Schönheitsideal, Körperkult und Schönheitswahn bei Frauen

von | 20. März 2012

Das Schönheitsideal der Medien beeinflusst das Selbstbewusstsein von jungen Mädchen und Frauen und veranlasst sie zu Köperscham, Körperkult und Schönheitswahn.

Schönheitsideal Frauen„In den Medien gilt der weibliche Körper als von Natur aus hässlich. Mädchen- und Frauenzeitschriften rufen dazu auf, dass Frauen ihre Körper aushungern, operieren lassen und bearbeiten. Die als schön bezeichneten Frauen sind laut Zeitschriften niemals von Natur aus schön. Sie müssen ihren Körper zurechttrimmen. Dies alles ist ungesund, meist schmerzhaft, kosten- und zeitintensiv. Dahinter steckt die Verachtung des weiblichen Körpers, ja die Verachtung von Frauen schlechthin. Das Schönheitsideal der Medien ist krankhaft und frauenverachtend.“ sagt Christina Mundlos, Referentin im Gleichstellungsbüro. Doch nicht alle Männer stehen auf „Hungermodels“.

Christina Mundlos: Es gibt auch Männer, die das medial produzierte Schönheitsideal ablehnen. Männer, die Frauen als gleichwertige Partnerin verstehen, die sie wertschätzen und respektieren, werden von ihrer Partnerin keine Diäten, Schönheitsoperationen, Nagelstudiobesuche, Epiliermassaker oder Super-Long-Lashes erwarten.

Dr. Sonja Deml: Woher kommt es, dass Frauen sich so für ihren Körper schämen und sich oftmals nur auf ihre „Problemzonen“ konzentrieren?

Christina Mundlos: Die Scham über den eigenen Körper verdanken Frauen einem Zusammenspiel aus kindlichen Beschämungen und medialen Manipulationen. Eine Studie fand heraus, dass Mädchen als Kleinkinder anders beschämt werden als Jungen, woraus ein Unzulänglichkeitsgefühl resultiert, welches dann die Medien für ihre Zwecke benutzen. Die Zeitschriften propagieren ein problematisches Liebesbild. Mädchen und Frauen sollen glauben, dass sie für einen „verschönerten“ Körper geliebt würden. Die Zeitschriften wollen mit Liebesversprechen den Konsum ihrer Werbepartner ankurbeln. Denn just deren Produkte seien natürlich absolut notwendig für einen liebenswürdigen Körper. Geliebt werden kann man jedoch nur um seiner Selbst willen und nicht für Lipgloss, Tangas, straffe Haut und feste Brüste. Es ist gefährlich, wenn Mädchen glauben, Bewunderung für Äußerlichkeiten sei wahre Liebe. Die Mädchen- und Frauenzeitschriften formen ein pervertiertes Liebes-Bild! Wenn die Medien heranwachsenden Mädchen dieses Bild von „Liebe“ vermitteln, wird eine Generation von Frauen heranwachsen, die den Begriff „Liebe“ nicht mehr verbinden kann mit Zuneigung, Vertrauen, Respekt und einem Begehren, das den ganzen Menschen meint.

Dr. Sonja Deml: Frauen haben ein negatives Selbstbild verinnerlicht, und wenn eine Frau sagt, sie findet sich hübsch, gilt sie als eingebildet, oder?

Christina Mundlos: Selbstbewusste Frauen sind oft unbeliebt, z.B. auch wenn sie sagen, dass sie sich für klug oder erfolgreich halten. Eine Frau, die sagt, sie fände sich hübsch, entzieht sich diesem ganzen Schönheitsterror. Das macht andere Frauen natürlich neidisch. Wie gerne würden sie das auch sagen können und Highheels, Miniröcke, Kunstwimpern und Rasierer aus der Hand legen.

Dr. Sonja Deml: Bestimmte Frauen- und Mädchenzeitschriften stören und verhindern Glück, die Entwicklung eines starken Körperselbstbewusstseins und das Erleben wahrer Anerkennung und Liebe. Wieso fallen überhaupt so viele Frauen und Mädchen auf die Zeitschriftenmacher herein?

Christina Mundlos: Mädchen werden im Gegensatz zu Jungen im Kleinkindalter bei der Sauberkeitserziehung meist nonverbal über Blicke und Mimik beschämt und können diese Beschämung keinem konkreten Verhalten zuordnen, sondern beziehen sie auf ihre ganze Person. Daher sehnen sie sich nach direkten verbalen Hinweisen, wie sie Beschämungen künftig vermeiden können. Die Folge ist: Frauen empfinden ihren Körper als ungenügend und verbesserungswürdig. In diese Kerbe schlagen die Medien mit krankhaften Schönheitsforderungen. Durch die Mädchenzeitschriften lernen 11-jährige Mädchen, dass ihr Körper, so wie er ist, nicht bleiben könne und „verschönert“ werden müsse, wenn sie geliebt werden wollen. Im Befehlston wird von den Leserinnen verlangt, dass sie sich schminken, hungern, operieren, schmücken und vor allem: konsumieren sollen. Damit ihre Forderungen von den Frauen geschluckt werden, verwenden die Frauenzeitschriften ein ganzes Arsenal von manipulativen Sprachstrategien. Subjektive Meinungen der Redakteure werden geschickt getarnt den Leserinnen untergeschoben, die diese schließlich für ihre eigenen Ansichten und Ideen halten. Die wahren Interessen der Kosmetik- und Modeindustrie werden aufwendig verschleiert.

Dr. Sonja Deml: Es gibt Frauen, die sogar in ihrem Intimbereich Schönheitsoperationen vornehmen lassen. Welche Tipps können Sie Frauen geben, stark zu werden, um ihrer selbst willen geliebt zu werden?

Christina Mundlos: Frauen müssen aufhören, einen gewissen Typus von Frauenzeitschriften zu lesen. Es gibt politische Mädchen- und Frauenmagazine für starke Frauen, wie die Emma oder das Missy Magazine. Frauen müssen sich auf ihre Stärken besinnen. Es gilt, Selbstbewusstsein aus dem zu ziehen, was wir tun und können und wissen und nicht aus unserem Aussehen. Ganz wichtig ist die Partnerwahl: achten Sie darauf, dass der Mann ein gleichberechtigtes Geschlechterbild hat, Frauen nicht nur als Objekte sieht und keine Schönheitsforderungen an Sie stellt.

Christina Mundlos ist Autorin des Buches „Schönheit, Liebe, Körperscham. Schönheitsideale in Zeitschriften und ihre Wirkung auf Mädchen und Frauen“, das 2011 im Tectum Verlag in Marburg erschienen ist.

Foto: Jeanne Müller  / pixelio.de

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