Be-up-Studie: Hat die Einrichtung des Gebärzimmers Einfluss auf die Geburt?

von | 15. Februar 2020

Entspannung ist für eine schmerzarme bzw. schmerzfreie Geburt das Wichtigste. Und die werdende Mami muss sich bei der Geburt in ihrer Umgebung wohl fühlen.

gebärenGekachelte Kreissäle mit all ihren sichtbaren Geräten, die im Notfall zur Geburt hinzugezogen werden und grelles Licht wirken kalt und unfreundlich. Solche Gebärräumlichkeiten tragen nicht zur Entspannung während der Wehen bei, sondern flößen vielen werdenden Muttis Angst ein. Sie verkrampfen sich und das erschwert die Geburt enorm. Nicht selten endet eine gut beginnende Geburt mit einem Kaiserschnitt, weil sich der Muttermund einfach nicht weiter öffnen will. Eine wohnliche, gemütliche Atmosphäre hingegen, die Wärme, Geborgenheit und Sicherheit ausstrahlt, kann die Schwangere entspannen. Die Studie „Be-up: Geburt aktiv“ untersucht, was Frauen bei der Geburt gut tut und inwiefern die Gestaltung des Gebärzimmers eine natürliche Geburt begünstigt.

Untersuchungsziel der Be-up-Studie

Die Studie geht der Frage nach, ob die Einrichtung des Gebärzimmers Auswirkungen auf die Geburt hat. Nach dem Zufallsprinzip werden bis zum Frühjahr 2020 insgesamt 4000 schwangere Studienteilnehmerinnen einem üblichen oder einem alternativen, umfassender ausgestatteten Gebärraum zugeteilt. Die Studie ist die bisher größte ihrer Art und die Wissenschaftler möchten herausfinden, ob eine entsprechende Umgestaltung des Gebärzimmers die natürliche Geburt begünstigt.

Üblicher Gebärraum und alternativer Gebärraum

In einem üblichen Gebärraum befindet sich ein Gebärbett, auf dem die Schwangere in der Regel liegt und auch liegend (ohne die natürliche Schwerkraft nutzen zu können) gebären soll. Das Gebärbett ist von drei Seiten zugänglich. Auf dem Bett darf die Schwangere unterschiedliche Körperhaltungen einnehmen. Rücken- und Fußteil sind verstellbar. Die Beleuchtung kann den Bedürfnissen und Erfordernissen entsprechend eingestellt werden. Die Schwangere darf essen und trinken, sofern Hebamme oder Ärzte nichts dagegen haben. Zusätzliche Ausstattung wie Tuch von der Decke, Sitzball oder Gebärhocker sind nicht automatisch vorhanden.
Ein Sichtschutz an der Tür sorgt im alternativen Gebärraum für Privatsphäre. Den Gebärenden stehen eine Bodenmatte, eine Matratze, ein Sitzsack sowie Schaumstoffelemente zur freien Verfügung. All das kann die werdende Mami zur Entspannung und Wehenverarbeitung nutzen, wozu sie die Hebamme motiviert. Es gibt Fotoposter, die Alternativen zum Gebären im Liegen darstellen. Außerdem können sich Schwangere Filme mit Naturszenen anschauen, eigene Filme oder Musik abspielen. Das Licht im Gebärraum lässt sich selbst einstellen. Ferner gibt es heiße und kalte Getränke und kleine Snacks, welche die Schwangere nicht im Gebärbett, sondern an einem Esstisch mit ihrer Begleitperson einnehmen kann.

Bedeutung von Körperhaltung und Bewegung während der Geburt

Die Studie nennt sich „Be-up: Geburt aktiv“. Es geht also auch um Bewegung während der Geburt. Grundsätzlich empfinden Frauen eine selbstbestimmte Geburt mit frei gewählten Gebärpositionen und Bewegungsmöglichkeiten während der Wehenphase wesentlich angenehmer. Eine natürliche Geburt ist ein komplexes Zusammenspiel von hormonellen Abläufen. Aktive Phasen wechseln sich mit Ruhephasen ab und jede Frau geht individuell mit Wehen um. Allerdings empfinden es viele Frauen als Erleichterung, während der Wehen aufrecht zu sein, sich abstützen zu können und nicht in Rückenlage im Bett zu liegen, sondern ihre Position je nach Bedarf zu wechseln. Das bedeutet: die Geburt ihres Kindes aktiv mitzugestalten! Während einer Geburt sollten Frauen die Möglichkeit haben zu sitzen, zu stehen oder zu knien. Sie sollten sich abstützen und anlehnen können, um die Wehen besser zu verarbeiten. In aufrechter Haltung ist die Blutversorgung des Kindes besser und die Schwerkraft kommt einer natürlichen Geburt entgegen. In den Wehenpausen möchten sich werdende Muttis vielleicht hinlegen, um sich auszuruhen. Frauen, die sich während der Geburt nach ihren individuellen Bedürfnissen bewegen durften und ihre Körperhaltung sowie ihre Gebärposition frei wählen konnten, sind rückblickend häufig sehr zufrieden mit der Geburt.

Wer mehr über die Studie erfahren möchte, kann sich hier informieren

Foto: suju von Pixabay – Canva.com

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