Wie Schule Spaß macht – Kritik am Schulsystem

von | 7. April 2014

In ihrem Buch "Wie wir Schule machen" kritisieren drei Schülerinnen das Schulsystem und zeigen, dass Schule Spaß machen kann. Selbstbestimmtes Lernen...

Schule macht SpaßWarum gehen die meisten unserer Kinder nicht gerne in die Schule? Warum sind manche Schüler sogar depressiv und kommen mit dem Schulwissen im Berufsleben nicht weiter? Die Schülerinnen Alma de Zárate, Jamila Tressel und Lara-Luna Ehrenschneider haben in Zusammenarbeit mit dem stern-Reporter Uli Hauser ein Buch geschrieben und stellen darin interessante Lösungsansätze vor. Sie fordern zum Beispiel mehr Selbständigkeit, mehr Verantwortung und lebensnahe Erfahrungen. Denn schließlich lernen wir doch nicht für die Schule, sondern fürs Leben.

Schule als große Gemeinschaft

Die Schule sollte als große Gemeinschaft verstanden werden – als Ort, an dem man jeden Tag seine Freunde trifft und abends schlauer ist als zu Tagesbeginn. Doch die meisten Schüler verbinden mit Schule Frust und es scheint normal zu sein, dass sich die Kinder jahrelang zur Schule schleppen. Wenn Lehrer weniger autoritär und distanziert wären, die Toiletten sauberer, das Schulessen frischer und besser, die Klassen kleiner und der Unterrichtsstoff aktueller wäre, dann würden Schüler auch lieber zur Schule gehen. Unser Schulwesen erzieht die Kinder zu Einzelkämpfern. Schüler, die ihren schwächeren Sitznachbarn abschreiben lassen, bekommen für ihre Hilfsbereitschaft die schlechteste Note. So kann kein Gemeinschaftsgefühl aufkommen, kritisieren Alma, Jamila und Lara-Luna.

Neue Lehrpläne

In der Schule müssten neue Fächer an der Tagesordnung stehen. Die Schule sollte eher auf die natürlichen Begabungen eines Kindes schauen und sich weniger auf seine Schwächen konzentrieren. Dann würden Schüler nicht an ihren weniger ausgeprägten Fähigkeiten verzweifeln. Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Freundlichkeit und Wertschätzung sind soziale Kompetenzen, die den Schulabgängern auch im Berufsleben etwas bringen. Es würde den Kindern zum Beispiel viel nutzen, Vermittlungsstrategien in einem Konfliktfall zu kennen und Verantwortung zu übernehmen. Das muss man nämlich auch lernen.

Selbstbestimmtes Lernen

Schülern würde das Lernen mehr Spaß machen und sie hätten weniger Schulprobleme, wenn sie ihrem eigenen Lerntempo gemäß lernen dürften. Schüler, die ihren Tag selbst gestalten und selbst entscheiden, wann sie welchen Stoff drannehmen, fühlen sich außerdem ernst genommen und selbstbestimmtes Lernen fördert die Eigenverantwortung.

Schule als Ort der Sensationen und Begegnungen

Viele Kinder stehen unter einem so großen zeitlichen und emotionalen Stress, dass sie ihre Hobbys – also ihre wahren Interessen – einfach nicht mehr ausleben können. Die jungen Autorinnen schlagen vor, die Schule als eine Art Rummelplatz und einen Ort der Begegnungen und Sensationen werden zu lassen: Mit einem Rentner werden Fahrräder repariert, ein Physikprofessor veranstaltet tolle Experimente oder die Kinder erobern die Schulküche… So könnte bei den Schülern Neugier geweckt werden und schon vorhandene Interessen würden sich vertiefen. Kinder hätten weniger das Gefühl, nur zum Lernen in die Schule zu kommen, sondern die neuen Eindrücke würden ihnen zu ungeahnten Lernerfolgen verhelfen – wie das eben bei Hobbys auch der Fall ist.

Authentische Bewertung statt Noten

Alma, Jamila und Lara-Luna bemängeln ferner das Notensystem. Damit werden Schüler in sechs Kategorien eingeteilt und die eigentliche Leistung, die hinter dem Erreichen einer bestimmten Note steht, wird gar nicht berücksichtigt. Ein Schüler, der einfach unsportlich ist und sich dennoch wacker durch die 1500m-Strecke kämpft, bekommt möglicherweise eine schlechte Note, weil er nicht innerhalb einer bestimmten Zeit am Ziel ankam. Das frustriert natürlich. Wäre es nicht besser, seine Anstrengung zu honorieren?

Schulsystem: Mehr Mitspracherecht für Schüler

Wenn die Debatten ums Bildungssystem nicht länger von Menschen geführt werden, die aus dem Schulalter raus sind, sondern die Schüler selbst ein größeres Mitspracherecht bekämen, dann würde der Schulalltag sicherlich ganz anders aussehen. In den Schulen würden sich die Schüler wohlfühlen. Doch Lehrpläne und Schulsysteme werden von Bildungsexperten gemacht. Aber sind nicht die Schüler die eigentlichen Bildungsexperten? Schließlich geht es doch um sie…

Quelle: de Zárate, Alma/Tressel, Jamila/Ehrenschneider, Lara-Luna (2014): Wie wir Schule machen. Lernen, wie es uns gefällt. Knaus Verlag, München

Foto: © Christian Schwier – Fotolia.com

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