Psychotherapieplatz finden: Tipps für Betroffene

von | 27. September 2021

Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt und Therapieplätze sind oftmals rar und mit langen Wartezeiten verbunden. So findest du schnell Hilfe…

PsychotherapieDurch den Ausnahmezustand Pandemie und damit einhergehenden Problemen wie Angst, Depression, Vereinsamung, Kontrollverlust, Sucht oder Suizid-Gedanken ist der Bedarf an Therapieplätzen stark gestiegen, sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Selbst gut ausgestattete Fachkliniken müssen Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen abweisen oder sie auf eine lange Warteliste setzen. Betroffene haben oft kaum Kraft, weiterzusuchen, doch es lohnt sich.

Psychotherapie: Ambulant, teilstationär oder stationär

Zunächst wird zwischen ambulanter, teilstationärer und stationärer Behandlung unterschieden. Bei ambulanter Therapie bleiben die Patienten zu Hause wohnen und nehmen nur die einzelnen Sitzungen wahr. Bei teilstationärer Therapie in Tageskliniken arbeiten die Patienten tagsüber an ihrer Erkrankung und können abends nach Hause gehen. Stationäre Behandlungen finden in Krankenhäusern statt. Stationäre Therapien können freiwillig erfolgen oder durch eine sogenannte Zwangseinweisung, wenn die psychische Erkrankung eine Gefahr für das Leben des Betroffenen oder anderer Menschen darstellt.

Psychotherapeutische Ausrichtungen

Einen Therapieplatz findest du, indem du dich in deinem Umfeld umhörst, im Internet oder Telefonbuch recherchierst oder bei deiner Krankenkasse nach freien Therapieplätzen fragst (öfter nachfragen, denn es werden immer mal spontan Plätze frei!). Je nach Krankheitsbild und persönlicher Disposition hast du die Wahl zwischen psychologischer Psychotherapie, psychiatrischer Therapie oder Psychotherapie bei einem Heilpraktiker mit Zusatzausbildung. Kinder und Jugendliche sind bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten bzw. Kinder- und Jugendpsychiater gut aufgehoben. Therapeuten arbeiten mit unterschiedlichen Methoden wie Psychoanalyse, psychodynamischer Psychotherapie oder Gesprächspsychotherapie. Diese Methoden sind gesprächsorientiert. Praktischer gestalten sich Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Körperpsychotherapie, Entspannungsverfahren, Imaginationen, neurolinguistisches Programmieren (NLP) usw. Je nach Krankheitsbild und Erfolgsversprechen können mehrere Therapieformen kombiniert werden und viele Psychotherapeuten arbeiten methodenübergreifend. Vor allem in Kliniken gibt es oftmals ein breites Angebot. Dort können auch Psychopharmaka verordnet werden, was nur niedergelassene Psychiater oder Neurologen, nicht aber Psychologen dürfen. Eine medikamentöse Therapie sollte immer nur in Begleitung einer Psychotherapie erfolgen und so kurz und niedrig dosiert wie nötig ausfallen!

Merkmale eines passenden Psychotherapeuten

Wichtiger als die Ausrichtung eines Therapeuten ist die Chemie! Schließlich musst du dich öffnen können und dein Therapeut sollte schnell Zugang zu dir finden und deine Probleme verstehen. Manche Betroffene können sich einer Frau leichter anvertrauen, andere einem Mann. Einige wünschen sich einen älteren, erfahren wirkenden Therapeuten, andere wiederum versprechen sich von einem jungen Therapeuten mehr Verständnis. Die Sympathie kannst du im telefonischen oder persönlichen Erstgespräch abchecken. Du solltest dich verstanden und wertgeschätzt fühlen. Der Therapeut sollte dein Problem nicht verharmlosen, deine Fragen verständlich beantworten und sich ausreichend Zeit nehmen. In der Regel sind die einzelnen Sitzungen auf 50 Minuten ausgelegt. Zudem sollte er dir den Therapieplan auf Wunsch erklären, ihr solltet gemeinsame Ziele festlegen und trotzdem sollte er flexibel auf mögliche Veränderungen reagieren. Solltest du dich nicht von vornherein auf eine Therapiemethode festgelegt haben, ist es gut, wenn dein Therapeut einen möglichst breiten Methodenmix anbietet.

Stellst du im Laufe der Therapie fest, dass es einfach nicht passt, kannst du wechseln. Deine Behandlung wird dadurch erfolgsversprechender und du gibst einen Platz an jemanden ab, der sich hier gut aufgehoben fühlt.

Lange Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz

Die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind oftmals lang. Mit einem halben Jahr muss man mancherorts rechnen, vor allem bei Therapeuten mit Kassenzulassung. Es gibt auch Therapeuten ohne Kassenzulassung, die oftmals dieselbe Ausbildung oder sogar noch eine breitere haben. Heilpraktiker für Psychotherapie könnten dich z.B. naturheilkundlich unterstützen. Hier gibt es in der Regel sehr schnell freie Termine, da diese Therapeuten häufig abends oder am Wochenende arbeiten. Die Kosten musst du in der Regel selbst übernehmen. Einige Therapeuten bieten gestaffelte Preise nach Einkommen oder Lebenssituation an. Doch manchmal tragen die Krankenkassen die Kosten für Psychotherapeuten ohne Kassenzulassung, wenn die Wartezeiten unzumutbar lang sind oder die Anfahrtswege zu weit.

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Foto: Canva.com

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