FOMO & JOMO
von Dr. phil. Sonja Deml | 21. April 2026
„Fear of missing out“ hat eine Gegenbewegung, nämlich „Joy of missing out“. Warum haben manche große Angst, etwas zu verpassen und andere genießen es?

Die sozialen Medien umgeben uns quasi rund um die Uhr und manche Menschen saugen regelrecht alles auf, was dadurch auf sie einprasselt und haben sogar Angst, irgendetwas zu verpassen. Doch es gibt eine Gegenströmung: Rückzug aus den sozialen Medien und der bewusste, genussvolle Verzicht auf all die Infos. Was steckt jeweils dahinter?
Fear of missing out
FOMO ist die Abkürzung für „Fear of missing out“ und beschreibt das Phänomen des unbehaglichen Gefühls, spannende Events oder wichtige Infos zu verpassen, welche Social Media Nutzer posten. Diese User sind ständig auf Instagram, TikTok, Facebook und diversen anderen Kanälen online, um up to date zu sein. Dabei blicken sie nicht nur interessiert, sondern auch neidisch auf die tollen Events, perfekten Fotos und beeindruckenden Videos anderer. Sie zeigen oftmals sogar Anzeichen von Sucht, da es ihnen ohne die ständige Beschäftigung mit den Posts anderer nicht gut geht.
FOMO: die Ursachen
Neugierde ist kein neues Phänomen, wohl aber die Möglichkeit, völlig ungeniert ständig einen Blick ins Leben anderer Menschen werfen zu können. Dabei wird das virtuell zur Schau gestellte Leben der anderen als vermeintlich perfekt betrachtet. Ein als langweilig empfundenes eigenes Leben, zu viel Zeit für oftmals unnötige Dinge, Einsamkeit, die Suche nach einer Identifikationsfigur oder auch die Sehnsucht nach einem anderen Leben können ursächlich für FOMO sein. Gruppenzwang kann ebenfalls dazu beitragen – wenn die Peergroup ständig am Smartphone hängt und sich die Gespräche häufig um bestimmte Social Media Figuren drehen.
Joy of missing out
JOMO wird „Joy of missing out“ genannt und meint den bewussten Verzicht auf Social Media, den Genuss des Verpassens von Aktivitäten. JOMO ist eine Gegenbewegung zur digitalen Dauerverfügbarkeit und Dauerberieselung und gewinnt in den letzten Jahren an Bedeutung. Der Verzicht wird als eigentlicher Luxus und als ein Zeichen von Freiheit betrachtet. Selbstbestimmtes Leben und Entscheiden statt Mainstream stehen im Mittelpunkt des Denkens und Handelns.
Die Vorteile von JOMO
Ein großer Vorteil ist der Zeitgewinn. Hängt man nicht ständig in der digitalen Welt rum, entstehen große Zeitfenster für sich und wertvolle Momente, die man selbst kreieren kann. JOMO reduziert außerdem chronischen Stress und damit wird auch der Cortisolspiegel gesenkt. Ohne Reizüberflutung wird die mentale Gesundheit gestärkt, der Schlaf ist besser, die Augen sind entspannter, die innere Ausgeglichenheit ist leichter herzustellen und die Konzentrationsfähigkeit verbessert sich. Außerdem sind diese Menschen oftmals offener für neue Ideen, entwickeln mehr Kreativität und haben mehr positive Energie. Digital Detox ist ein großes Thema und wichtig für die innere Balance. Gerade Kinder und Jugendliche profitieren sehr von einem positiven Vorbild ihrer Eltern hinsichtlich der Mediennutzung. Untersuchungen zeigen, dass Jugendliche umso glücklicher sein können, je weniger sie an elektronischen Geräten hängen. Ihr körperlicher und seelischer Zustand ist insgesamt stabiler.
Fazit: Manchmal macht es einen einfach happy, einem bestimmten Kanal oder Menschen zu folgen. Das ist auch ganz okay in einem gewissen Maße. Doch die echten Glücksmomente entstehen im realen Leben und die sollte man durch Social Media nicht verpassen!
Foto: depositphotos.com




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