Immer mehr Kinder sind Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer

von | 28. Juni 2021

Durch ausgefallene Schwimmkurse, geschlossene Bäder und nachlassende körperliche Fitness steigt die Zahl der Badeunfälle bei Kindern.

FreischwimmerDeutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) bzw. Wasserwacht haben bereits zu Beginn der Corona-Krise vor der steigenden Zahl von Nichtschwimmern und der Zunahme von (tödlichen) Badeunfällen gewarnt. Doch Schwimmkurse wurden verboten, Schwimmbäder blieben geschlossen. Zudem bewegten sich viele Menschen im Lockdown deutlich weniger, die körperliche Fitness nahm ab. Nichtschwimmer konnten Schwimmen nicht erlernen, Schwimmanfänger nicht üben…

Fehlende Schwimmkurse

Schwimmkurse wurden sehr schnell eingestellt. Und nun gibt es bereits zwei Jahrgänge von Kindern, die nicht oder nur sehr schlecht schwimmen. Weitere können folgen, denn wenn die Schwimmkurse wieder anlaufen, sind die Plätze begrenzt und es bildet sich ein langer Rückstau. Viele qualitativ hochwertige Schwimmkurse werden von Ehrenamtlichen der Wasserwacht bzw. DLRG angeboten, die jedoch nicht noch mehr Zeit aufwenden können. Zudem werden Räumlichkeiten fehlen, wenn aufgrund der langen Schließzeiten Schwimmbäder von Insolvenz bedroht sind. Außerdem geht es vielen Familien finanziell wesentlich schlechter, so dass sie sich den Schwimmkurs möglicherweise gar nicht leisten können. Nicht in allen Bundesländern ist Schwimmunterricht im Lehrplan enthalten.

Schwimmleistung bei Kindern lässt nach

Auch Schwimmanfänger können im schlimmsten Fall wieder zu Nichtschwimmern werden. Neue Bewegungen müssen tausende Male wiederholt werden, bis sie sicher sitzen. Doch Schwimmanfänger hatten keine Chance, das Schwimmen praktisch zu üben und die Gefahr, die Bewegungsabläufe zu verlernen, ist hoch. Gerade für Kinder, die mühsam Schwimmen gelernt hatten, ist das sehr frustrierend und sie schämen sich womöglich dafür.

Nachlassende körperliche Fitness bei Kindern

Nicht nur der Schwimmunterricht, sondern auch andere Sport- und Bewegungsmöglichkeiten waren seit der Corona-Krise deutlich begrenzt. Das führte dazu, dass die körperliche Fitness stark nachgelassen hat. Dieses Manko lässt sich nicht so schnell ausgleichen und es wird oft erst so richtig deutlich, wenn das Schwimmen(lernen) schwerfällt.

Überschätzung der Schwimmfähigkeit führt zu mehr Badeunfällen

Es ist enorm wichtig zu erkennen, ob das Schwimmen schwerfällt, denn dann haben Eltern die Chance, ihr Kind verstärkt im Wasser zu beaufsichtigen. Schlimmer ist es, wenn die Schwimmfähigkeiten überschätzt werden. Das kann vor allem für Kinder und auch Jugendliche, die ohne Aufsichtsperson ins Wasser gehen, schnell lebensgefährlich werden.

Kritik am Schwimmabzeichen „Seepferdchen“

Die Schwimmfähigkeit wird von den Eltern oft überschätzt – nämlich dann, wenn die Kinder ihr Seepferdchen-Abzeichen erhalten haben. Mit diesem „Schwimmabzeichen“ wird suggeriert, dass Kinder den Schwimmkurs bestanden haben und somit gute Schwimmer sind. Doch Springen vom Beckenrand, Heraufholen eines Gegenstandes aus schultertiefem Wasser und 25 Meter schwimmen, machen noch keinen sicheren Schwimmer aus. Das Seepferchen-Abzeichen bedeutet lediglich, dass sich die Kinder ans Wasser gewöhnt haben und sich relativ kurze Zeit über Wasser halten können. Die DLRG warnt sogar: Alle, die lediglich ein Seepferchen-Abzeichen haben, müssen intensiv beim Schwimmen beaufsichtigt werden.

Sichere Schwimmer hingegen beherrschen den Sprung kopfwärts vom Beckenrand und sie schaffen es, mindestens 200 Meter in 15 Minuten zu schwimmen. Davon legen sie 150 m in Bauch- oder Rückenlage in einer erkennbaren Schwimmart und 50 m in einer anderen Körperlage zurück. Der Wechsel der Körperlage erfolgt während des Schwimmens und ohne Festhalten am Beckenrand. Sie können einen Gegenstand aus 2 m Wassertiefe hochholen, vom Startblock oder dem 1Meter-Brett ins Wasser springen und ganz wichtig – sie kennen die Baderegeln! Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann das Jugendschwimmabzeichen in Bronze ablegen, den sogenannten Freischwimmer. Dann folgen das Deutsche Schwimmabzeichen in Silber und Gold. Dabei geht es auch um Lebensrettung – das eigene und das von gefährdeten Badegästen. Und das scheint immer wichtiger zu werden….

Zum Weiterlesen: Kinder vor dem Ertrinken schützen

Foto: Canva.com

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