So gelingt Stiefmüttern das Patchworkleben

von | 11. April 2016

Das Patchworkleben kann sich für Stiefmütter schwierig gestalten. Interview mit Susanne Petermann.

Stiefmutter TippsStiefmütter haben einen schweren Stand, einerseits ist von ihnen eine gewisse Zurückhaltung und Rücksichtnahme gewünscht, andererseits sind sie an dem Aufwachsen, der Erziehung und dem Alltag ihrer Stief- bzw. Bonuskinder oft maßgeblich beteiligt. Mit welchen Problemen Stiefmütter im Patchworkalltag zu kämpfen haben, beschreibt Autorin Susanne Petermann, selbst Stiefmutter dreier Kinder, in ihrem Buch Du hast mir gar nichts zu sagen!: Stiefmutter sein ist nichts für Feiglinge. Susanne Petermann befragte Hunderte von Bonusmamas zu ihren Problemen und Wünschen. Sie verrät uns, wo die Fallstricke liegen und wie man sie umschiffen kann.

Frau Petermann, mit welchen Herausforderungen haben Stiefmütter zu kämpfen?

Susanne Petermann: Auf jeden Fall mit anderen Herausforderungen als Frauen, die sich in einen Mann ohne Kinder verlieben. Es sind eben mehr Personen in diese neue Beziehung involviert als in anderen Beziehungen. Die Kinder, die Ex-Partnerin, eventuell deren neuer Partner und wenn es ganz schlimm kommt sogar das Jugendamt, Anwälte, Richter und Verfahrensbeistände für das Kind. Aber man sollte nicht vom Schlimmsten ausgehen. Eine neue Liebe ist immer auch eine Chance auf einen Neuanfang!

Zunächst sollten sie also lieben, nämlich ihren neuen Partner. Das ist (hoffentlich) kein Kampf sondern wunderschön. Einer Frau, die sich in einen Mann mit Kind verliebt, sollte nur klar sein, dass es nicht immer allen Beteiligten im Patchwork passt, wenn sie auf der Bildfläche erscheint.

Gerechtigkeit und Gleichbehandlung sind zum Beispiel immer ein wichtiges Thema. Ein wichtiger Grundsatz im Patchwork lautet daher, gerade wenn eigene und Bonuskinder unter einen Hut gebracht werden müssen, Mein Haus, meine Regeln. Oft sagen Kinder, bei Mama dürften sie aber noch fern schauen oder am Computer sitzen, daher wollen sie das bei Papa und Stiefmama auch. Nur, dass die Kinder, die immer bei Papa und Stiefmama wohnen maulig werden, wenn den Besuchern Dinge erlaubt werden, die ihnen verboten sind. Stellen Sie daher gemeinsam mit Ihrem Partner die Regeln auf, die für alle Kinder gelten.

Mein Tipp an frischgebackenen Stiefmamas: Wenn Ihr das Gefühl habt, alles läuft auf Eure Kosten, dann schluckt dieses Gefühl nicht runter. Ändert etwas und äußert Eure Bedürfnisse. Glaubt mir: Von allein wird im Patchwork wenig besser. Viele Frauen neigen dazu, sich anfangs sehr zurück zu nehmen, sich komplett für die Kinder und den Mann aufzuopfern „weil die es doch so schwer haben“. Das kommt irgendwann wie ein Boomerang zurück. Nehmt Euch Euren Freiraum, sorgt für Euch.

Der schwierige Umgang mit den Ex-Frauen scheint ein Hauptproblem von Stiefmüttern und Zweitfamilien zu sein, wie ist das zu erklären?

Susanne Petermann: Da kommen oft viele Faktoren zusammen. Neid, Eifersucht, Angst, die Kinder an die Neue zu verlieren. Probleme haben oft wenig mit der neuen Partnerin zu tun, viel mehr mit der nicht aufgearbeiteten Trennung der Eltern. Eine Exfrau, die noch nicht mit der Beziehung abgeschlossen hat, oder den Vater ihres Kindes für alles Elend dieser Welt verantwortlich macht, handelt manchmal völlig irrational. Dazu kommt, dass der Gesetzgeber den Müttern – aus Sicht der Stiefmutter – viel mehr Machtinstrumente in die Hand gibt als den Vätern. Das heizt die Stimmung zusätzlich auf. Viele vergessen dabei völlig, dass die Kinder immer Mama UND Papa lieben und es für sie sehr schwer ist, wenn die Eltern Krieg führen.

Hier gibt es eigentlich nur eines: Kommunikation. Zwischen den Eltern, zwischen den Frauen. Versuchen Sie Ihre Vorgängerin und deren Ängste zu verstehen. Versuchen Sie zu verzeihen und zu verstehen. Das dauert oft recht lange. Im Patchwork geht man von fünf bis sieben Jahren aus, bis eine Beziehung richtig zusammen gewachsen ist.

Leider gibt es aber auch Exfrauen, die mit Fug und Recht “ELSE” (Extrem Lernresistente Schwerumgängliche Exfrau) genannt werden können. Bei ihnen ist Hopfen und Malz verloren. Dann rate ich einer Stiefmutter, sich, so gut es geht, aus der Schusslinie zu nehmen und Angriffe an sich abperlen zu lassen.

Was empfehlen Sie Stiefmüttern im Umgang mit der Ex-Frau?

Susanne Petermann: Versuch macht klug. Gehen Sie aufeinander zu, als ob Sie eine neue Kollegin kennen lernen. Freundlich, ohne Vorbehalte. Vielleicht werden Sie gute Freundinnen, vielleicht auch nicht. Egal was kommt: Behalten Sie Queen Mum im Hinterkopf. Seien Sie freundlich und höflich. Umschiffen Sie strittige Gesprächspunkte, bleiben Sie nett und lächeln Sie. Und zur Not trinken Sie am Ende des Tages ein Gläschen Gin.

Aber im Ernst. Nicht jede Exfrau ist ein Teufel. So, wie auch nicht jede Stiefmutter böse ist. Wenn sich beide aufeinander zu bewegen, können sie sogar richtig gut miteinander klar kommen.

Was können Trennungsväter tun, um der neuen Partnerin das Leben als Bonusmama zu erleichtern?

Susanne Petermann: Viel. Sie sind der Dreh-und Angelpunkt. Haben Sie die Trennung nicht verarbeitet und setzen sie keine Grenzen, kann es mit der Ex schwer werden. Stellen sie ihren Prinzen oder ihre Prinzessin auf einen übergroßen Altar, kann es mit den Kindern schwer werden. Dann kommt die Ansage: „Du hast mir gar nichts zu sagen“ so sicher, wie das Amen in der Kirche.

Manche Männer mutieren auch zu einer Art Vogel Strauß. Sie versuchen es der Ex ständig recht zu machen, wollen ihre Kinder am Wochenende nur verwöhnen und werden dadurch letzten Endes zu einer Art Marionette, die von Mama+Kind dirigiert wird. Die Stiefmutter erkennt das schnell, der Vater dagegen weigert sich oft, etwas daran zu ändern. Entweder aus Bequemlichkeit oder aus Angst, seine Kinder dann womöglich nicht mehr sehen zu dürfen.

Vater sein heißt aber nicht, rund um die Uhr Wunscherfüllung zu betreiben. Werte lassen sich nicht durch Geld vermitteln. Nur durch Zuwendung, Vorleben und Präsenz. Wenn Väter das erkennen, die neue Frau dann noch liebevoll bei ihren Kindern einführen, hat diese große Chancen auf einen guten Start.

Wie kann eine Stiefmutter eine gute Beziehung zu ihrem Stiefkind aufzubauen?

Susanne Petermann: Indem sie ehrlich ist, sich nicht verstellt (das merken Kinder schnell) sich nicht anbiedert (merken sie ebenfalls schnell) und sich auch nicht unterwirft (das kann zu einer bösen Falle werden). Hören Sie zu, schauen Sie liebevoll hin. Gestehen Sie den Kindern zu, dass die sich erst einmal an die neue Situation gewöhnen müssen. Lassen sie Papa und Nachwuchs auch exklusive Zeit, die brauchen sie nämlich auch. Genauso, wie Sie exklusive Zeit mit Ihrem neuen Partner brauchen.

Was ändert sich, wenn die Patchworkeltern gemeinsamen Nachwuchs bekommen?

Susanne Petermann: Wenn man das alles voraussagen könnte, wäre die Patchwork-Welt einfacher. Es kann sein, dass sich kaum etwas ändert, die Familie eben nur etwas größer wird. Es kann aber auch zu Eifersüchteleien kommen. Sowohl bei der Ex, die vielleicht überlegt, ob Papa noch vollen Unterhalt zahlen wird, als auch bei den Kindern, die vielleicht Angst davor haben, das Geschwisterchen könnte für Papa wichtiger sein. Hier hilft nur offenes miteinander reden und seine Bedürfnisse klar machen.

Welche Tipps haben Sie für den Einstieg ins Patchworkleben?

Susanne Petermann: Vermeiden Sie die Bestechungs-Fallstricke. Das sind Zuwendungen, die Sie den Kindern extra geben, um sie zu entschädigen, dass es einen neuen Partner gibt. Klingt vielleicht erst einmal seltsam, aber wenn man ehrlich zu sich selbst ist, kennt man das. Das Extra-Eis, weil Papa lange mit der Neuen telefoniert hat, die Extra-Ausgehzeit des Pubertiers, weil Mama Herrenbesuch hat. Akzeptanz kann man nicht kaufen. Im Zweifel werden die Forderungen der Kinder immer größer. Lassen Sie sich nicht erpressen, in der Hoffnung, dass Ihre Kinder Ihren neuen Partner dann akzeptieren.

Mischen Sie sich nicht zu sehr in die Erziehung des anderen ein, aber lassen Sie Ihren Partner auch nicht mit seinen Ansichten außen vor stehen. Schließen Sie Ihren neuen Partner aus Ihrer kleinen Trennungsfamilie aus, wird es für ihn schwierig. Tauschen Sie Ihren Ex-Partner einfach gegen Ihren neuen Partner aus, soll der/die Neue also einfach eine Neubesetzung der Vater/Mutterrolle sein, wird es für die Kinder schwierig.

Nehmen Sie sich Zeit, einander kennen zu lernen, anschließend Zeit, die Kinder einzubeziehen. Mit der weiteren Familienplanung (ok, nicht immer ist alles planbar) warten Sie vielleicht bis Ihr Patchwork auf wirklich sicheren Füßen steht.…

Vielen Dank!

Weitere Tipps und Unterstützung finden Sie auf Susanne Petermanns Stiefmutterblog sowie in Susannes Facebookgruppe Stiefmutter – Austausch und Probleme. Susannes Buch mit vielen Erfahrungsberichten und Ratschlägen können Sie hier bestellen:

Foto: S.Kobold – Fotolia.com

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