Erziehung: Schimpfen schadet Kindern

von | 5. November 2013

Auswirkungen von Schimpfen auf die Entwicklung von Kindern. So gelingt die Erziehung Ihres Kindes ohne Schimpfen.

Schimpfen schadet KindernDas Verhalten von Kleinkindern wird alle 3 bis 9 Minuten korrigiert und im Supermarkt werden Kinder sogar mehrmals pro Minute geschimpft oder bestraft. Stellen Sie sich mal vor, Ihr Partner würde so mit Ihnen umgehen – wäre das nicht schrecklich? Kinder müssen schon arg auf Durchzug schalten, damit ihnen mit der ständigen Schimpferei nicht der Kragen platzt. Der Kopenhagener Pädagoge Erik Sigsgaard beschäftigt sich mit den Auswirkungen, die Schimpfen auf die kindliche Entwicklung haben.

Wann schimpfen Eltern ihre Kinder?

Kinder werden geschimpft wenn sie körperlich aktiver sind als die Eltern es möchten, wenn ihre Handlungen gegen Regeln verstoßen, wenn Kinder ihren Willen durchsetzen wollen, die Erwartungen der Eltern nicht erfüllen, wenn sie fragen oder stören. Kinder können die Schimpferei oft nicht nachvollziehen, da ihr Blickwinkel anders ist: Sie sollen sich doch bewegen, sich für Dinge interessieren und selbständig sein…. Deshalb werden Kinder traurig und weinen, wenn sie gescholten werden. Das setzt häufig einen Teufelskreis in Gang, denn sobald Kinder weinen, werden sie noch mehr – oder sogar fürs Weinen – geschimpft!

Schimpfen: Folgen für das Kind

Das Gefühl von Vertraulichkeit und Nähe zwischen Eltern und Kind leidet wenn geschimpft wird. Die Eltern entwickeln ein negatives Bild von ihrem Kind, da sie das Augenmerk zu sehr auf das vermeintliche kindliche Fehlverhalten lenken. Das Kind wird nur noch mehr gescholten und bekommt ein schlechtes Gewissen. Es fühlt es sich als „schlechtes Kind“ und schämt sich – vor allem wenn es in der Öffentlichkeit geschimpft wird. Menschen, die sich häufig schämen mussten, werden wütend und feindselig. Stellen Sie sich bitte vor, Ihr Partner würde sie vor anderen Menschen zurechtweisen….
Schimpfen wirkt sich negativ auf den Lernprozess von Kindern aus. Sie verlieren ihren Enthusiasmus, ihr Konzentrationsvermögen und ihre Ausdauer. Eine liebevolle Kommunikation zwischen Eltern und Kind ist die beste Intelligenzförderung, so die Psychologen Elsbeth Stern und Aljoscha Neubauer. Kinder, denen z.B. nicht befohlen wird „Geh sofort ins Bett, sonst passiert was!“, sondern wählen dürfen, ob sie lieber gleich ins Bett möchten oder noch etwas vorgelesen bekommen, haben ein besseres Aufmerksamkeitsverhalten.

Schimpfen hat mir doch auch nicht geschadet!

Schimpfen ist erniedrigend, schmerzhaft und schafft Abstand. Da Kinder vom Wohlwollen ihrer Eltern abhängig sind, verliert ein gescholtenes Kind den Halt und bekommt Angst. Deshalb verdrängt es die Schimpferei. Wenn Erwachsene Strafen, die sie als Kind erlebt haben, positiv darstellen, ist das nichts anderes als die Verdrängung ihres negativen Gefühls, so Sigsgaard.

Erziehung ohne Schimpfen

Wer seinem Kind vertraut und von guten Absichten des Kindes bei einem Missgeschick ausgeht, kann sich einige Schimpforgien sparen. Geben Sie Ihrem Kind Raum für seine negativen Gefühle und geben Sie Ihrem Kind Zeit, denn Kinder können sich nicht beeilen. Unternehmungen mit Kindern, die allen Familienmitgliedern gefallen, helfen Konflikte zu meiden. Stellen Sie sich die Fragen „Wie möchte ich als Mama oder Papa von meinem Kind wahrgenommen werden?“, „Wie wirke ich auf mein Kind?“ und „Wie ging es mir mit meinen Eltern – was machte mich glücklich oder traurig?“

Vielleicht zählen Sie mal mit, wie oft Sie Ihr Kind zurechtweisen und legen daraufhin einen schimpffreien oder schimpfarmen Tag ein. Es kommt immer auf den Ton an, in dem Kindern erklärt wird, dass sie nicht hauen, schubsen oder zwicken dürfen. Solch ein Verhalten muss natürlich angesprochen und kanalisiert werden. Ein solch „problematisches Kind“ ist ein Kind mit Problemen und Eltern und Erzieher sollten überlegen, wie sie die Probleme des Kindes lösen können. Wenn zum Beispiel ein Kleinkind bei Rot mit seinem Laufrad über die Ampel fährt, kann es meiner Meinung nach sinnvoll sein, ihm das Laufrad wegzunehmen und es erst in sicheren Gefilden wieder fahren zu lassen. Kinder müssen liebevoll und ohne ihnen Vorhaltungen zu machen vor Gefahren bewahrt werden. Größeren Kindern, die ihre Grenzen kennenlernen möchten, suchen dazu gerne die Auseinandersetzung mit ihren Eltern. Ich finde, das ist ein wichtiger Entwicklungsprozess und genauso wichtig ist es, dass die Eltern zwar Verhandlungsbereitschaft zeigen, aber dem Kind Struktur vermitteln und natürlich von wichtigen Prinzipien nicht abweichen. Das gilt für kleine Dusch- oder Zahnputzverweigerer genauso wie für Jugendliche, die zu einer dubiosen Party möchten. Dabei nicht zu schimpfen, sondern das Kind zu loben kann Wunder wirken! Und es schadet auf keinen Fall, denn es gibt keine Studie, die eine positive Wirkung von Schimpfen hätte nachweisen können. Und es gibt keine Studie, in der Herzlichkeit als Grund für asoziales Verhalten identifiziert werde konnte.

Quelle:  Sigsgaard, Erik (2012): Schimpfen? Es geht auch anders! RGV, Dörfles
Stern, Elsbeth/ Neubauer, Aljoscha (2013): Intelligenz: Große Unterschiede und ihre Folgen. DVA, München

Bild: © トラノスケ – Fotolia.com

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