Das Konsumverhalten von Kindern

von | 13. Januar 2021

Kinder sind eine Zielgruppe der Werbung: Wünsche werden geschürt, unreflektiertes Konsumverhalten gefördert, aber kindliche Bedürfnisse oft übersehen.

SpielzeugladenKinder sind für die Wirtschaft leichte Beute: Werbung setzt Kindern Wünsche nach unnötigen Dingen in den Kopf. Sie fühlen sich defizitär, wenn sie das neueste Spielzeug, Smartphone usw. nicht besitzen. Ferner tragen Gruppenzwang und mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensatorischem Konsumverhalten und Kaufsucht bei. Dabei brauchen Kinder weniger, als ihnen die verheißungsvolle Warenwelt suggeriert.

Ökonomische Sozialisation bei Kindern

Kinder müssen einen vernünftigen Umgang mit Geld lernen. Leider steht ökonomische Sozialisation in Familien und in der Schule häufig nicht auf dem Programm. In Familien wird nicht offen über Geld gesprochen und der Lehrplan sieht das Thema meist gar nicht vor, dabei ist dieses wichtig. Kinder entwickeln im Alltag Handlungsmuster und Gewohnheiten, die ihren späteren Lebensstil prägen. Außerdem brauchen Kinder – spätestens, wenn sie Taschengeld bekommen – praktische Erfahrungsmöglichkeiten und jemanden, der sich mit ihnen konstruktiv über das Thema „Kaufen“ auseinandersetzt.

Konsumwünsche von Kindern

Dass Kinder Wünsche haben, ist normal und sehr schön, denn so können sie vom neuen Spielzeug träumen und ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Vorfreude ist oft die schönste Freude und echte Herzenswünsche erfüllt zu bekommen, macht Kinder glücklich. Diese Wünsche können ganz bescheiden ausfallen und den tatsächlichen kindlichen Spielbedürfnissen entsprechen, so lange Kinder möglichst unbeeinflusst von Werbung und Gruppenzwang sind. Das ständige Fragen Erwachsener vor Weihnachten, Geburtstagen usw. „Was wünscht du dir denn alles?“ kann übrigens ein unangemessenes Wunschverhalten von Kindern befeuern und die feierlichen Hintergründe der Feste rücken in den Hintergrund.

Wachsende Konsumorientierung bei Kindern

Zur Freude der Wirtschaft ist die Konsumorientierung von Kindern gewachsen. Dafür können Kinder nichts. Sie durchschauen die Mechanismen der Werbewirtschaft nicht und Konsumverhalten wird ihnen von Erwachsenen in ihrem Umfeld vorgelebt. Die Anhäufung von Besitz und Wohlstand, das Zurschaustellen von Statussymbolen ist kräftig ausgeprägt und bereits Kinder definieren sich über ihre Neuerwerbungen.

Kompensatorischer Konsum

Prall gefüllte Familienwohnungen und Kinderzimmer bedeuten für viele dennoch eine Leere: eine innere Leere. Viel Konsum ist kompensatorisch, der füllen soll, was fehlt: Selbstbewusstsein, Anerkennung, Aufmerksamkeit, Wärme, eine intakte Familie oder Zeit. Kompensatorischer Konsum soll auch einen niedrigeren sozialen Status ausgleichen. Das wird Familien mit geringem Einkommen durch Kredite oder Ratenzahlungen leicht gemacht. Verschuldung wegen unnötiger Konsumgüter ist verbreitet und Kinder übernehmen häufig dieses Verhalten.

Bedürfnisse und Wünsche bei Kindern

Kinder können nicht zwischen Wunsch und Bedürfnis unterscheiden. Dazu benötigen sie die Hilfe ihrer Eltern. Ein Bedürfnis muss befriedigt werden, einen Wunsch kann man aufschieben. Kinder haben ein Bedürfnis nach Geborgenheit, Liebe und Aufmerksamkeit. Werden diese Bedürfnisse erfüllt, ist das Kind gestärkt, selbstbewusst und kann kritisch mit Wünschen umgehen. Unerfüllte Bedürfnisse stimulieren den Wunsch nach Konsum als Ersatzbefriedigung. Eltern, die Wünsche und Bedürfnisse nicht unterscheiden, erfüllen ihren Kindern zu viele Wünsche und stehen ständig fordernden Kindern gegenüber. Diese Kinder wollen immer mehr, da ihr eigentliches Bedürfnis nicht gestillt ist. Diese Situation ist fatal, denn Eltern halten ihr Kind für undankbar und unzufrieden. Das Kind fühlt sich dennoch leer und wertlos.

Kinder und Minimalismus

Der Verzicht auf unnötige Dinge hat viele Vorteile. Kinder mit wenigen Spielsachen sind oftmals zufriedener, passen besser auf ihre Sachen auf und ziehen ihren Selbstwert eher aus Nicht-Materiellem. Sie sind häufig kreativer und haben mehr Zeit, da sie ihr Kinderzimmer schneller aufräumen und ihre Sachen gut finden. Minimalistisch lebende Kinder sind oft entspannter – sie müssen auf weniger aufpassen, ihre Spielsachen nicht ständig vor kleineren Geschwistern in Sicherheit bringen, sich weniger über kaputte Dinge ärgern usw. Ein familiäres Klima, in dem Einschränkung und Minimalismus bewusst praktiziert werden, fördert innere Stärke und die Fähigkeit, gezielt auszuwählen. Verzicht und etwas aufschieben können, bildet bei Kindern seelische Strukturen aus, die sie brauchen, um Krisen zu bewältigen. Spätestens wenn Kinder finanziell auf eigenen Beinen stehen und für ihre Sachen arbeiten und sparen müssen, sollten sie unnötigen von nötigem Konsum unterscheiden können.

Tipps für Familien

So lernen Kinder vernünftigen Umgang mit Geld und nachhaltigen Konsum:

  • Mit den Kindern überlegen, wofür sie Geld ausgeben möchten.
  • Erkunden, was hinter den Wünschen steckt (Gruppendruck, Kompensation…).
  • Nachhaltigkeit thematisieren: Wie wurde das Produkt hergestellt, sind bedenkliche Inhaltsstoffe enthalten, ist das Ding langlebig,
    kann es repariert werden oder liegt ihm geplante Obsolenz zugrunde, gibt es das Produkt gebraucht?
  • Folgekosten berechnen: Strom, Batterien, Zubehör usw.
  • Wichtigste Frage ans Kind: Macht dich dieser Gegenstand glücklicher als du es jetzt bist?

Foto: Canva.com

 

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