Erziehung: Bestrafen und Belohnen

von | 17. Oktober 2017

Viele Eltern sind verunsichert, ob Strafen und Belohnungen geeignete Erziehungsmethoden sind. Pädagogen raten inzwischen davon ab.

Belohnung

Galten vor einigen Jahren noch positive und negative Verstärkung als wirkungsvolle Mittel in der Kindererziehung, raten Erziehungsexperten wie der dänische Familientherapeut Jesper Juul oder der spanische Kinderarzt Carlos Gonzáles in ihren Büchern und in Interviews inzwischen immer mehr davon ab. Sie halten Bestrafungen und Belohnungen für die falschen Instrumentarien zur Verhaltensänderung beim Kind und setzen diese mit einem Machtmissbrauch gleich. Das fängt bei der Ohrfeige an, die als Körperverletzung in Zusammenhang mit der Gefährdung des Kindeswohles dient, und hört beim Gummibärchen fürs brave Kind auf.

Strafen geben oder Konsequenzen ziehen?

Strafen können vielfältig ausfallen: Abwertungen, Einschüchtern, Hausarrest, Verbote, das Streichen von Vorrechten (Dessert, Fernsehen, Besuch beim Freund usw.) oder der Entzug von Dingen (Spielsachen, Computer etc.)… Auch die körperliche Züchtigung gehört leider immer noch dazu, obwohl es hierzulande eine Straftat ist! Solche Strafen sind meistens willkürlich und stehen oft in keinem direkten Zusammenhang mit „der Tat“: Ein Kind will nicht aufessen und darf deswegen nicht fernsehen. Wenn Eltern hingegen Konsequenzen ziehen, hat ein Verhalten des Kindes vernünftige Folgen. Das Kind bekommt die Chance, darüber nachzudenken, das Problem einzusehen und entsprechend zu handeln. Wenn es zum Beispiel die Mütze im Winter nicht aufsetzen will, kann es nicht raus, da es sonst krank wird. Wichtig ist dabei immer, dem Kind die Konsequenz zu erklären. Nur so lernt es, das zu verstehen.

Belohnen als Erpressung

Viele Eltern versuchen verzweifelt, Verhaltensänderungen beim Kind durch Belohnungen zu erreichen. Wenn das Kind etwas gut gemacht hat, darf und soll es natürlich würdig gelobt und auch mal dafür spontan belohnt werden. Ein Kind, das zum Beispiel auf seinen kleinen Bruder aufpasst, bei der Hausarbeit hilft oder morgens nicht rumtrödelt, macht das, weil es den Alltag erleichtert und es in der Familie normal ist, sich gegenseitig zu helfen und füreinander da zu sein. Dann ist es durchaus angebracht, das Kind zu loben, ihm zu danken und sich vielleicht mal mit einer Kleinigkeit erkenntlich zu zeigen. Ein Kind, das für Babysitten, Hausarbeit etc. eine Belohnung versprochen bekommt, hat zunächst die Belohnung vor Augen und sieht die Hintergründe vielleicht gar nicht. Experten wie Jesper Juul oder Carlos González sehen Belohnungen kritisch, denn sie wirken oftmals erpresserisch und können gleichzeitig eine Strafe sein. Der Satz „Wenn du eine gutes Zeugnis nachhause bringst, bekommst du ein Smartphone“ bedeutet genauso „Wenn du kein gutes Zeugnis hast, kriegst du als Strafe kein Smartphone“. Bei der Erpressung geht es immer um wenn – dann: Wenn du beim Einkaufen brav bist, dann bekommst du Gummibärchen. Abgesehen davon, dass Gummibärchen wirklich schlecht fürs Kind sind, werden Gummibärchen als Positives dargestellt, um derentwillen (!) es sich lohnt, brav zu sein und nicht, weil man sich einfach gut benimmt. Ferner suggeriert die Belohnung dem Kind, dass die Eltern nicht darauf vertrauen, dass sich das Kind von sich aus gut benimmt, sondern Anreize dafür braucht und das Kind gewöhnt sich natürlich daran, ständig belohnt zu werden – kann natürlich auch die Eltern damit erpressen…

Belohnung und Lob

Selbstverständlich sollen Kinder gelobt und mit Liebe überschüttet werden. Schließlich wollen Kinder geliebt werden, trotz ihrer Fehler und ihrem schlechten Verhalten ab und an. Letzteres kann auch ein Schrei nach Aufmerksamkeit sein. Lob ist in gewisser Weise die verbale Form der Belohnung. So lernen Kinder, dass ihr Verhalten richtig ist und die größte Belohnung für Kinder ist einfach die Anerkennung seiner Eltern. Kinder können sich durchaus gut benehmen, wenn sie dafür nicht belohnt werden. Aber es tut ihnen gut, dafür gelobt und geküsst zu werden! Übrigens erleichtern feste Regeln und Rituale den Kindern positives Verhalten. Eine allzu lockere Art der Erziehung und wankelmütige Eltern verunsichern das Kind. Ein fest gesteckter Rahmen gibt dem Kind hingegen die Möglichkeit, sich in diesem geschützten Bereich möglichst frei zu entwickeln.

Lies dazu auch: Schimpfen schadet Kindern

Foto: Monkey Business – Fotolia.com

1 Kommentare

Andreas

18. Oktober 2017 um 14:25 Uhr

Bestrafen und Belohnen
Das als Kind gelernte Verhalten geht in der Beziehung weiter. Wenn du den Müll raus bringst, gibt es heute Abend vielleicht Sex.

Antworten auf Andreas

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