Narzissmus und die 4 S
von Dr. phil. Sonja Deml | 18. August 2026
Narzissten gehen keine Beziehung aus Liebe ein, sondern wegen Status, Supply, Sex und Service. Was steckt hinter diesen Begriffen?

Narzissten vermitteln ihrem Flirtpartner zwar zunächst durch ihre Bemühungen, ihr gesteigertes Interesse bzw. Lovebombing, dass sie verliebt sind, doch eigentlich lassen sie sich aus anderen Gründen auf eine Paarbeziehung ein. Sie suchen nach den 4S: Status, Supply, Sex und Service.
Partner als Statussymbol
Je optisch attraktiver ein Partner, desto besser für den Narzissten. Am besten sollte der Traumpartner noch erfolgreich und vermögend sein und eine möglichst hohe gesellschaftliche Stellung innehaben. Ein tolles Auto, eine schicke Eigentumswohnung, ein akademischer Titel und finanzielle Großzügigkeit machen ihn umso interessanter. Doch der Partner wird für all diese Eigenschaften in erster Linie nicht bewundert, sondern er verhilft vielmehr dem Narzissten zu mehr Bewunderung. Er wertet dadurch seinen eigenen Status auf!
Narzissmus und Supply
Narzissten benötigen Supply, das heißt ihre narzisstische Zufuhr, ihre Nahrung, die ihr Selbstwertgefühl aufrechterhält. Ohne Supply fühlen sie sich noch minderwertiger und je mehr Supply sie erhalten, desto mehr steigt ihr fragiles Selbstwertgefühl. Narzissten haschen nach Aufmerksamkeit, Lob, Anerkennung, Bewunderung, Bestätigung usw. Diese Gefühle entstehen nur durch die Reaktionen anderer, positive Gefühle kommen kaum aus ihrem Inneren. Narzissten geben sich oftmals liebenswürdig. Aber sie werten andere auch ab, um sich selbst aufzuwerten. In narzisstischen Beziehungen werden Partner erniedrigt, gedemütigt, herabgesetzt, nicht ernst genommen, manipuliert und kontrolliert.
Sex in einer narzisstischen Beziehung
Die Sexualität eines Narzissten ist ein komplexes psychologisches Gefüge. Er lebt seine Sexualität nicht nur der gewöhnlichen Intimität und echter emotionaler Verbundenheit wegen aus. Die Sexualität dient eher zur Regulierung des Selbstwertgefühls. Er kontrolliert damit seinen und den Zustand seines Sexualpartners und Sex gibt ihm Bestätigung. Ein Narzisst demonstriert dadurch seinen Marktwert und seine Macht. Am Anfang einer Beziehung ist der Sex ziemlich leidenschaftlich, danach eher kontrollierend. Typischerweise wird Sex auch als Manipulationsinstrument benutzt, wenn es um Kontrolle oder die Beeinflussung der Beziehungsdynamik durch Sexentzug oder Forderung gewisser Sexpraktiken geht.
Narzissten möchten Service
Narzissten gehen Beziehungen ein, weil sie sich mehr Service davon versprechen. Schließlich gibt es nun einen Partner, der quasi stets zu Diensten ist und dem Narzissten seine Wünsche erfüllt. Das reicht von praktischen Tätigkeiten wie Hausarbeit, Kochen oder allgemeinen Versorgungsaufgaben über die Organisation des Alltags und finanzielle Unterstützung bis hin zur emotionalen Versorgung. Verläuft der Service nicht zur Zufriedenheit, dann kann der Narzisst den Partner manipulieren, indem er ihm ein schlechtes Gewissen macht, von Lieblosigkeit spricht, eine Szene macht oder sich zurückzieht. Der Partner wird in einer stark narzisstisch geprägten Paarbeziehung eher danach bewertet, welche Funktion er erfüllt. Er wird nicht um seiner selbst willen geliebt. Doch das merken die Partner oftmals gar nicht oder nur in ihrem Unterbewusstsein. Womöglich möchten sie es einfach nicht wahrhaben. Deshalb ist der Partner häufig verunsichert, glaubt den Vorwürfen und legt sich umso mehr ins Zeug, um seine Liebe zu demonstrieren. Ein Teufelskreis beginnt, der nur schwer zu durchbrechen ist…
Wichtig: Nicht jeder Narzisst oder Mensch mit narzisstischen Eigenschaften verhält sich genau nach diesem Modell. Es ist schwer, eine narzisstische Persönlichkeitsstörung zu „diagnostizieren“. Deshalb ist es in Verdachtsfällen sinnvoll, sich einem Experten anzuvertrauen.
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