Mondpapas – Kinder mit abwesenden Vätern

von | 13. Mai 2015

Kinder mit abwesenden Vätern leiden und besonders Jungen zeigen Verhaltensauffälligkeiten, wenn der Kontakt zum gleichgeschlechtlichen Elternteil fehlt.

MondpapasFür eine ideale Entwicklung brauchen Kinder möglichst Vater und Mutter, so das Ergebnis einer Studie über abwesende Väter in Australien, die unter der Mitwirkung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung durchgeführt wurde. Vor allem Jungs leiden, wenn der Vater (häufig) abwesend ist. Ihnen fehlt ein männliches Vorbild. Aber auch Mädchen brauchen einen Papa.

Väter sind wichtig für die Entwicklung der Kinder

Es gibt die vielfältigsten Gründe, warum ein Vater nicht (ständig) für sein Kind da ist: Fernbeziehungen, getrennte Wohnungen oder getrennte Leben, Krankheit des Vaters, Desinteresse des Vaters etc. Kinder lieben grundsätzlich beide Elternteile und fühlen sich ihnen verbunden. Auch wenn wir heutzutage nicht mehr in den alten Rollenklischees gefangen sind, so präsentieren Männer und Frauen doch ihre ganz eigenen Seiten. Kinder und vor allem Jungs, die (überwiegend) ohne ihren Papa leben, zeigen mehr Verhaltensprobleme. Bei Jungen sind die Auswirkungen eines abwesenden Vaters auffälliger, da ihnen schlichtweg die Interaktion mit einem gleichgeschlechtlichen Elternteil fehlt. Jianghong Li, die Leiterin der eingangs erwähnten Studie betont bei Deutschlandfunk online, dass gemeinsame Unternehmungen für das Verhältnis von Vater und Sohn wichtig sind. Angeln, Camping oder sich austoben können Jungs mit dem Papa einfach besser. Durch körperliche Aktivitäten werden sie Energie los. Dabei sind typische Jungs- und Mädchenaktivitäten für Jianghong Li keine Klischees. Vielmehr spricht sie von geschlechtsspezifischen Bedürfnissen, welche die Eltern bedienen sollten. Und Mütter haben einfach andere Interessen als Väter, Mädchen interessieren sich häufig für etwas anderes als Jungs. Kaum eine Mutter bleibt vor dem Supermarkt bei einem Motorrad stehen und bestaunt dieses ausgiebig mit ihrem Sohn. Ein Vater würde das schon eher machen und wüsste vielleicht auch etwas Spannendes über den Feuerstuhl… Väter sind aber auch wichtig für die Entwicklung von Mädchen. Schließlich ist der Papa der erste und wichtigste Mann, mit dem sie sich auseinandersetzen. Er zeigt ihnen eine andere Perspektive auf die Welt als die Mama. Und schließlich lernen alle Kinder von Vater und Mutter etwas darüber, wie man als Erwachsene miteinander umgeht, egal ob die Eltern sich lieben oder getrennt sind.

Mit Kindern über den abwesenden Papa sprechen

Für Mütter kann es schwer sein, über den abwesenden Vater zu sprechen, wenn Wut, Trauer oder Enttäuschung im Spiel sind. Manche Kinder wissen, warum ihr Papa nicht da ist, wiederum andere Kinder wissen das nicht oder verstehen die Situation einfach nicht. Für die psychische Gesundheit und für die Identitätsfindung ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Wurzeln sehr wichtig, so die Familienhelferin Regina Deertz. Deshalb rät die Autorin des Buches „Mondpapas“ (Mabuse-Verlag), mit Kindern über den abwesenden Papa zu sprechen. Das Wissen um beide Eltern ist einfach ein Teil des Kindes. Indem mit den Kindern über abwesende Väter gesprochen wird, ersparen wir ihnen eine oftmals lebenslange und anstrengende Suche nach ihrem Vater. Je nach Lebenssituation sollte den Kindern erklärt werden, warum ihr Papa hinterm Mond lebt. Vielleicht ist er in einem anderen Land, vielleicht hat er inzwischen eine neue Familie, vielleicht kann er sich aus psychischen Gründen gerade nicht um sein Kind kümmern, vielleicht ist aber auch alles ganz anders… Wichtig ist, dem Kind Raum zum Sprechen zu geben, aber auch Raum zum Schweigen über den Vater. Jedes Kind sollte wissen, dass es nichts für seinen Mondpapa kann und dass es viele Kinder mit Mondpapas gibt. Das hilft dem Kind, sich nicht ganz so ungewöhnlich zu fühlen. Wer Schwierigkeiten hat, mit seinem Kind über den abwesenden Vater zu sprechen, dem sei das Buch „Mondpapas“ als Hilfestellung ans Herz gelegt.

Hat Ihr Kind auch einen Mondpapa? Erzählen Sie doch mal, wir freuen uns auf Ihren Kommentar!

Mehr über die Rolle des Vaters in der Kindheit erfahren Sie hier

Foto: Sparkler – Fotolia.com

1 Kommentare

Sue

25. Februar 2016 um 20:30 Uhr

Meine Kinder wachsen mit einem ‘Mondpapa’ auf, der sich 2 Jahre gar nicht gekümmert und gemeldet hat. Sie erleben viele nicht eingehaltene Versprechen und immer wieder die Fragestellung in sich, warum sie denn ab und zu doch zu ihm fahren, wenn auch dort kaum Interesse an ihnen erlebbar ist. Zum Jahreswechsel wurde der Kontakt wiederbelebt. Meine Kinder (Grundschulalter) haben inzwischen die Fähigkeit entwickelt, ihre Sorge zu formulieren, daß ein erneuter Besuch nach langer Zeit gleichzeitig ein Neuanfang und ein neues Ende sein könnte. Davor kann ich die Kinder leider nicht bewahren – obgleich ich sehr viel Energie aufbringe, auch manches ‘väterliche’ Thema anzubieten: Draußen sein, körperlich aktiv werden, technische Fragen beantworten, schnitzen/werken, raufen etc. Zum Glück habe ich daran ein natürliches eigenes Interesse. Vollständiger Ersatz ist es natürlich nicht. Doch auch im Freundeskreis kann nicht vorausgesetzt werden, daß dort vorhandene Männer/Väter diese Rolle mit übernehmen. Daher wünsche ich allen betroffenen Frauen=Müttern die Bereitschaft und Kraft, sich mancher Themen doch anzunehmen. Was ist dabei, einen Bagger oder ein Motorrad etc. anzuschauen und jemanden dazu etwas zu fragen?? Schiefe Blicke sind mir schon lange egal: Wenn ich mit meinem kleinen Sohn zwei Stunden an der Baustelle saß und zugeschaut habe, dann war es eben so. Wir haben dabei viel erlebt und gelernt!! 🙂

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