Die Eroberungstaktik hässlicher Fische

von | 28. Januar 2011

Äußere Attraktivität erhöht bekanntlich die Chancen bei der Partnerwahl, doch hässliche Zahnkärpflinge haben eine spezielle Eroberungstaktik, um die Damenwelt zu überzeugen.

Schön und stark kommt immer weiter – dachte ich bisher und stand mit dieser Meinung sicher nicht alleine da. Doch dann lernte ich von den Zahnkärpflingen…

Auf die Tierwelt lässt es sich meist verlässlich zurückgreifen, wenn man sich bildreich ausdrücken möchte: „Gut gebrüllt, Löwe“, „das reinste Haifischbecken“, „wie zwei Turteltäubchen“ und so weiter. Einen ebenfalls tierisch gutgemeinten Trost bekam ich nach meinem letzten Beziehungsaus zu hören: „There are plenty of fish in the sea.“ Vielleicht hielten meine Freunde damals genau diese Worte für passend, weil ich im Sternzeichen der Fische geboren bin, um mich daran zu erinnern, wie viele unzählige Fische, äh Singles, im weiten Gewässer des Lebens alleine ihre Bahnen ziehen.

Partnerwahl unabhängig von Attraktivität

Ganz sicher hätte mich dieser Spruch aufgebaut, hätte ihn mein Freundeskreis damals praktisch belegen können – ähnlich wie das jetzt der Biologe Jorge Luis Hurtado-Gonzales der Universität Syracuse getan hat. Er und sein Team haben nämlich herausgefunden, dass bei den Poecilia parae, einer bestimmten Art von Zahnkärpflingen, alle Männchen die Möglichkeit auf ein erfülltes Liebesleben bekommen. Die Herangehensweise ist da ähnlich wie bei uns Menschen: auf das „gewusst wie“ kommt es an.

Die von der Natur bevorzugten männlichen Zahnkärpflinge haben bunte Streifen auf grauen Schuppen in den Farben rot, gelb, blau und schwarz. Die Farbfolge spiegelt den Schlag bei den dazugehörigen Fischdamen wieder und natürlich wollen die sich am liebsten mit roten oder gelben Männchen paaren. Kein Wunder, bekommt man sofort Mitleid mit den Schwarz- und den Blaugestreiften, die unter den weiblichen Zahnkärpflingen als unattraktiv und hässlich gelten und demzufolge überhaupt keinen Stich machen dürften.

Perfektionierte Eroberungstaktik

Doch das genaue Gegenteil ist der Fall – und deshalb sind die Untersuchungsergebnisse so erstaunlich. Würde sich die fischige Damenwelt der Poecilia parae nur mit den Schönlingen paaren, wären die Anderen schon längst ausgestorben. Stattdessen schwimmen die aber putzmunter in den tropischen und subtropischen Gewässern rum, weil sie ihre Eroberungstaktik perfektioniert haben. Was den Schwarzgestreiften und den Blauen an Schönheit fehlt, machen sie durch Stärke wieder wett. Schön rot oder gelb, aber im Kampf unterlegen verliert sofort an Anziehungskraft und die weiblichen Fische wenden sich den blauen oder schwarzen Siegern zu. Neben Schönheit spielen also auch Muskeln und ein imposantes Auftreten in der Unterwasserwelt der weiblichen Zahnkärpflinge eine dominante Rolle bei der Partnerwahl.

Erfülltes Liebesleben trotz mangelnder Attraktivität

Aber wieso konnten die unauffälligen, schwachen, kleinen graugrauen Männchen bisher überleben? Sie sind weder schön, noch stark. Die Antwort ist so simpel wie romantisch: Liebe findet ihren Weg. Selbst den vordergründig bemitleidenswerten grauen Männchen hat die Natur für eine erfolgreiche Paarung Mittel an die Flossen gegeben. Und zwar die beeindruckensten: Tatsächlich überzeugen die ganz grauen Zahnkärpflinge in erster Linie durch Schlauheit. So machen sie sich an die Weibchen heran, während ihre bunten und gestreiften Geschlechtsgenossen um sie im Kampf buhlend damit beschäftigt sind, einander zu überbieten. Lässt sich die Damenwelt von ihrem geschickten Taktieren noch nicht vollständig überzeugen, vermag sie deren letztes Argument umzustimmen: spätestens der Anblick der größten Genitalien und die Aussicht auf die meisten Spermien dürfte den meisten graugrauen Zahnkärpflingen eine willige Partnerin garantieren. Und außerdem den Neid ihrer Geschlechtsgenossen.

Quelle: BMC Evolutionary Biology, online

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