Sephora Kids: Beauty-Wahn bei Kindern

von | 28. August 2025

Kleine Mädchen kaufen teure Kosmetik und posten Beauty-Videos von sich. Was steckt hinter diesem Trend und wie sollten Eltern reagieren?

„Get Ready with Me“-Videos finden sich zuhauf bei Tiktok und Instagram. Bereits Mädchen im Grundschulalter haben Accounts, auf denen sie Beautytipps teilen: Sephora Kids. Sie kaufen überteuerte, unnötige Pflegeprodukte, Make-up und stylen sich für ihre Follower. Experten warnen: diese Mädchen spielen nicht mit Puppen, sie werden zu Puppen.

Definition Sephora Kids

Den Namen “Sephora Kids” bekamen sie offenbar von den Mitarbeitern der Parfümerie- und Kosmetikkette „Sephora“, da sie häufig in Grüppchen Produkte testen, dabei ziemlich laut sind und beim Shoppen ein regelrechtes Chaos in den Filialen hinterlassen. Diese Kinder sind wahre Experten, was Cremes, Feuchtigkeitsmasken, Mascara und Lipgloss anbelangt. Sie wissen, was Mischhaut ist, wie sich Augenschatten abdecken lassen und wie kindliche Lippen so geschminkt werden, dass man viel älter aussieht.

Kosmetik für Kinderhaut?

Ein klares Nein! Kinderhaut braucht in der Regel keine Pflege, denn sie schützt sich selbst. Wenn Kinder gut ernährt werden und gesund sind, ist es die Haut ebenfalls. Ist das Hautbild des Kindes auffällig, sollten sich Eltern an den Kinderarzt wenden. Kosmetik ist nicht nur unnötig, sondern sogar schädlich für Kinderhaut, da sie dünner und empfindlicher ist als bei Erwachsenen. Für die zarte Haut sind Inhaltsstoffe wie Glykolsäure, Parabene sowie künstliche Farb- und Duftstoffe ungeeignet. Sie können unter anderem zu Dermatitis, Akne oder langfristig zu Allergien führen. Die natürliche Hautbarriere wird dauerhaft gestört. Zudem kann die Haut durch Retinole und Peelings lichtempfindlicher werden.

Hintergründe des Schönheitskults

Diese Kinder empfinden sich oft als nicht hübsch genug und möchten zu einer Gruppe gehören, die vermeintliche Schönheitsfehler korrigiert. Sie stehen nicht zu ihrem natürlichen Erscheinungsbild. Verstärkt wird diese Haltung häufig von außen – wenn Bezugspersonen ähnlich kritisch mit dem Aussehen umgehen, starker Gruppenzwang herrscht, dem Kind zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt oder es sogar abgewertet wird. Mitunter handelt es sich nur um eine Phase, die wieder vergeht, dennoch kann sie Spuren in der Kinderseele hinterlassen.

Sephora Kids: psychische Folgen

Von der frühkindlichen Entwicklung bis zur Pubertät hat es schlimme Folgen auf Selbstbild und Selbstvertrauen, wenn Kinder darauf konditioniert werden, Fehler an sich selbst zu suchen. Der Druck, anderen gefallen zu wollen und einen bestimmten Stereotyp zu verkörpern, setzt oftmals eine Abwärtsspirale in Gang, denn da ständig neue Produkte für neue „Problemzonen“ auf den Markt kommen, scheint der Körper nie perfekt zu sein. Viele Mädchen konzentrieren sich zu stark auf ihr äußeres Erscheinungsbild und vernachlässigen dabei altersgerechte Interessen, die ihrer Entwicklung guttun – etwa Spielen, Malen, Lesen und Sport treiben. Zudem geben diese Kinder ihr Taschengeld oft vorrangig für Beautyprodukte aus und lernen nicht, für sinnvolle Dinge oder Unternehmungen zu sparen.

Tipps für Eltern

Eltern sollten ihren Kindern vermitteln, dass soziale Medien und Werbung kein realistisches Bild zeigen. Zugleich ist es wichtig, ein positives Konsumverhalten vorzuleben. Kinder müssen lernen, Wünsche von echten Bedürfnissen zu unterscheiden. Sinnvoll sind feste Regeln: Pflegeprodukte nur, wenn die Haut sie wirklich benötigt, in dem Fall Naturkosmetik ohne bedenkliche Inhaltsstoffe bevorzugen, Schminke an Karneval und Make-up erst ab einem bestimmten Teenageralter. Am wichtigsten ist es jedoch, das Kind in seinem Aussehen und in seiner Persönlichkeit zu bestärken und gemeinsam Interessen zu fördern, die nichts mit dem Beauty-Wahn zu tun haben.

Foto: depositphotos.com


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