungen oder demonstrative Suizidversuche kennzeichnen die Liebes- oder Beziehungssucht zudem. Es gibt ständige Machtkämpfe und die Betroffenen werden auch erpresserisch in jeglicher Hinsicht. Die Beziehungssüchtigen können aber die Partnerschaft nicht beenden, ihre Gedanken drehen sich nur um die Beziehung. Sie erleben recht schnell einen Kontrollverlust, indem sie die destruktive Beziehung zwanghaft aufrechterhalten. Fälschlicherweise halten viele das dann für den ultimativen Beweis ihrer Liebe. Das Motto scheint zu lauten: Wie können nicht miteinander, aber auch nicht ohne.

Beziehungssüchtig: Von einer Partnerschaft in die nächste…

Ohne einander können Liebessüchtige nur wenn sich die Gelegenheit bietet, sich in eine neue Beziehung zu stürzen. Dann beginnt der Teufelskreis von vorne, denn es ist nicht so ohne weiteres möglich, die destruktiven Verhaltens- und Denkweisen einzustellen und eine gesunde Beziehung zu führen. Zunächst werden Partnerschaft und Partner quasi idealisiert um relativ schnell festzustellen, dass auch diese Beziehung nicht funktioniert. Kein Partner kann die schwerwiegenden emotionalen Defizite ausgleichen.

Hilfe für Liebes- oder Beziehungssüchtige

Liebes- bzw. Beziehungssüchtige finden Hilfe in einer psychotherapeutischen Behandlung. Dies ist allerdings nur möglich, wenn die Bereitschaft, abstinent zu werden, da ist. Der Betroffene muss also auf die süchtige Beziehung verzichten. Dann kann er Zugang zu seinen wahren Problemen finden. Erst das ermöglicht ein Aufarbeiten und die Überwindung der Sucht, sobald der Betroffene erkennt, dass eine Partnerschaft keine geeignete Lösung für seine inneren Konflikte und Defizite ist. Tiefsitzende Probleme und die Hintergründe der Liebes- bzw. Beziehungssucht müssen erkannt, benannt, bewütet und beweint werden. Dann gibt es eine Chance für die Lösung der inneren Konflikte und der Weg hin zu einer gesunden Liebesbeziehung auf Augenhöhe wird frei.

Quelle: Röhr, Heinz-Peter (2015): Ich traue meiner Wahrnehmung. Heilung nach sexuellem und emotionalem Missbrauch. Patmos Verlag, Ostfildern

Foto: © nito – Fotolia.com

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