Eine gesunde Ernährung für Kinder – Tipps für Eltern

von | 30. April 2012

Eltern wissen oft zu wenig über Ernährung und verlassen sich auf die Falschaussagen der Lebensmittelindustrie. Tipps für eine gesunde Ernährung für Kinder.

Gesunde Ernährung für KinderViele Eltern machen sich Gedanken über die gesunde Ernährung ihrer Kinder, wiederum andere Eltern scheinen sich wenig Gedanken zu machen und gewähren ihren Kindern ungehindert Zugang zu Süßigkeiten. Wir fragen Ines Graßl, Gesundheitsberaterin (GBB) und dreifache Mutter, was eine gesunde Ernährung für Kinder bedeutet.

Einfluss der Ernährung auf die Entwicklung der Kinder

Dr. Sonja Deml: Allergien und Krebsraten steigen selbst bei Kindern ständig, auch wenn es eine bessere Früherkennung gibt. Welche Rolle spielt die Ernährung grundsätzlich für die Entwicklung von Kindern?

Ines Graßl: Die Ernährung ist ein ganz wichtiger Grundbaustein in der Entwicklung. Nur wenn dem kindlichen Organismus alle benötigten Nährstoffe zugeführt werden, kann er sich optimal entwickeln. Fehlen bestimmte Stoffe in der Nahrung, wirkt sich das entsprechend auf die körperliche, seelische und geistige Entwicklung des Kindes aus. Etwa 80% aller Zivilisationserkrankungen stehen ursächlich mit der Ernährung in Zusammenhang. Häufige Infekte, Allergien, Übergwicht, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität sind nur einige Beispiele. Der Organismus kann Ernährungsfehler über Jahre kompensieren. Deshalb machen sich ernährungsbedingte Krankheiten meist erst im Erwachsenenalter bemerkbar, verlagern sich jedoch zusehends ins Kinder- und Jugendalter. Krankheiten wie Diabetes, Rheuma oder Osteoporose sind längst keine „alte-Leute-Krankheiten“ mehr. Durch eine vollwertige Ernährung können Zivilisationserkrankungen verhütet, gelindert oder geheilt werden.

Was Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder oft nicht wissen

Dr. Sonja Deml: Eltern sollten meiner Meinung nach der Gesundheit ihrer Familie zuliebe Bioprodukte kaufen und beispielsweise Lebensmittel bzw. Getränke in Kunststoffverpackungen meiden, da hierin oftmals das Hormon-Gift Bisphenol A enthalten ist. Was sind häufige Fehler, die Eltern bei der Ernährung ihrer Kinder machen?

Ines Graßl: Eltern wissen viel zu wenig über Ernährung und verlassen sich meist blind auf die Falschaussagen der Werbung. Meines Erachtens ist dies das Hauptproblem. Wenn Eltern wirklich wüßten, welchen Schadstoff- und Chemiekaliencocktail sie ihren Kindern über die Nahrung täglich verabreichen, würden sie darauf verzichten. Genau dies versucht die Nahrungsmittellobby aber mit allen Mitteln zu verhindern. Unterstützt wird sie dabei von der Politik. Bestes Beispiel ist die Kennzeichnung von Nahrungsmitteln. Zum einen müssen gar nicht alle Zusatzstoffe oder Aromen aufgeführt werden, zum anderen weiß der Verbraucher meist gar nicht, was die Bezeichnungen bedeuten und welche gesundheitlichen Auswirkungen sie haben können. Gerade Kinder und Jugendliche, die sich ja noch im Wachstum befinden, sind hier besonders gefährdet. Viele Zusatzstoffe wie beispielsweise Aspartam oder Glutamat werden von verschiedenen Experten als extrem gesundheitsschädigend eingestuft, gelten aber – dank des Einflusses der Nahrungsmittelindustrie – als unbedenklich. Auch die chemische Verbindung Bisphenol A, die zu Unfruchtbarkeit, Krebs, Diabetes und weiteren Erkrankungen führen kann, wurde in Deutschland lediglich für Babyflaschen verboten. Bisphenol A ist in vielen Kunststoffprodukten enthalten, die direkten Kontakt zu Lebensmitteln und Getränken haben und wird für die Herstellung von Innenbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen eingesetzt.

Falsche Versprechungen der Lebensmittelhersteller

Dr. Sonja Deml: Was halten Sie von speziellen Produkten für Kinder, angefangen beim Milchpulver für Babys bis hin zu Trendgetränken für Jugendliche? Manche Kinderprodukte enthalten sogar Färbemittel, um sie optisch für die Zielgruppe attraktiver zu machen. Was noch?

Ines Graßl: Diese Produkte enthalten häufig sehr viel Zucker, minderwertige Fette, schädliche Zusatzstoffe und Aromen und sind ursächlich an der Entstehung schwerwiegender Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen beteiligt. Auch synthetische Vitamine oder Mineralstoffe werden zugesetzt, was sich ebenfalls negativ auf die Gesundheit auswirkt. Die Hersteller  behaupten allerdings das Gegenteil und werben mit falschen Versprechungen für ihre Produkte. Leider stelle ich immer wieder fest, dass es nicht wenige Eltern gibt, die besonders auf solche Nahrungsmittel setzen, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun. Und ausgerechnet die Hersteller solcher Produkte dürfen mit Unterstützung der Bundesregierung Anti-Übergewichtsprogramme an Schulen, Kindergärten oder in Sportvereinen anbieten. Coca Cola beispielsweise ködert die Kleinsten schon im Kindergarten mit Unterstützung des DFB. McDonalds bietet Ernährungsprogramme an Schulen an und sponsert dort Sportgeräte. Vertreter der Nahrungsmittelindustrie treten als Experten für Kinderernährung auf Kongressen auf und verbreiten dann Botschaften wie: Es gibt keine ungesunden Nahrungsmittel.

Naturbelassene Ernährung ohne Schadstoffe

Dr. Sonja Deml: Tiere, die uns Milch geben und die zu Fleisch verarbeitet werden, bekommen in konventionellen Betrieben Medikamente, Impfungen und pestizidbelastetes Futter. Und Obst und Gemüse ist eher ungesund, wenn es gespritzt wird. Was macht denn eine gesunde Ernährung für Kinder aus?

Ines Graßl: Sie ist möglichst naturbelassen und enthält alle Nährstoffe und Vitalstoffe, die der Organismus benötigt, in ausreichender Menge und im richtigen Verhältnis. Eine gesunde Ernährung sollte frei sein von bedenklichen Zusatzstoffen, Aromen und anderen Schadstoffen, zum Beispiel Pestizide, Antibiotika-Rückstände und ähnliches. Am besten ist es natürlich, wenn Sie das Essen für ihr Kind aus frischen Zutaten selbst zubereiten. Wer sich näher mit dem Thema Ernährung befassen möchte, dem sei das Buch „Unsere Nahrung, unser Schicksal“ von Dr. Max Otto Bruker aus dem Emu-Verlag empfohlen. Hier gibt es wichtige Hintergrundinformationen zum Thema Ernährung für jedermann leicht verständlich erklärt.

Augen auf beim Einkauf!

Dr. Sonja Deml: Worauf sollten Eltern beim Einkauf der Lebensmittel achten?

Ines Graßl: Geben Sie frischen unverarbeiteten Lebensmitteln den Vorrang vor industriell erzeugter Nahrung. Der Gehalt an Vitalstoffen sinkt mit dem Grad der Verarbeitung. Verzichten Sie auf Produkte, die Auszugsmehle, Fabrikzucker oder raffinierte Fette enthalten. Achten Sie auf die Zusatzstoffe (E-Nummern) und Aromen. Viele sind besonders für Kinder gesundheitsschädigend. Bei unverpackter Ware ist eine Kennzeichnung der Zusatzstoffe nicht immer vorgeschrieben. Auch auf Nachfrage müssen nicht alle Zusatzstoffe genannt werden. Wer sich genauer mit dem Thema befassen möchte, dem sei zum Einstieg das Buch „E-Nummern“ von Heinz Knieriemen empfohlen, erschienen im AT-Verlag. Dem Buch liegt auch eine kleine Tabelle für die Geldbörse bei, in der alle kennzeichnungspflichtigen Zusatzstoffe aufgeführt und die besonders bedenklichen rot gekennzeichnet sind.

Gesund essen und Geld sparen

Dr. Sonja Deml: Ein Einkauf im Biomarkt ist teurer als der Einkauf beim Discounter. Das können sich beispielsweise Alleinerziehende oftmals nicht auf Dauer leisten. Wo können Eltern sparen?

Ines Graßl: Bioprodukte sind weit weniger mit Schadstoffen belastet als konventionelle Waren. Auch dürfen Bioprodukten viel weniger Zusatzstoffe zugesetzt werden. Trotzdem möchte ich darauf hinweisen, dass „Bio“ nicht zwangsläufig gleichzusetzen ist mit „gesund“. Eine Fertigpizza, Ravioli aus der Dose oder ein zuckerhaltiges Getränk werden nicht gesünder, weil „Bio“ drauf steht. Gesunde Ernährung ist auch mit wenig Geld möglich. Wer frische Saisonware kauft, vielleicht sogar vom Bauern aus der Region, tut sich und der Umwelt viel Gutes. Die Karotte aus der Region ist weitaus günstiger als die Paprika aus Spanien. Sparen läßt sich an Nahrungsmitteln, die nicht nötig sind. Fertiggerichte, Trendgetränke oder viele vorgefertigte Speisen müssen nicht sein. Selbst zubereitetes Essen aus frischen Zutaten  ist im Verhältnis nicht nur günstiger und gesünder, es schmeckt auch viel besser. Auch bei den Getränken kann gespart werden. Wasser aus der Leitung oder ungesüßter Tee löschen den Durst am besten und sind wesentlich günstiger als Säfte und andere Getränke. Wer sein Brot selbst bäckt, spart ebenfalls. Biofleisch, Wurst und Käse sind sehr teuer. Wer nicht darauf verzichten möchte, sollte lieber weniger davon essen. Das kommt nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt und dem Tierschutz zu Gute. Wer „Bio“ kauft, kauft meist bewusster und es landen weniger Lebensmittel und somit Geld im Müll.

Brot selbst backen

Dr. Sonja Deml: Verraten Sie uns abschließend noch ein leckeres Rezept?

Ines Graßl: Wie wäre es denn mal mit einem selbstgebackenen Brot? Die Zutaten sind 400g Dinkelmehl und 100g Roggenmehl, 500g Wasser, 25g Biofrischhefe (keine Trockenhefe), 2 TL Salz, bis zu 150g verschiedene Saaten (z.B. Leinsamen, Sonnenblumenkerne, Sesam) und 2 Eßl. Obstessig (z.B. Apfelessig). Die Zubereitung ist einfach: Hefe mit Wasser und Salz verrühren, mit den Zutaten gut verkneten. Der Teig ist recht flüssig. Den Teig in eine gefettete Backform geben, mit Wasser besprühen, etwa 15 Minuten gehen lassen. Inzwischen den Ofen vorheizen, den Teig der Länge nach 1cm tief einschneiden und bei 200°C für 60 Minuten backen. Aus dem Ofen nehmen, nochmals die Oberfläche etwas mit Wasser besprühen, das Brot aus der Backform stürzen und auf dem Gitterrost ganz auskühlen lassen.

Dr. Sonja Deml: Klingt lecker, vielen Dank!

Weitere gesunde Rezeptideen finden Sie hier:

Gätjen, Edith (2012): Das geniale Familien-Kochbuch. Trias Verlag, Stuttgart

Koerber, Karl von/Hohler, Hubert (2012): Nachhaltig genießen. Rezeptbuch für unsere Zukunft. Trias Verlag, Stuttgart

Foto: St.Kaczkowski  / pixelio.de

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