Geschwisterzoff: Hilfe, meine Kinder streiten ständig!

von | 6. August 2020

Dass Geschwister häufig streiten gehört in vielen Familien zum Alltag. Wie kommt es zu Geschwisterzoff und wie sollten sich Eltern dann verhalten?

GeschwisterstreitIn nahezu jeder zweiten Familie in Deutschland leben Geschwister. Nicht als Einzelkind aufzuwachsen, bereitet Kindern Höhen und Tiefen. Konflikte zwischen Geschwistern gehören zum Familienalltag. Vor allem wenn die Familie ungewohnt viel Zeit miteinander verbringt, wie an Feiertagen oder in den Ferien, sind Streitigkeiten oftmals vorprogrammiert. Studien zufolge ist es nicht ungewöhnlich, wenn Geschwisterkinder fünf Mal pro Stunde und öfter streiten. Viele Mamas und Papas fragen sich, wie es zu den ständigen Geschwisterzoffs kommt und wie sie sich verhalten sollen.

Ursachen von Geschwisterstreit

Beim Geschwisterstreit handelt es sich um einen Kampf um Ressourcen. Rivalität ist eine der häufigsten Ursachen von Streit unter Geschwistern. Es geht um die Zuneigung der Eltern, um ihre Liebe und Aufmerksamkeit. Die Gefahr für Rivalitäten ist bei geringem Altersunterschied und gleichem Geschlecht erhöht. Ferner ist Geschwisterzoff eine Frage des Temperaments – manche Kinder sind eben hitziger. Wie sich in Konfliktsituationen verhalten, schauen sie sich von den Eltern ab. Eifersucht ist eine weitere Ursache von Streit unter Geschwistern. Stell dir mal vor, dein Partner würde sich in jemanden verlieben und verlangt von dir, dass du diese neue Person genauso süß findest und alles mit ihr teilst? Das Gefühl der Entthronung kann eine andere Ursache sein sowie die Suche nach einem passenden Platz des Kindes in der Familie. Das ist oftmals bei Patchworkfamilien ein großes Problem in den ersten Jahren.

Die positiven Seiten von Geschwisterzoff

Streit unter Geschwistern ist nervenaufreibend, dennoch hat er auch gute Seiten: Die Kinder lernen Konfliktfähigkeit. Sie setzen sich mit einem Problem auseinander, bauen aktiv Spannungen ab, statt Unstimmigkeiten in sich hineinzufressen. Ein Kind lernt, seinen Standpunkt klarzustellen, ihn zu begründen und im besten Fall mithilfe eines Kompromisses durchzusetzen. Endet ein Streit konstruktiv, fühlen sich Geschwisterkinder gestärkt, zufriedener und sie haben ein höheres Selbstwertgefühl. Dennoch sollte unnötiger Zoff vermieden werden.

Geschwisterstreit vermeiden

Ein wichtiger Punkt ist die Stärkung der Geschwisterbeziehung und das Gefühl, dass jedes Kind seinen Platz in der Familie hat, an dem es sich wohlfühlt. Streit vermeiden können Eltern, indem sie mit ihren größeren Kindern offen über deren Gefühle und Bedürfnisse sprechen und die Fähigkeiten und Unfähigkeiten der kleineren Geschwister erklären. Eltern nehmen Zündstoff aus der Geschwisterbeziehung, wenn sie die individuellen Bedürfnisse ihrer Kinder kennen und auf sie eingehen. Eltern sollten nicht zu viel Vernunft vom ältesten Kind verlangen und mit den Kleineren nicht zu nachsichtig sein. Rivalität um die Eltern lässt sich gut vermeiden, indem die Eltern auch mal Zeit mit den Kindern allein verbringen. Eltern sollten genügend geschwisterfreie Zeiten und Rückzugsorte schaffen. Zudem sollten keine Vergleiche unter den Kindern gezogen oder ein Kind spürbar bevorzugt werden.

So sollten sich Eltern verhalten:

  • Möglichst wenig einmischen. Kinder lernen meist schnell, ihre Probleme selbst zu lösen.
  • Kleinkinder bis zum Alter von drei Jahren brauchen allerdings die Unterstützung der Eltern beim Konfliktlösen.
  • Niemals einen Richter spielen, eher einen Mediator und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten suchen.
  • Streitgründe hinterfragen: Es geht in der Regel nicht um die rote Tasse oder das grüne Spielzeugauto, sondern die Kinder haben ein anderes Problem, mit dem sie gesehen werden möchten.
  • Einschreiten bevor es zu Gewalt kommt. Die Kinder räumlich trennen.

Eltern dürfen Geschwisterbeziehungen nicht idealisieren und müssen gewisse Geschwisterstreits akzeptieren: Eltern sollten sich vom Bild der sich immer liebenden und harmonisch zusammenlebenden Geschwistern verabschieden. Es gibt nun mal Konflikte unter Kindern und die müssen ausgetragen werden. Und schließlich haben Eltern selbst nicht immer friedlich mit ihren Schwestern und Brüdern zusammengelebt, sondern auch mal miteinander gestritten.

Quelle: Heinke, Sabrina (2020): Ziemlich beste Geschwister. Weniger Streit, weniger Chaos, weniger Stress. Geschwister gelassen erziehen. Humboldt Verlag

Foto: Canva.com

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