Streit unter Geschwistern: Tipps für Eltern

von | 13. März 2014

Streit unter Geschwistern, auch unter Halb- und Stiefgeschwistern, ist normal und die Kinder lösen ihn am besten selbst. Wann Eltern einschreiten sollten...

Streit zwischen GeschwisternKeine Geschwister leben in ständiger Harmonie zusammen, sondern es ist ganz normal, dass sie sich aneinander reiben und auch mal die Fetzen fliegen. Gleichaltrige Geschwister oder Stief- bzw. Halbgeschwister, die sich nicht mögen, haben mehr Reibungsflächen als Geschwister, deren Altersunterschied recht groß ist. Deren Interessen liegen eben weiter auseinander. Nicht jeder Streit um das Lieblingsspielzeug ist gleich ein Warnsignal für eine Verhaltensauffälligkeit. Doch wann sollten Eltern eingreifen und wann ist es besser, die Kinder ihr Problem selbst lösen zu lassen?

Streit als emotionales Fitnesstraining

Für Kinder ist es in Ordnung, wenn sie öfter streiten und die Erwachsenen empfinden so manch einen Streit als nervenaufreibender als die Geschwister selbst. Kinder versöhnen sich auch viel schneller wieder und sie brauchen in der Regel keine Hilfestellung, sondern hören einfach auf zu streiten. Das Spiel geht dann weiter wie bisher. Grundsätzlich reagieren Kinder rasch, sie handeln spontan und lösungsorientiert. Deshalb wechseln ihre Emotionen schneller und diese Mischung aus Kämpfen, sich durchsetzen wollen, Nachgeben und Versöhnen bezeichnet die Pädagogin und Psychotherapeutin Ingeborg Saval als soziales und emotionales Fitnesstraining. Dazu gehören auch Rücksichtnahme, Verzicht und letztlich das Aushandeln von Lösungen. Kinder lernen diese Fähigkeiten von selbst, ohne dass sich die Eltern einmischen.

Wann sollen sich Eltern in den Geschwisterstreit einmischen?

Indem sich Eltern zu schnell in den Geschwisterstreit einmischen, rauben sie ihren Kindern die Chance, die Situation selbst zu meistern. Eltern sollten allerdings einschreiten, wenn ein Kind Gewalt gegen sich oder das Geschwisterkind anwendet. Ein Eingreifen ist ebenfalls angesagt, wenn die Gefahr besteht, dass Spielsachen oder Mobiliar zerstört wird. Damit Eltern den Streit verstehen, sollten sie sich die Situation von jedem Kind erklären lassen und erst mal in Ruhe zuhören. Es ist gut, wenn die Eltern zusammenfassen, wie sie die Situation verstanden haben. Keinesfalls sollten Eltern vorschnell Partei ergreifen und fertige Lösungen anbieten. Ingeborg Saval empfiehlt außerdem, sich nicht als Polizist, sondern als Vermittler zu begreifen. Wenn der Familienfrieden durch ständige Streitereien bedroht ist, sollten Eltern ebenfalls eingreifen und der Ursache der ständigen Unzufriedenheit ihrer Kinder auf den Grund gehen.

Streit unter Stiefgeschwistern schlichten

Wenn sich Stiefgeschwister streiten, dann kann das ein genauso natürliches emotionales Fitnesstraining sein wie Streit unter biologischen Geschwistern. Ich rate Eltern, sich den Streit unter Stiefgeschwistern genauer anzusehen. Hier geht es möglicherweise darum, sich eine bestimmte Position innerhalb der Patchworkfamilie zu erkämpfen. Das ist natürlich erst mal nicht ganz falsch – es kommt eher auf das Wie an. Patchworkeltern sollten im Auge behalten, dass niemand abgedrängt wird oder Streit inszeniert wird, um manipulativ gegen ein Stiefgeschwisterkind vorzugehen. Eifersucht und Streit kann auch entstehen, wenn Patchworkkinder ein neues Geschwisterchen bekommen. Dann kann eine (von den Eltern oder einer anderen Vertrauensperson angeleitete) Aussprache helfen, die Fronten zu enthärten. In schlimmeren Fällen kann auch ein Familientherapeut zu Rate gezogen werden.

Geschwister streiten sich: Ein Buchtipp

Es gibt ein ganz bezauberndes therapeutisches Kinderbuch, das Kindern die Sicht auf Streit von außen ermöglicht. Brülldrache und Polterdrache sind die allerbesten Freunde. Aus einer vermeintlichen Mücke wird ein Elefant und schwuppdiwupps liegen sich Brülldrache und Polterdrache in den Haaren und sie raufen sogar. In dieser Handgreiflichkeit zerreißt eine Kette, die sie an schönere Zeiten erinnert und auf einmal werden beide ganz sentimental. So sehr, dass sie wieder einen Drachenschritt aufeinander zugehen möchten. Schließlich sind sie doch die allerbesten Freunde…

Quelle:
Baumbach, Martina/Hansen, Christiane (2012): Brülldrache und Polterdrache. Eine Geschichte vom Streiten und Vertragen. Thienemann Verlag, Stuttgart
Saval, Ingeborg (2014): Starke Kinder. Gezielt und fantasievoll: Methoden für selbstbewusste und ausgeglichene Kinder. Trias Verlag, Stuttgart

Foto: © StefanieB. – Fotolia.com

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