Facebook: Wieviel Cyber-Stalking ist gut?

von | 25. Januar 2011

Wo fängt Cyber-Stalking an und wo hört es auf? Und wieviel will man eigentlich wirklich wissen über die Person, in die man verliebt ist?

“Die Nutzung kommunikativer Technologien ist inzwischen tief in das soziale Leben von Gruppen integriert und gewinnt Einfluss darauf, wie Menschen und Gruppen interagieren und ihr Umfeld beeinflussen.”

Das besagt also die aktuelle Studie The social side of the internet“.

In der Tat, auch mein Leben spielt sich quantitativ ansteigend virtuell ab. Einkaufen, klar bei Amazon, ebay oder Online-Shops der hiesigen Modemarken, die Freunde bei Facebook und die Männer? Ja, meine Lieben, da sind Sie hier richtig. Immer mehr Singles suchen in Online-Partnerbörsen, aber das ist für Sie, die Sie hier sind, ja nichts Neues mehr. Im Gegenteil, Sie gehören zu der Web-Elite, zu den Kulturoptimisten, zu den zukunftsträchtigen 62%, die im Netz Kontakte und Netzwerke aufbauen und pflegen.

Herzlichen Glückwunsch! Ihnen wird bestätigt, nicht nur sozial engagierter zu sein, sondern auch zukunftsfreudiger, informierter, organisierter. Und “auch in den Erhebungen der Bundesregierung erscheint das Internet zunehmend als äußerst wertvolles Werkzeug der sozialen Vernetzung” – so formuliert es der SPIEGEL.

Da auch das aber nichts Unbekanntes mehr für Sie sein wird, reden wir nun mal von der anderen Seite der Medaille: dem Cyber-Stalking. Stalken, das ist die Stiefschwester von Facebook, das ist der nervige Nachbar von XING & Co., der geifernde Voyer bei allen StudiVZs und der beste Freund bei den Online-Dating-Plattformen.

Mal ehrlich, liebe Leser, wer hat noch nicht jemanden im Netz gestalked? Und ist dabei von dem Musikgeschmack bis hin zu Fotos der Ex mit der potentiellen Stiefmutter gekommen? Hat den oder die Angebetete/n auf Sportevents bewundert oder auf Fetenbesäufnissen erwischt… und das alles natürlich incognito… denn zumeist weiß ja der oder die Andere gar nicht, was wir schon so alles über ihn wissen. Das ist dann auch das süffisante Geheimnis, was es zu bewahren gilt. “So, du magst also japanisches Fechten und hast Deine Comicsammlung gerade an deinen ehemaligen Mitbewohner verliehen?”

Tja, was Facebook so hergibt. Alles ist öffentlich, das sollte jedem Nutzer bewußt sein, zumindest, wenn man befreundet ist. Und das geht ja heutzutage ganz leicht. Mal ehrlich: mit wie vielen Freunden sind Sie bei Facebook befreundet, die Sie nicht mal kennen? Partyveranstalter hin oder alternative Musikgruppe her, es sind genug dabei, die eigentlich nur aus purem Narzißmus in der Freunde-Kategorie sind. Ist das nun Nachteil oder Vorteil, dass man alles über den Angebeten erfährt, ist man denn befreundet?

Man kann sich viel informieren und noch mehr darauf reimen. Und jeder tut es, nur keiner gibt es zu. Wie man auf einmal die Familienfotos und die Hochzeitserinnerungen wildfremder Menschen durchklickt, und das nur in der Hoffnung, ihn doch noch auf einem Schnappschuß zu entdecken, wie er vielleicht mit einer Frau tanzt… oder in der Jägerstellung, ein neues Detail des Angebeteten zu erhaschen, was einem weiteren vermeintlichen Aufschluß über seinen Charakter gibt.

Ein neues Profil-Bild mit zwei paar Füßen… oh Gott, hat er nun doch eine Freundin oder ist das die beste Freundin? Oh, er trägt privat schwarze Heavy Metal Band T-Shirts….? Hm, kann die anfängliche zarte und frische Verliebtheit diese Faux-Pas ausbalancieren? Er geht mit seinen Freunden ins Hooters? (für alle Frauen: muß man nicht kennen, nur wissen, dass in solchen amerikanischen Bier- und Burger-Ketten die Mädels in knapp-knapper-am-knappsten Bikini-ähnlichen Oberteilen mit gewaltigen Ober-Teilen und knappsten Unterteilen, also so was wie ein Ansatz von Rock oder Hot Pants, kellnern) Mögen wir dann so jemanden noch? Verrät uns der Digitale Fingerabdruck nicht doch schon zu viel über den vermeintlichen Traumprinzen? Sachen, die man lieber gar nicht erst heraus findet oder die sich vielleicht nur dann erst ertragen lassen, wenn sich das Männchen seine Chance auf das Date Nr. 2 verdient hat. Was kann man akzeptieren, was sind liebenswerte Marotten und was ist der harte Realitätsabgleich, der kalte Guß Wasser ins Gesicht?

Dass die Ex eigentlich ziemlich billo aussieht und angeklebte Plastikfingernägel hat, muss man das dann über sich ergehen lassen? Oder läßt man dann lieber die Finger von Mr. True-Love? Wie heißt es doch so schön im Volksmund, der Lauscher an der Wand hört seine eigene Schand. Und das, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist dann in gewisser Weise das leidige Erwachen aus dem Dornrößchen-Schlaf. Denn das ist die Schande des gläsernen Online-Menschen. Nun kann man nicht mehr sagen, man hätte es nicht gewusst. Weniger ist hier dann doch oft mehr.

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