Leben ohne Partner: Einsam aber nicht allein

Im Zeitalter von Facebook, Twitter, Wer-kennt-wen und ähnlichen Freundschaftsdiensten im Internet kann man den Eindruck gewinnen, es sei total einfach, möglichst viele Freundschaften zu haben. Ideal für vielbeschäftigte Singles – ein Klick und man ist befreundet. So hilfreich diese Dienste erscheinen mögen, so allein sitzt man trotzdem vor dem Bildschirm, denn sie können das persönliche Gespräch nicht ersetzen.

Freundschaften ersetzen Partner und Familie

Gerade für kinderlose Singles ist ein intensives Freundschaftsnetz wichtig. Ein gut funktionierendes Netzwerk kann fehlende familiäre Sozialbeziehungen kompensieren. Hier finden Singles Halt und Geborgenheit, können die Freizeit miteinander verbringen und sich über Single-Themen austauschen. Eine feste Bezugsperson kann den fehlenden Partner bzw. die fehlende Partnerin in gewisser Weise ersetzen und die Leere bis zu einem bestimmten Grad füllen, welche die verflossene Liebe hinterlassen hat. Manche Singles bezeichnen ihre Freunde auch als „Ersatzfamilie“.

Partnerlose benötigen mehrere gute Gesprächspartner

Verwandte und Nachbarn sind Singles weniger wichtig als Freunde und Bekannte. Singles haben mehr Freunde als Paare. Bei meiner Studie über Singles kam heraus, dass sie durchschnittlich 15 Freunde haben. Dass Singles viele Freunde haben kann an der „selektiven Dialogisierung des Gesprächs“ liegen. Damit ist gemeint, dass Freunde, Bekannte, Nachbarn oder Arbeitskollegen je ein anderes Segment der eigenen Interessen verkörpern. Deswegen ist es für Partnerlose wichtig, am besten mehrere gute Gesprächspartner zu haben.

94% der Singles haben einen besten Freund oder eine beste Freundin

Fast alle haben einen besten Freund oder eine beste Freundin, also eine feste Bezugsperson, mit der sie über alles reden können. Dabei hat etwas mehr als die Hälfte eine gleichgeschlechtliche Vertrauensperson und 14% eine gegengeschlechtliche. Mindestens jeder Fünfte hat einen besten Freund und eine beste Freundin.

Ein Gespräch unter Freunden hat Therapiecharakter

Einem guten Gespräch unter Freunden kann sogar eine therapeutische Funktion attestiert werden. Freunde sind wichtig für das „Seelenheil“ und helfen bei der Bewältigung und Gestaltung der Single-Zeit mit Höhen und Tiefen. Eine Freundschaft besteht aus Empathie, gegenseitiger Verbundenheit und uneigennütziger Hilfe. Freunde hören zu, ermuntern und trösten, helfen bei der Vergangenheitsbewältigung, geben Kraft und Stärke und helfen bei der Bildung einer positiven Zukunftssicht. Wenn es keinen Partner gibt, dem man von Problemen erzählen kann, dann tut es gut, eine feste Bezugsperson zu haben, zu der eine intensive emotionale Beziehung besteht.

Sehr gute Freunde sind nicht bloß Saufkumpanen

So hat mir einmal ein Single sein Freundschaftsverständnis erklärt. Die Qualität der Freunde spielt eine große Rolle, denn es geht nicht nur um Geselligkeit und Spaß, sondern um tiefsinnige Gespräche und darum, Hilfe zu bekommen und geben zu können. Zur Entspannung darf es auch einmal eine belanglos anmutende Unterhaltung über triviale Themen sein. Neben dem aktiven Kontakt ist auch das Gefühl wichtig, dass jemand da ist, wenn man ihn braucht.

Kein Sex unter Freunden

So innig das Freundschaftsverhältnis auch sein mag, hat es dennoch seine Grenzen: Sexualität findet nämlich nicht statt. Intimität ist zwischen zwei befreundeten Personen bis zu einem bestimmten Maß innerhalb dieser vertrauten Beziehung möglich, mehr ist nicht vorstellbar und mehr wird auch nicht gewünscht. Genauso wenig können sich Freunde vorstellen, vom Freundschaftspaar zum Liebespaar zu werden. Es gehen deswegen sogar Freundschaften in die Brüche sobald sich einer verliebt oder sexuelle Gefühle entwickelt. Viele haben Angst davor, dass die Freundschaft zerbricht und irgendwann diese Partnerschaft auch. Deshalb wird die Freundschaft vor der verletzlichen und verletzenden Liebe geschützt.

Veröffentlicht: 2. Mai 2011

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Kategorien: Single

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Verantwortliche Redakteurin: Sabine Bächer

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